Augen auf bei der Berufswahl

Bei der Füssener Berufsorientierungsmesse beantworten Arbeitgeber zahlreiche Fragen

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Ob am Messestand des V-Markts...

Füssen – Franz Richter-Neckermann, Chefkoch im Luitpoldpark-Hotel, Bäckermeister Martin Gschwill aus Halblech-Berghof und Anton Kirchmann vom V-Markt freuten sich am frühen Montagabend nach drei Stunden am Info-Stand.

Hunderte Jugendliche hatten sich persönlich bei ihnen im Rahmen der diesjährigen Berufsorientierungsmesse nach den Ausbildungsmöglichkeiten und den damit verbundenen Anforderungen erkundigt. 

In den zum Messeforum umgestalteten Räumen der Mittelschule, die sich einmal mehr mit der Staatlichen Berufsschule für die stetig größer werdende Infoveranstaltung für den Fachkräftenachwuchs zusammengetan hatte, kamen Ratsuchende vor allem mit Azubis der jeweiligen Betriebe ins Gespräch. Während sie aus frischem Teig Brezn formte, erzählte Hanna Sutter aus Bergdorf über ihren Weg zum Ausbildungsplatz als Bäckerin bei Meister Gschwill. „Ich wollte nach der Realschule unbedingt etwas Handwerkliches machen“, erklärte die 17-Jährige, die im zweiten Ausbildungsjahr angekommen ist. Auf einer Berufsmesse in Füssen kam sie auf die Idee, in eine Backstube hineinzuschnuppern. Ein Praktikum – wie in so vielen „Lebensläufen“ – sei ihr erste Schritt zum Ausbildungsplatz gewesen. 

...des Luitpoldpark-Hotels...

Aber die Backstube ist bekanntlich nichts für Langschläfer, Kunden wollen morgens frische Semmel. „Ich habe mich daran gewöhnt, dass wir ab vier Uhr morgens arbeiten“, erklärte Hanna. Lächelnd ergänzt sie noch: Am Nachmittag sei frei. Eines ihrer Ziele ist die Meisterprüfung im Bäckerhandwerk.

„Lebenslang lernen“ gelte heute für alle Berufe, betonte Ulrike Devries, Leiterin der Ostallgäuer Berufsschule. Dies sei eine Anforderung, die sich den jungen Fachkräften folglich auch im kaufmännischen und technischen Bereichen stellen müssen. Das Ausbildungsangebot in der Region wirkt beachtlich, wie ein Rundgang durch die beiden Schulturnhallen und die Foyers der beiden Schulen deutlich machte. 73 Teilnehmer, die gleich mehrere Ausbildungsplätze anboten, hatten unter anderem Broschüren ausgelegt und standen bei Fragen den Jugendlichen zur Verfügung. 

Verschiedene Vorträge

 In Klassenzimmern wurde darüber hinaus zu Vorträgen eingeladen. Erstmals dabei: die Hochschule Kempten. Zwischen den Einsatzzeiten, in denen Berufsberater Wolfgang Gabler mit Kollegen aus der Agentur für Arbeit gleich im Eingangsbereich der Mittelschule viele Fragen der jungen Leute beantwortete, hielt er den Vortrag „Wie finde ich den passenden Beruf?“. Womöglich ganz entspannt bei einem alkoholfreien Cocktail, zu dessen Genuss Hotelier Wolfgang Sommer die Gäste auf dieser Messe einlud?

 Eine klare Vorstellung darüber, wo er seine berufliche Zukunft sieht, hat Fabian aus Pfronten. Der 14-jährige Schüler will sich nicht im für junge Männer typischen technischen, sondern pädagogischen Bereich qualifizieren. Umringt von Mädchen waren sowohl die Vertreter der Bundeswehr und der Polizei in ihrer neuen blauen Uniform. 

Positiver Eindruck

Dass schon heute das nächste Ausbildungsjahr ins Auge gefasst werden sollte, machte der weitere Rundgang klar: Dorn und Lang, mit Büro im Bahnhofs-Geschäftshaus, suchen beispielsweise zum 1. September 2019 einen Auszubildenden für einen Steuerfachangestellten. Der positive Eindruck wurde bei der offiziellen Eröffnung durch Elmar Schmitt vom Arbeitskreis Schule-Wirtschaft als Veranstalter im Kooperation mit Joachim Schmied sowie Herbert Dopfer als Vertreter von Bürgermeister Paul Iacob (SPD) unterstrichen. Jugendlich hätten heute auf dem Ausbildungsmarkt so gute Chancen wie nie zuvor, betonte Dopfer. 

...oder des Hotels Sommer – überall können sich die wissbegierigen Jugendlichen über ihre beruflichen Aussichten detailliert informieren.

Er forderte Schulabgänger dazu auf, dies auch zu nutzen. Einschränkend wurde von Experten allerdings darauf hingewiesen: Bewerber und Ausbildungsbetrieb müssten schon „passgenau“ sein, um vom Start an, einen erfolgreichen gemeinsamen weg einzuschlagen. Wichtige Fürsorge „Wichtig ist, dass wir unsere Azubis führen, falls Schwierigkeiten auftreten“, so Jürgen Doser mit Erfahrungen aus der langjährigen Ausbildungspraxis. 

Die Berufsorientierungsmesse, auf der „Max Doser Haustechnik“ mit „vielleicht vier anderen Unternehmen“ bereits bei der ersten Messe vertreten war, habe dazu beigetragen, dass „Ausbildungsabbrüche im Dualen System seltener geworden sind“. Den noch unschlüssigen Jugendlichen wurde auf der Berufsinformationsmesse aufgezeigt, dass ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder der Bundesfreiwilligendienst wertvolle Zeit sein können, um sich einem Ziel anzunähern, das man vorher möglicherweise gar nicht im Blick hatte. 

Im Kontakt mit den Ausbildern, so Kirchmann vom V-Markt, treten vor allem diese Fragen der möglichen Bewerber auf: Wo ist die Berufsschule und wie ist diese erreichbar? Welche unterschiedlichen Ausbildungsgänge werden angeboten? Sind Praktika möglich und wie bewirbt man sich dafür? Die ersten Schritte auf der Brücke zum Beruf hat gemeinsam mit einer Freundin auch die 14-jährige Sara aus Füssen hinter sich gebracht. „Ich will gern mit Menschen arbeiten“, erklärte sie auf Nachfrage des Kreisbote, kurz nach ihrem Besuch am Messestand des Füssener Luitpoldpark-Hotels.

Chris Friedrich

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