Sprecherin der Regionalgruppe "Polio" ist für Impfpflicht

Eine klare Haltung

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Bärbel Sieber (2. v.l.) ist dabei, als Reiner Schweiger (2. v.r.) im Namen der Interessengemeinschaft für Menschen mit eingeschränkter Mobilität als Geste der Dankbarkeit einen Blumenstrauß an Anja Lutz (3. v.r.) in der Luitpoldstraße überreicht. Mit ihrem Mann Herry Lutz (links) hatte sie auf Bitten der IG den Blumenkübel weggeräumt, der sich für Rolli-Fahrer und auch unterwegs mit Kinderwagen als Hindernis darstellte.Foto: Friedrich

Füssen – Bärbel Sieber engagiert sich in der Interessengemeinschaft (IG) für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Darüber hinaus ist sie auch Sprecherin der Regionalgruppe „Polio“, die sich für Impfungen gegen Kinderlähmung ausspricht. Auf beiden Einsatzgebieten durfte sich Bärbel Seiber mit ihrem Mann Manfred und den anderen Aktivisten jetzt über Erfolge freuen. 

So ist es schnell und unbürokratisch gelungen, mit Hilfe des Ehepaars Lutz als Haus- und Grundstückbesitzer in der Luitpoldstraße ein Hindernis in Form eines im Weg stehenden Blumenkübels zu beseitigen. Kürzlich war außerdem eine weitere Polio-Gruppe in Füssen zum Austausch zu Gast. „Positiv verlaufen ist dabei auch unser Treffen mit der Landtagsabgeordneten Ilona Deckwerth“, so Bärbel Sieber gegenüber dem Kreisbote. 

 Vehement widerspricht der Verband Polio, dessen Sprecherin im Allgäu die Füssenerin Bärbel Sieber ist, all jenen Ärzten, Fachstellen und Familien, die eine Schutzimpfung gegen Kinderlähmung nicht für erforderlich halten. Wie Sieber im Gespräch mit unserer Zeitung bedauerte, werde dem Bundesverband Poliomyelitis stattdessen sogar „Panikmache“ vorgeworfen. 

Die Verbandsmitglieder jedoch ließen sich in ihrer klaren Haltung „pro Schutzimpfung“ nicht abbringen. Was sich auch gezeigt habe, „als wir die Regionalgruppe Rotttal/Inn als Gast bei uns in Füssen am Festspielhaus begrüßten.“ Zum Tagesprogramm gehörte auch ein Treffen in der Fachklinik Enzensberg mit der Landtagsabgeordneten Deckwerth (SPD) (der Kreisbote berichtete), die nach einer Knie-Op derzeit Reha-Patientin in der Klinik am Hopfensee ist. 

Die Gruppe leiste Aufklärungsarbeit aus erster Hand, betonte Deckwerth. 

Viren als Ursache

 Kinderlähmung wird durch Viren verursacht. Diese werden ausschließlich von Mensch zu Mensch übertragen. Bärbel Sieber, die aus Ludwigsburg stammt, ist, wie sie freimütig erzählte, „in meiner Kindheit schwer an Polio erkrankt, ich war noch ein Baby“. Dadurch ist die inzwischen pensionierte Verwaltungsfachfrau stark gehbehindert. 

Im Rollstuhl bleibt sie, begleitet von ihrem Mann Manfred, mobil und engagiert sich für die Belange von Menschen mit Handicap. Dazu gehören auch die älteren Polio-Patienten, die oftmals noch unter einem zweiten starken Schub leiden. Das seien rund 60.000 erkrankte Menschen.

 Doch warum schlägt der Bundesverband Polio wieder so vehement Alarm? Noch, so wird argumentiert, trete Polio zwar nur in einigen Ländern sowie Regionen wie Afghanistan, Pakistan und Nigeria auf. Eine Gefahr für die aus Sicht des Polio-Bundesverbands „nicht ausreichend geimpfte Bevölkerung“ stellten daher praktisch jede in ferne Länder reisende oder dort berufstätige Person dar.

 Denn in einer globalen Welt sei inzwischen fast jedes Ziel erreichbar. Denn dadurch, so die Verbands-Schlussfolgerung, könnte die Kinderlähmung auch wieder nach Deutschland zurückkehren, sprich: eingeschleppt werden und sich wieder ausbreiten. Der internationale Reiseverkehr vernetze die Welt schließlich eng.  

Fast ausgerottet

 Die Notwendigkeit einer Selbsthilfegruppe ergebe sich laut Sieber auch aus der Erfahrung, dass die Krankheit Polio aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit und der medizinischen Fachstellen – „auch dank der großen Erfolge durch die Schluckimpfung“ – fast vollständig verschwunden sei. Wer einem Menschen im Rolli begegnet – so könne man dies veranschaulichen – denke eher an einen Autounfall oder eine andere Unglücksursache, nicht aber an eine Polio-Infektion.

Schwere Spätfolgen

 Dass sich der Interessensverband verstärkt zu Wort meldet, hat darüber hinaus einen weiteren Grund: Die mehrheitlich über 60-jährigen betroffenen Personen haben vielfach unter den Spätfolgen dieser heimtückischen Viruserkrankung zu leiden – so auch Bärbel Sieber. Das Postpoliosyndrom kann sich demnach erst nach Jahrzehnten zeigen. Darüber hinaus klärt der Verband einen weiteren Irrtum auf: Polio ist nicht nur eine Erkrankung, die im Kindesalter auftrete. „Eine Polio-Ansteckkung kann lebenslang erfolgen.“ Stellvertretend bringt die Füssenerin die Verbands-Position auf den Punkt: „Impfungen und die Auffrischung des Impfschutzes sind auch weiterhin notwendig.“

cf

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