Jede Menge Gaudi im Nesselwanger Pfarrheim

Raus aus dem Ostallgäu!

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Nesselwangs Bürgermeister Franz Erhart (v.l.), Bianca und Karl Meyer, Landrätin amria Rita Zinnecker, Fastenpredigfer Walter Sirch und Reinhard Buchner vom Männerchor bereiten sich schon mal auf den Eintritt Nesselwangs in den Kreis Südallgäu vor.

Nesselwang – Mit gekonnten drei kräftigen Schlägen zapfte Landrätin Maria Zinnecker (CSU) beim Nesselwanger Bockbier-Anstich im Pfarrheim Sankt Andreas das erste Faß an. Unterstützung erhielt sie dabei vom Brauereichef der Braumanufaktur Allgaeu, Karl Meyer.

Zinnecker war spontan auf die Bitte von Meyer eingesprungen, da die heimische Landtagsabgeordnete Angelika Schorer (CSU), die den Anstich eigentlich vornehmen wollte, aus gesundheitlichen Gründen abgesagt hatte. Die Fastenpredigt hielt Walter Sirch. Er tat sich etwas schwer, bei den Nesselwanger Lokalpolitikern einen Ansatz zu finden. „Ihr seit‘s einfach zu brav, ich erfahr einfach nix von euch“. Leicht resigniert – und mit viel Augenzwinkern – kündigte er an, in Zukunft in den Markt einen Spion einzuschleusen. 

Landrätin Maria Rita Zinnecker und Brauereichef Karl Meyer beim Anstich.

In Ermangelung Nesselwanger Themen für seine Fastenpredigt nahm sich Walter Sirch die große Politik vor. Die Fastnachtsrede von AKK (Annegret Kamp-Karrenbauer, CDU), in der sie über das dritte Geschlecht sprach, lies ihn über die „Political Correctness“ philosophieren. Beamten- und Polizisten-Witze und das alles dürfe man ja dann eigentlich gar nicht mehr erzählen, so Sirch. „Herrgott, des war a Fastnachtsred, des war it ernst gmoint!“ 

Er lobte die Politiker, die noch Ecken und Kanten hatten – wie Strauß und Wehner. „Die heitige Politiker sind doch all bloß no medientauglich, do traut sich koina mea was zum sa (sagen)“. Lediglich Trump und Kim bieten noch Angriffsfläche, was aber auch gefährlich sein kann. „Beim oine bisch arbeitslos, beim andre an Kopf kürzer“. Beim Fußball aber ist die Welt noch in Ordnung, so die Meinung des Fastenpredigers. „Die zeigen wenigstens noch Emotionen“. Da rennen die Trainer wild gestikulierend an der Seitenlinie auf und ab, beim Torjubel reißen die Spieler sich, „zwar akut gelbgefährdet“ die Trikots runter und wälzen sich auf dem Rasen. 

Sirch sprach auch die ausufernde Bürokratie an, die erforderlich sei, um eine Traditionsveranstaltung wie ein Funkenfeuer auszurichten. „Früher hast halt einen Zettel gekriegt und unterschrieben und damit war‘s gut. Keiner will heute mehr Eigenverantwortung übernehmen. Die Schuld wird immer bei den anderen gesucht, falls was passiert.“ Irgendwann werde niemand mehr auf Grund der Verordnungs- und Regulierungswut der Ämter und Behörden solche Veranstaltungen organisieren. 

„Der Karl Meyer ist ja schon ein Fuchs mit seiner ‚Initiative Südallgäu‘“, lobte Sirch den Brauereichef. „Die Umbenennung von Ostallgäu in Südallgäu. Die Genehmigung der Kirche hat er dazu schon. Es ist wichtig, dass man die Kirche auf seiner Seite hat“. Neue Ortsschilder seien schon gedruckt, die Landrätin dazu eingeladen, der Sitz des Landratsamts ins Schloss Neuschwanstein zu verlegen, „das eh grad renoviert wird“. „Und Karl Meyer wird Hoflieferant“, so Sirch mit einem breiten Schmunzeln. 

Fastenprediger Walter Sirch in Aktion.

„Wir berufen im Kreistag erst mal eine Arbeitsgruppe ein“, beschwichtigte Landrätin Maria Zinnecker. „Vielleicht kriegen‘s wir ja bis zum nächsten Bockbier-Anstich hin. Und Dich beruf ich gleich dazu in die Strategiegruppe mit ein“, so Zinnecker lachend an Sirch gewandt. 

Neue Initiative

Zuvor hatte der Brauereichef seine Idee zu der Initiative erklärt. „Aus dem Osten ist noch nie was gescheites gekommen. So unter anderem die Hunnen bei der Schlacht auf dem Lechfeld oder die Türken vor Wien.“ Meyer sprach Ideen aus dem benachbarten Oberallgäu an, wo sich unter anderem Gastronomen und Hoteliers zusammengefunden hatten, um das südliche Oberallgäu besser zu vermarkten und somit von Mitbewerbern abzugrenzen. „Nehmen wir nur beispielhaft Osttirol, das kaum einer kennt. Aber Südtirol ist bekannt“, so Meyer. „Und bevor‘s uns genauso geht, machen wir aus dem Ostallgäu das Südallgäu“. 

Das Trio „Allgäuer Duranand“ aus dem Unterallgäuer – oder Nordallgäuer – Bad Grönenbach, das den Abend musikalisch und mit viel Humor gestaltete, hatte bereits eine eigene neue Nationalhymne für das Südallgäu komponiert. Mit viel Beifall und Gelächter wurden die Vorlieben der Landwirte für ihr liebstes Hobby, das „Bschütten“ und die der Frau für Schuhe besungen. Aber auch die nette Nachbarin, die auf einer einschlägigen Seite in eindeutigen Posen gefunden wurde, sorgte bei den zahlreichen Einheimischen und Gästen des Bockbier-Abend für Lacher.

hoe

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