Ausschuss treibt Bauleitplanung A52-östliche Floßergasse voran

"Blick in die Floßergasse geht verloren"

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So sollen die geplanten Häuser (rote Dächer) ausschauen. Nach den neuesten Planungen wurde der rechtwinklige Komplex jetzt jedoch einen Meter weiter nach Norden (links) und einen Meter weiter nach Westen Richtung Floßergasse verschoben. Dadurch musste das Haus A (der Anschluss an das Haus 22a) um einen Meter verkürzt werden. Auch die Tiefgarage wurde verschoben. Das einzelne Haus D bleibt so stehen wie hier im Modellbild.

Füssen – Einen Schritt weitergekommen ist die Stadt Füssen jetzt beim Bebau-ungsplan „A52 – östliche Floßergasse“. Nachdem der Bauausschuss in seiner Dezem-bersitzung die öffentliche Auslegung noch abgelehnt hatte, genehmigte das Gremium sie jetzt in seiner jüngsten Sitzung.

Denn die Baupläne haben sich „sehr, sehr verändert. Sogar das Landesamt für Denkmalpflege sagt, jawoll das ist in Ordnung“, erklärte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Gar nicht in Ordnung fanden dagegen Magnus Peresson (UBL) und Dr. Christoph Böhm (CSU) die Pläne. Denn „der einmalige Blick auf die historische Dachlandschaft“ gehe verloren, so Peresson. 

Außerdem kritisierte er erneut die Informationspolitik der Stadt und zweifelte sogar Aussagen der Planer an. Seit fünf Jahren zieht sich das Projekt nun hin. 

Zuerst war ein geschlossener, ringförmiger Bau geplant. Doch die Denkmalpfleger sorgten sich um die Sichtachse auf die Altstadt. Deshalb sollte der Bau weniger massiv, nicht zu hoch und nicht zu weit in den Hang gebaut werden. So wurde im Lauf der Jahre aus dem Halbrundbau rechtwinklige, zueinanderstehende Häuser, wie Architekt Hans Peter Meyer erklärte. 

„Der Blick auf das Hohe Schloss ist uneingeschränkt“ Hans-Peter Meyer, Architekt 

Um die Höhe zu reduzieren, hatten sich die Beteiligten im Dezember einen cleveren Schachzug überlegt: Als Hanggrund sollte der ursprüngliche, historische Grund herangezogen werden. Die Schichten, die im Laufe der Jahre aufgeschüttet wurden, sollten abgetragen werden. Doch bei weiteren Gesprächen mit der Diözese, dem Landesamt für Denkmalpflege (LfD) und Iacob wurde jetzt klar: Bei den Beteiligten stehe „die Sicherheit des Klosters und der Kirche an erster Stelle“, so Meyer. Deshalb einigte man sich darauf, einen 30-Grad-Winkel zwischen dem Kirchengelände und dem Fundament der geplanten Gebäude einzuhalten, „um wirklich 100 Prozent sicher zu gehen“, dass der Hang nicht nachrutscht, so Meyer. 

Dafür hat er die Gebäude verkürzt und die Tiefgarage zurückgesetzt. Das Ziel sei, 15 Wohnungen zu bauen. Die 30 notwendigen Stellplätze können nachgewiesen werden. 21 sollen in der Tiefgarage, neun sollen oberirdisch entstehen. Von der Höhe kann „der Kreisbaumeister drei Geschossen zustimmen“, erklärte Meyer. Denn „der Blick auf das Hohe Schloss ist uneingeschränkt.“ 

Allerdings soll das Dach schlicht gestaltet werden. Die Gebäude sollen außerdem den Dachfirst in der Spitalgasse 34 nicht überragen. Und derzeit schaut es gut aus, dass die Vorgabe eingehalten wird. Denn „momentan liegen wir sieben Zentimeter unterhalb des Firsts“, so Meyer. Auch Stadtplaner Thomas Haag sah die Veränderung positiv. „Da hat sich einiges getan.“ Die Planung „weicht eindeutig zurück und greift nicht intensiv in den Hang ein.“ Deshalb empfahl er die neuen Pläne erneut öffentlich auszulegen. 

Stadtrat Magnus Peresson war jedoch ganz anderer Meinung. „Das mit dem Blick darf ich anzweifeln“. Schließlich gehe es nicht nur um den Blick auf das Hohe Schloss, sondern auch um den Blick auf „die historische Dachlandschaft“. Und die werde dann nicht mehr zu sehen sein. Zudem gehe aus den Unterlagen hervor, dass „Herr Hohenadel (Kreisbaumeister – Anmerk. d. Red.) nicht will, dass man in den Hang eingreift“, sagte Peresson. Das Haus D rage aber 4,5 Meter in den Hang hinein. „Die müssen den halben Hang anknabbern, um bauen zu können“, kritisierte er. 

Kritik an Bauplänen 

Auf den Zug sprang auch Dr. Christoph Böhm auf. „Es gibt eine gewisse Diskrepanz zwischen dem Plan und dem Titelblatt“ beim Haus D, so Böhm. Denn im Plan liege das Erdgeschoss am Hangfuß, auf dem Titelblatt rage die Hinterseite dagegen in den Hang hinein. Zudem stehe das Gebäude „wie ein Klotz“ in der Sichtachse zum Kloster. „Der malerische Blick in die Floßergasse geht verloren“, so Böhm. Von einem ganz anderen Gesichtspunkt betrachtete Jürgen Doser (FW) die Situation. „Seit fünf Jahren treiben wir die Kuh vor uns her. Irgendwo kommt der Punkt, wo wir es gut sein lassen müssen.“ 

Der Stadtrat habe einst die Bebauung des Areals genehmigt. Deshalb gehöre jetzt „eine Entscheidung her, sonst machen wir uns lächerlich.“ Doch da widersprach ihm Böhm vehement. Denn einem neuen Stadtrat stehe es zu Beschlüsse neu zu bewerten. Auch Iacob und Peresson geriet sich – wie schon in der Dezembersitzung – erneut wegen der Informationspolitik der Stadt in die Haare. 

So prangerte Peresson an, dass das Bodengutachten von 2008 zu alt sei und in machen Punkten „nicht stimmen kann“. Da sich in der Geschichte Füssens hier nie eine Schuttgrube befunden habe, könne nicht überall Ziegel- und Betonreste gefunden worden sein. „Die Behauptung ist unanständig“, so Peresson. 

„Die Stadtverwaltung ist kein Deppenhaufen“, Bürgermeister Paul Iacob

 „Ich denke die Stadträte verdienen für wichtige Entscheidungen vollständige Unterlagen“. 

Das wollte Iacob nicht auf sich sitzen lassen. „Die Stadtverwaltung ist kein Deppenhaufen“, erklärte er scharf. Die vollständigen Unterlagen seien im Internet, im Stadträteportal, vorhanden. Für die wenigen Räte, die kein Internet haben, könne nicht alles ausgedruckt werden. Dafür seien die Unterlagen zu umfangreich. Außerdem hätten die Stadträte die Pflicht sich selbstständig zu informieren, so Iacob. Doch auch Böhm fühlte sich nicht gut genug informiert. 

So prangerte er an, dass die Stadträte vor der Diskussion nicht vor Ort waren, obwohl sie in der vergangenen Sitzung eine Ortsbesichtigung beantragt hatten. Iacob gab zu das vergessen zu haben, schlug aber vor, den Ortstermin vor der nächsten Entscheidung zu diesem Thema nachzuholen. Dann soll auch ein Phantomgerüst aufgestellt werden. 

Das und die öffentliche Auslegung der neuen Pläne segneten die Stadträte mehrheitlich ab und brachten damit die Bauleitplanung weiter voran. Nur Peresson, Böhm und Bernhard Eggensberger (FÜS-Land) stimmten dagegen.

Katharina Knoll

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