"Es kann zur Katastrophe kommen"

Eine Evakuierung mit der Drehleiter ist in der Augsburger Straße 15 nicht möglich, sagen Bürgermeister und Verwaltung. Der Stadtrat ist davon (noch) nicht überzeugt. Matz

Füssen – Bürgermeister Paul Iacob drohte am Dienstag im Stadtrat mit der sofortigen Schließung der Gemeinschaftspraxis Dr. Cyron und Tauno Zobel in der Augsburger Straße 15, sollte das Gremium dem Fällen der Esche nicht zustimmen. Nach langer Diskussion beugte sich der Rathauschef aber dem Stadtrat. 

Seit dem Auszug des Landratsamtes aus der Augsburger Straße 15 in den 70er Jahren hat sich dort einiges getan. Büros zogen ebenso ein wie Arztpraxen. Auch die „Kleiderkiste“ ist in dem historischen Gebäude beheimatet. Nun soll es wieder zu einer Veränderung im zweiten Stock kommen, die allerdings zu größeren baulichen Eingriffen führt und daher eine Baugenehmigung erforderlich macht. Damit erlischt allerdings auch der Bestandsschutz des Gebäudes, was bedeutet, dass für das Haus nun die aktuellen, im Vergleich zu früher deutlich verschärften Brandschutzregeln gelten. 

Wie die Prüfungen ergaben, ist vor allem die Situation im Südtrakt – wo eben die Cyron- und Zobel-Praxis beheimatet ist – und der „Kleiderkiste“ im Untergeschoss mit diesen aber nicht vereinbar. So dient ein Kellerschacht derzeit als zweiter Fluchtweg für die „Kleiderkiste“, wo an Abholtagen sich 80 bis 100 Personen aufhalten. „Eine Mausefalle“, hieß es dazu am Dienstag im Stadtrat. Daher soll voraussichtlich im Juli/August ein zweiter Rettungsweg angelegt werden, damit die „Kleiderkiste“ im September die Arbeit wieder aufnehmen kann.

 „Das Geld dafür haben wir“, betonte Iacob auf Nachfrage des Kreisboten. Die Maßnahme soll so angelegt werden, dass sie später problemlos durch eine Feuertreppe für die Praxis ergänzt werden kann, erklärte der Rathauschef. Das Geld dafür – geschätzt etwa 100.000 Euro – hat die Stadt derzeit nicht. 

Rettung nicht möglich? 

Bei der Überprüfung der Fluchtwege für die Praxis durch die Füssener Feuerwehr war nämlich schnell klar geworden: Es gibt nur einen. Daher muss die Feuerwehr in der Lage sein, dass Gebäude über die Drehleiter zu evakuieren. Wegen der großen 250 Jahre alten Esche kann die Drehleiter aber nicht nahe genug an das Gebäude heran, wie Versuche vor Ort ergaben. „Eine Rettung aus dem Südtrakt ist nicht möglich ohne die Esche zu fällen“, betonte deshalb der Bürgermeister. Sollte der Stadtrat der Fällung der Esche nicht zustimmen, werde er noch am Freitag nach dem Feiertag die Praxis schließen, kündigte er an. „Ich werde die Verantwortung nicht auf mich nehmen“, betonte Iacob. „Es kann zur Katastrophe kommen.“ 

Ganz so akut bewerteten die Stadträte die Situation nach langer Diskussion allerdings nicht und forderten, Alternativen zu prüfen bevor der imposante Baum gefällt werde. Unter anderem brachten sie eine Evakuierung über die Westseite ins Gespräch, eine Fällung der Kastanie statt der Esche oder eine Sperrung der Parkplätze, damit die schwere Drehleiter im Ernstfall in diesem Bereich aufgestellt werden könne. 

Dr. Christoph Böhm (CSU) dagegen forderte eine Befestigung der Wiesenfläche rund um das Gebäude durch den Bauhof, damit diese die 16 Tonnen schwere Drehleiter tragen könne. Finanziert werden könne dieses Vorhaben beispielsweise durch die 90.000 Euro, die seit Jahren für die Luitpoldstraße bereit stünden, argumentierte er. 

Unter anderem auf Vorschlag von Jürgen Doser (FW) einigte sich das Gremium aber schließlich auf eine Ortsbesichtigung am kommenden Dienstag, 3. Juni, ab 15.30 Uhr durch den Bauausschuss. Iacob ließ keine Zweifel daran, dass dann aber eine endgültige Entscheidung fallen müsse: „Ab Mittwoch übernehme ich keine Verantwortung mehr“, betonte er. „Am Dienstag will ich eine Entscheidung“, bekräftigte er am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung. Über die Entscheidung des Stadtrats vom Abend davor zeigte er sich erstaunt. „Ich bin davon ausgegangen, dass die Sicherheit der Menschen an oberster Stelle steht“, sagte er. mm

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