Lehrkräfte für Asylbewerber treffen sich erstmals

Steigende Herausforderungen

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Barbara Veit gehört zum Füssener Lehrerteam, das ehrenamtlich Asylbewerber unterrichtet. Den Deutschkurs in der Mittelschule besuchen junge Afrikaner. Die drei Männer auf dem Foto sind aus Somalia und Nigeria geflüchtet.

Füssen – Dezentraler Deutschunterricht, Konversationsangebote am Abend und Unterstützung beim alltäglichen Leben: Beim ersten Treffen der Lehrkräfte, die ehrenamtlich Asylbewerber unterrichten, haben Ingrid Stubbe und Elke von Schönfeldt jetzt einen Überblick über die Aufgabenstellung gegeben.

Einen Schritt weiter sei man dabei beim Kontakt mit jenen Asylbewerbern, für die das hier geläufige Buchstabensystem völlig unbekannt ist – dank Mitgliedern der syrisch-orthodoxen Gemeinde Füssen, wie Saliba Aygün oder Ferit Motor. Beim Treffen der ehrenamtlichen Lehrkräfte, die auch sonst im Arbeitskreis Asyl Füssen aktiv sind, kam nicht zuletzt dieses Plus im Umgang mit Menschen aus dem arabischen Raum zur Sprache. Ingrid Stubbe und Elke von Schönfeldt vom Arbeitskreis Asyl behalten den Überblick bei der Aufgabenstellung, den Deutschunterricht zu organisieren. 

Am Dreikönigstag zeigte sich das beim ersten Treffen der ehrenamtlichen Lehrkräfte, das bei der Freien Evangelischen Gemeinde in der Abt-Hess-Straße stattfand. „Inzwischen sind die Asylbewerber an vier Standorten im Stadtgebiet untergebracht“, so Stubbe vor den 23 Teilnehmern der Arbeitssitzung, die über zwei Stunden dauerte. 

Dezentraler Unterricht 

Der Deutschunterricht, wie die Sprecherin des Arbeitskreises Asyl erläuterte, „findet künftig dezentral statt“. Die aktuell 27 Lehrkräfte werden ab sofort in Klassenzimmern der Füssener Mittel- und der Realschule sowie auch vor Ort in Unterkünften ihren Kurs anbieten. Wie Stubbe eingangs erläuterte, „wohnen im Hostel in der Bahnhofstraße weiterhin junge Männer. Frauen mit Kindern und schwangere Frauen sind andernorts untergebracht. Für sie kommen die Lehrkräfte künftig auch direkt ins Haus.“ 

Derzeit sei es möglich, den Unterricht, wie es vom Arbeitskreis geplant wurde, „tatsächlich in dieser Form auch zu gewährleisten“. Allerdings wachse die Herausforderung für die ehrenamtlichen Lehrerinnen und Lehrer, „weil insbesondere die Menschen aus Eritrea meist kaum Fremdsprachenkenntnisse in englischer oder französischer Sprache haben“, sagte Elke von Schönfeldt in ihrem Kurzreferat. Hier ging es auch um geeignetes Lehrmaterial, „das wir noch bestellen müssen“. Die Mittel dafür, hieß es, „stehen – auch durch Spenden – bereit“. 

Lernen wie Erstklässler 

Zum Anschauen hatte die erfahrene Lehrerin unterschiedliche Bücher mitgebracht. Ihre Ausführungen sprachen das Problem an, dass „Eritreer und Syrer oft keine Erfahrungen mit unserem Buchstabensystem haben. Daher ist anfänglich ein Lesenlernen wie bei unseren Erstklässlern notwendig.“ Diese Methode helfe auch, um die deutsche Aussprache schrittweise zu lernen.  Das Engagement geht über Deutschunterricht hinaus. 

„Wir begleiten gern bei Arztbesuchen, helfen dabei, amtliche Briefe zu verstehen und unterstützen bei der Arbeitssuche“, gab Stubbe auf Anfrage des Kreisboten Beispiele aus den Aufgabengebieten des jungen Arbeitskreises. Geplant sei zudem ein Konversationsangebot am Abend für Asylbewerber, die berufstätig sind.

Chris Friedrich

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