Whiskey vom Schwangauer Hausberg

In einer alten Liftstation am Tegelberg soll besonderer Branntwein reifen

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Bei der Segnung der „Schatzkammer“ durch Pater Michael sind auch ihre Königliche Hoheit, Prinzessin Beatrix von Bayern (v.l.) Bürgermeister Stefan Rinke, Michael Schroll, Elisabeth von Elmenau sowie Rinkes Stellverteter Johann Stöger und Peter Helmer mit dabei.

Schwangau – Zu den zahlreichen Spezialitäten und Besonderheiten in Schwangau ist eine weitere hinzugekommen: Whisky, der auf dem Tegelberg auf knapp 1700 Meter Meereshöhe reift.

Die Brennerei Schroll lagert hier ihr frisch destilliertes „Lebenswasser“ in einer alten Liftstation. Damit ist der Tegelberg der derzeit höchste Reifekeller in ganz Deutschland. Man kann ohne Übertreibung vom Gipfel des Genusses sprechen, auch wenn noch niemand bislang den Whisky probieren durfte, der jetzt gen Himmel schwebte. 

Mit der Kabinenbahn wurden die ersten beiden Whiskyfässer zur Bergstation auf dem Tegelberg transportiert, danach ging es auf einem Anhänger wieder einige Meter bergab bis zu der kleine Hütte, in der vor über 20 Jahren die Skiliftkontrolle untergebracht war. Nicht einmal ein Vierteljahr sei es her, erinnerte sich Tegelbergbahn-Chef Frank Seyfried, dass man hier zusammengestanden und darüber sinniert habe, „was könnt‘ ma denn zusammen machen“. 

Auf dem Tegelberg soll der Whiskey in den Fässern sein ganz besonderes Aroma bekommen

Wir, das sind in diesem Fall der Geschäftsführer der Tegelbergbahn, und Michael Schroll, der im Brauhaus Schwangau seine Destillate produziert sowie die Vertreter der Gemeinde. Dabei entstand diese doch nicht alltägliche Kooperation, bei der sich Geschmack und Genuss sowie Technik und Bergerlebnis auf einzigartige Weise treffen. Das Wasser des Lebens, so die Übersetzung des gällischen Wortes Whisk(e)y (uisge beatha), muss nach der Destillierung in einem Holzfass reifen, um den typischen Geschmack zu entwickeln. Und hier kommt der Schwangauer Hausberg ins Spiel, denn je nach Ort der Reifelagerung entwickeln sich andere Geschmacksnoten. 

Das raue Bergklima in den Ammergauer Alpen, so erklärt Michael Schroll, vollende seine Arbeit in der Destillerie. Hier würden die Brände ihr besonderes, eigenes Aroma entwickeln. „Durch die Temperaturschwankungen“, erklärt Experte Schroll, „haben wir eine intensivere Reifung. Denn das Produkt wandert in das Holz und wieder heraus.“

Genau diese Wanderung des Whiskys in das Holz (und wieder heraus) macht den Geschmack des Brandes, nimmt der Whisky dabei die Geschmacksstoffe des Eichenholzes auf. In der Schatzkammer, wie Schroll die kleine Bergbahnstation nennt, schwanken die Temperaturen zwischen minus 20 Grad und mehr im Winter und über 20 Grad plus im Sommer. Dadurch wandert die Flüssigkeit noch weiter in das Holz und bekommt so intensivere Aromen. 

Dazu kommt noch eine weitere Besonderheit: Für seine Erstabfüllung hat Schroll zwei Eichenholzfässer von der schottischen Insel Islay genommen, in denen zuvor „Laphroig“ gereift war. Dadurch soll der Schwangauer Whisky eine besonders rauchige Note bekommen. 

Hohe Hürden

Doch bevor es soweit war, mussten Brenner wie Seilbahnbetreiber und die Gemeinde Schwangau einige Hürden überwinden. Denn wo Alkohol im Spiel ist, haben Zoll und Finanzamt ein Wörtchen mitzureden. In diesem Fall ging es vor allem um die Art der Lagerung, wobei auch Versicherungen beteiligt werden mussten. 

Doch dank der großen Professionalität aller Beteiligten, wie Frank Seyfried lobte, konnten alle Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. So ist Michael Schroll nun Pächter der alten Lifthütte, wo in den 1960 bis 80-iger Jahren ein Sessellift die Skifahrer vom Kar zum Helmerköpfle beförderte. Mit Hilfe diverser Vorkehrungen wurde die Hütte gesichert, so dass die Brände, derzeit lagern neben dem Whisky hier oben auch ein Bockbier-und ein Apfelbrand (im Maulbeerfass), ein Schlehengeist und ein Brandy, vor unrechtmäßiger Verkostung sicher sind. 

Einen Schritt weiter

Mit diesem neuen Angebot sei Schwangau auf dem Weg zur Genussregion einen Schritt weiter, merkte Bürgermeister Stefan Rinke an. Auch einige der beteiligten Wirte waren der Einladung zur Einweihung und Segnung der Schatzkammer durch Pater Michael gefolgt. Und noch jemand dürfte sich über diesen Reifeort freuen – die Engel. „Angels’s Share“, der Anteil der Engel – so heißt der Anteil des Alkohols im Whisky – wird zumeist mit über 60 Volumenprozent abgefüllt, der im Laufe der Zeit verdunstet. Und hier ober auf über 1700 Meter Höhe, erläutert Schroll, sei die Verdunstung besonders hoch. Er schätze den Anteil auf bis zu 15 Prozent pro Jahr. Im Vergleich dazu liegt der „Angels Share“ im Tal bei nur vier Prozent. Da möchte man fast ein Engel werden und am Tegelberg leben.

Oliver Sommer

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