Stadtrat Magnus Peresson (UBL) fühlt sich einer Kampagne ausgesetzt

"Irgendjemand steuert das"

+
UBL-Stadtrat Magnus Peresson

Füssen – Die erste Sitzung des Stadtrates hat noch nicht einmal stattgefunden, da erlebt die Stadtpolitik bereits ihren ersten Eklat im neuen Jahr.

Weil Bürgermeister Paul Iacob (SPD) einen kritischen Brief eines Archäologie-Büros an Stadtrat Magnus Peresson (UBL) an die Ratsmitglieder weitergegeben hat, sieht sich dieser als Opfer einer Kampagne und hat beim Landratsamt Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Iacob eingereicht. Außerdem werde er strafrechtliche Schritte prüfen lassen, kündigte er an. Der Bürgermeister hält eine Dienstaufsichtsbeschwerde indes für „lächerlich“.

Bürgermeister Paul Iacob.

Dass Iacob und Peresson in diesem Leben wohl keine Freunde mehr werden, gilt unter Beobachtern als sicher. Zu oft sind die beiden in ihrer politischen Arbeit in der Vergangenheit aneinander geraten. Vor allem Alt-Füssen-Vorsitzender Peresson gilt, wenn es um den Denkmalschutz in seiner Heimatstadt und den vermeintlichen Einfluss von Investoren geht, als scharfzüngiger Kritiker der städtischen Politik. 

Doch nun scheint der Streit eine neue Eskalationsstufe erreicht zu haben. 

Auslöser ist, dass Iacob einen kritischen Brief des Oberallgäuer Büros für Archäologie Patzelt & Peter an Peresson in das sogenannte Stadträteportal hat stellen lassen. In dieses Portal stellt die Stadtverwaltung in der Regel vor allem die für eine Sitzung notwendigen Unterlagen ein, damit sich die Ratsmitglieder auf diese entsprechend vorbereiten können. 

Scharfe Kritik

Im genannten Schreiben vom 7. Dezember gehen die Archäologen aus dem Oberallgäu Peresson wegen eines Berichts im Jahrbuch 2015 des Vereins „Alt Füssen“ über ein Bauprojekt in der Luitpoldstraße/Hintere Gasse scharf an. So sei – entgegen Peressons Darstellung im Jahrbuch – denkmalschutzrechtlich bei dem Projekt alles mit rechten Dingen zugegangen. Dann heißt es weiter: „Um über Umfang und Qualitätseinschätzung dieser archäologischen Untersuchung urteilen zu können, fehlt Ihnen schlichtweg die fachliche Qualifikation und Kompetenz.“ 

Die Verfasser werfen dem Füssener Architekten – der Patzelt & Peter in dem kritisierten Bericht allerdings kaum erwähnt – außerdem vor, seine „eigene Zuständigkeit, Befugnisse und Kenntnisse nicht realistisch einschätzen zu können“. 

Das Schreiben schließt mit: „Ihr Agieren aber ist sowohl für die Bau- als auch Bodendenkmalpflege kontraproduktiv, darüber hinaus untergräbt die Verunglimpfung der beteiligten Personen das Verständnis in der Öffentlichkeit für die von Ihnen eingeforderten denkmalpflegerischen Belange.“

Üble Nachrede?

Neben Peresson und Bürgermeister Iacob ging das Schreiben aber auch an das Landratsamt Ostallgäu, den Bauherrn und das Landesamt für Denkmalpflege (LfD), wie Lambert Patzelt auf Nachfrage erklärte. Außerdem habe das Büro Patzelt & Peter darum gebeten, den Brief auch den Stadträten zugänglich zu machen, berichtete Iacob gegenüber dem Kreisbote. Dem sei er nach längerem Überlegen nachgekommen, da die Stadt ebenfalls Mitglied in „Alt Füssen“ sei und den Verein finanziell unterstütze. „Daher war es meine Pflicht, das zu verteilen“, so Iacob. „Wären wir kein Mitglied, hätte ich es nicht getan.“ 

Für Peresson ist der Vorgang jedoch ein Unding. „Ich empfinde das als persönliches Schreiben. Das hat mit der Arbeit des Stadtrates und mit den Belangen der Kommune nichts zu tun“, sagt er. „Wenn ein solcher Brief öffentlich gemacht wird, dann ist das üble Nachrede!“ 

Ganz abgesehen davon, dass er den Wirbel um seinen Jahrbuch-Bericht nicht verstehen könne. „Ich habe nichts anderes getan als dargestellt, was damals in den drei Tagen gelaufen ist.“ Mittlerweile hat der Architekt und Stadtrat deshalb beim Landratsamt in Marktoberdorf eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Iacob eingereicht. „Weil ich unterstelle, dass der Brief öffentlich geworden ist, weil ihn der Bürgermeister ins Stadträteportal gestellt hat.“

Strafrechtlich relevant?

 Außerdem will er strafrechtliche Schritte gegen den Rathauschef prüfen lassen. Denn mit der Veröffentlichung im internen Portal des Stadtrates nicht genug: Laut Peresson kursiere das für ihn brisante Schreiben mittlerweile an Stammtischen in Füssen. Und Harald Vauk von den „Aktiven Bürgern“ will eine Kopie des Briefs, eingelegt in ein Magazin, in einem Füssener Cafè gefunden haben. Auch er kündigte an, Beschwerde gegen Iacob einzureichen. 

„Dieses Schreiben wurde bewusst verteilt, um meinen Ruf zu untergraben. Irgendjemand steuert das“, ist sich Peresson deshalb sicher. „Das ist eine gezielte Kampagne!“ 

Bürgermeister Iacob bestreitet, etwas damit zu tun und den Brief in der Öffentlichkeit lanciert zu haben. „Das ist durch mich und die Verwaltung nicht passiert“, betont er. Auch die Stadträte seien angehalten, die Inhalte des Stadträteportals diskret zu behandeln. Dass das Schreiben nun in der Stadt kursiere, halte er für nicht gut. „Das ist nicht in Ordnung“, betont er. Auch Lambert Patzelt ist wenig begeistert, dass sein Brief nun einen solchen Wirbel verursacht. „Wir sind auch nicht glücklich darüber“, sagte er auf Anfrage. „Der war nicht für die Öffentlichkeit.“ 

Peresson hat dagegen nach eigenen Angaben bereits einen Verdacht, könne ihn aber (noch) nicht beweisen. Man müsse sich die Frage stellen: „Wem nutzt das Ganze?“

Matthias Matz

Auch interessant

Meistgelesen

Altstadt wird zur Musik-Meile
Altstadt wird zur Musik-Meile
Lanz, Eicher und Schlüter
Lanz, Eicher und Schlüter
Vorreiter in Österreich
Vorreiter in Österreich
Skate- und Bikepark nimmt Form an
Skate- und Bikepark nimmt Form an

Kommentare