"Sie sind überall und rücksichtslos"

Füssens Bürger wünschen Schutz vor Fahrradrowdys – Forderung an den Stadtrat Lösungen zu finden

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Insbesondere seit Beginn der Sommerferien ist es egal, wo Fußgänger tagsüber entlang gehen: Fahrrad- und vor allem auch extrem viele E-Bikefahrer sind derzeit in der Lechstadt überall unterwegs.

Füssen – Radler, die rücksichtslos durch die Fußgängerzone brettern oder Fußgänger auf dem Gehweg bedrängen: Zu solchen Szenarien kommt es immer häufiger in der Lechstadt. Zahlreiche Bürger wünschen sich, dass die Behörden stärker durchgreifen. Eine Lösung für das Problem ist jedoch nicht in Sicht.

In der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause sprach Anna Götz aus Füssen in der Bürgerfragestunde aus, was wohl viele Bürger insgeheim beschäftigen dürfte. „Die Radfahrer sind überall und rücksichtslos“, berichtete die Seniorin. „Es gibt keinen Weg mehr, auf dem man nicht von ihnen regelrecht belästigt wird.“ Ihr persönlich falle dies insbesondere im Pfarrgässle und beim Spaziergang am Lech entlang auf. Und selbst auf der Promenade in Hopfen, wo das Fahrradfahren ausdrücklich verboten ist, sei ständig Zweiradverkehr. Thomas Meiler, CSU-Stadtrat und Polizist, nickte an dieser Stelle zustimmend.

Tatsächlich ist das Problem bei der Polizei hinlänglich bekannt. Auch die Füssener Beamten stellen fest, dass der Anteil der Fahrradfahrer stetig wachse. Es sei tatsächlich kein subjektives Empfinden, die Anzahl der Fahrradfahrer sei sprunghaft angestiegen. Und mit ihr auch die Zahl der Rad-Rüpel, so Füssens Polizeichef Edmund Martin gegenüber dem Kreisboten. Zum einen, da dies politisch gewünscht sei, zum anderen jedoch, da wir uns in einer Fahrradregion befinden, sagte er auf Nachfrage.

1600 Radler in sechs Stunden

Bereits im Sommer des vergangenen Jahres haben seine Beamten bei einer Zählung an der Staumauer in Schwangau-Horn innerhalb von sechs Stunden 1600 Fahrrad- und E-Bikefahrer gezählt. „Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen!“ Unter anderem durch die Coronakrise verstärke sich das Problem aktuell. Deutlich mehr Menschen machen in Deutschland Urlaub, viele von ihnen bringen ihr Rad mit.

Durchschnittlich gibt es im Füssener Land zwei bis sechs tödliche Fahrradunfälle jährlich, so Martin. Erschwerend hinzu komme: „Rad heißt jetzt meistens E-Bike.“ Insbesondere ältere Menschen seien mit den Elektrofahrrädern aber überfordert. Das zeige sich auch in der Unfallstatistik. „Wir haben pro Jahr mindestens einen toten E-Biker bei Verkehrsunfällen“, so der Polizeichef.

"Extrem viele Radler"

Viel dagegen unternommen werden kann aber dennoch nicht. „Momentan haben wir extrem viele Radler“, sagte Dr. Martin Metzger (BfF), der sich bereits im vergangenen Planungs-, Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss intensiv mit dem Thema auseinander setzte (der Kreisbote berichteten). „Wir haben immer das Problem, ob bei Fahrrad- oder Autofahrern, dass sich manche nicht an die Regeln halten. Und wenn man etwas sagt, werden sie oft unverschämt“, berichtete Metzger. „Und die Polizei kann nicht alle stoppen.“

Anna Götz schlug vor, die Radler über die Wachsbleiche auf die Augsburger Straße zu leiten und so vom Lechuferweg fern zu halten. „Die Frage ist aber, ob die Leute das überhaupt nutzen“, entgegnete Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU). Dass die Thematik präsent sei, versicherte der Rathauschef, und erinnerte an die Pläne, den Lechuferweg zu verbreitern. Die Stadt befinde sich immer noch in Verhandlungen mit Grundstückeigentümern. Wenn das Projekt jedoch erfolgreich abgeschlossen ist, sei er sich sicher, dass es zumindest in diesem Bereich eine gewisse Verbesserung geben werde.

Laut Polizeichef Martin ist außerdem eine Fußstreife täglich in der Fußgängerzone unterwegs. Auch dort sei die große Anzahl an Fahrrädern auffällig, berichtete Martin. „Wir verwarnen, wenn wir Verstöße feststellen.“

Selma Höfer

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