Doppelt so viele wie nötig

Bürgerinitiative gegen Hotelbau in Lechbruck überreicht 612 Unterschriften für Bürgerbegehren

Wolfgang und Manuela Wagner sowie Valerie und Alexander Pfanzelt
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Wolfgang und Manuela Wagner (v.l.) sowie Valerie und Alexander Pfanzelt von der Bürgerinitiative „Hotel NEIN Danke” stehen vor dem Lechbrucker Rathaus. In der Hand hält Manuela Wagner einen Ordner mit 612 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen den Bau eines Wellness-Hotels am Lechsee, den sie Bürgermeister Werner Woll übergeben wird.

Lechbruck – Der Bürgerentscheid zu den Wellness-Hotel-Plänen in Lechbruck rückt näher: Die Bürgerinitiative „Hotel NEIN Danke“ hat am Donnerstag im Rathaus 612 Unterschriften übergeben; mehr als doppelt so viele wie notwendig. Die Öffentlichkeit durfte bei dem Termin nicht dabei sein. Offiziell wird von der Gemeinde Corona als Grund genannt.

Die Familien Wagner und Pfanzelt hatten zur Unterschriften-Übergabe vors Lechbrucker Rathaus geladen. Doch weder Bürgermeister Werner Moll (FW), noch ein anderer Offizieller trauten sich heraus. Es hatte den Anschein, als wollte man der Bürgerinitiative kein Forum bieten.

Moll verwies später auf Anfrage auf die Corona-Pandemie. Ihm zufolge wären bei einer öffentlichen Übergabe der Unterschriften mit Pressevertretern zu viele Personen auf einmal zusammengekommen. Das Gesundheitsamt hätte den Termin in dieser Form weder im noch vor dem Rathaus befürwortet. Der Bürgermeister ließ aber auch durchblicken, dass er darüber nicht gerade unglücklich war: „Ich brauche nicht bei jedem Amtsvorgang die Presse dabei“, sagte er.

In den „Amtsvorgang“ haben die beiden Lechbrucker Ehepaare Wagner und Pfanzelt bekanntlich viel Herzblut gesteckt. Sie wollen mit aller Macht verhindern, dass der Bauunternehmer Gerhard Breher ein Vier-Sterne-Wellness-Hotel am Lechsee baut, das die Hoteliersfamilie Lerch betreiben will. Vor dem Rathaus berichteten die Ehepaare nun, dass sie 224 Listen mit 612 Unterschriften von den Lechbruckern erhalten hätten. Das sind mehr als doppelt so viele, wie sie hätten sammeln müssen. Und das Quartett musste dabei nicht mal Klingeln putzen gehen. Nahezu alle Listen wurden ihnen in den Briefkasten geworfen, berichten die Ehepaare begeistert.

Die vier haben peinlich genau darauf geachtet, dass ihnen beim Bürgerbegehren keine Formfehler unterlaufen. „Und wir haben Fachanwälte mit eingeschaltet“, erläutert Manuela Wagner, die alle Listen feinsäuberlich in Klarsichtfolien steckte. In einem roten Ordner warten sie jetzt darauf, von der Gemeinde geprüft zu werden.

Das wird jetzt in den kommenden Wochen geschehen. Danach wird, wie üblich, der Gemeinderat über die Zulässigkeit eines Bürgerentscheids entscheiden. Frühester Termin dafür wäre laut Bürgermeister Moll die Sitzung am Dienstag, 19. Januar.

Glücklich wirkt Moll in diesen Tagen nicht, weil er sich von den Hotelgegnern angegriffen fühlt. Bis jetzt habe er es immer gut gemeint, „aber alles wird mir negativ ausgelegt“, beklagt sich der Rathauschef. Bekanntlich hatte sich Moll anfangs noch zurückgehalten und sich in dem Streit mehr als Moderator gesehen. „Aber man lernt jeden Tag dazu“, sagt das Gemeindeoberhaupt, das mittlerweile mit seiner positiven Meinung zum Hotelprojekt nicht mehr hinterm Berg hält. Man nehme die Stimmen der „Player“ im Dorf wahr, sie seien dafür, betont Moll. Als Hotelbefürworter nennt er unter anderen den Campingplatzbetreiber.

Und gewichtige Gründe sind für Moll natürlich nach wie vor das Feuerwehrhaus, der Kindergarten und andere kostspielige Zukunftsprojekte: „Auf uns kommen in den nächsten zehn Jahren immense Kosten zu“, warnt der Ex-Kämmerer und jetzige Bürgermeister Moll.

Wie bereits mehrfach berichtet, würde der Grundstücksverkauf an den Hotel-Investor dem Rathaus finanziell viel Luft verschaffen. Und Lechbruck hätte nebenbei Hallenbad- und Tennishallen-Ruine vom Hals. Beide Gebäude auf dem Hotel-Grundstück würde der Investor bekanntlich selbst abreißen und entsorgen lassen.

JvR

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