H&M macht einen Rückzieher

Diese zwei roten Gebäude sollen abgerissen werden, um einem Neubau Platz zu schaffen. Dort wollten dann H&M und ein weiteres Textilgeschäft einziehen. Foto: Knoll

Füssen – Die Altstadt in Füssen sollte mit H&M einen Kundenmagneten bekommen. Bürgermeister Paul Iacob hatte bei der Jahreshauptversammlung der Werbegemeinschaft Füssen nun bekannt gegeben, dass nach „intensiven Vorarbeit das Projekt H&M-Ansiedlung ausgerechnet auf der Zielgerade gestoppt wurde“.

Iacob machte dafür den Denkmalschutz und im selben Atemzug „so genannte Naturschützer“ verantwortlich. Er betont: „Die Füssener in ihrer Mehrheit wollten, dass H&M kommt.“ Die Grünen und die Interessengemeinschaft „Augenmaß“ weisen die Schuld an der Absage von sich. Zudem stellt sich die Frage, wie konkret die Pläne von H&M überhaupt waren. Am Rande der Veranstaltung der SPD im „Haus der Gebirgsjäger“ bekräftigte der Bürgermeister seine Kritik an den beiden Gruppierungen. Sie hätten verhindert, die Fußgängerzone mit diesem renommierten Geschäft aufwerten zu können. Er erklärte auf Nachfrage des KREISBOTEN: „Wir wollten H&M in Gesprächen natürlich auch den Theresienhof schmackhaft machen“, doch für den schwedischen Branchenriesen sei ausschließlich ein anderer guter Standort in Frage gekommen: „dort, wo früher das Sparkassenhaus war“. Daran entzündeten sich die Bedenken von Seiten des Denkmalamts, der Grünen und der Interessensgruppe „Augenmaß“, die auf 20 Anwohner wuchs. Die Konzernspitze war in einem Brief – Absender die Grünen - darüber informiert worden, dass es mit Blick auf die geplante Ansiedlung im Stadtzentrum noch Fragen zu klären gäbe. Vom Denkmalamt wurde eine lange Liste von Details erstellt, deren Berücksichtigung „Umbauten notwendig gemacht hätten, mit der Folge zusätzlicher Kosten“, betont der Rathauschef. Kurz gesagt: Für die Investoren entpuppte sich dieses Projekt als unwirtschaftlich, es rechnet sich nicht. Durch die Absage von H&M dürfte sich in nächster Zeit von Seiten der Stadt und der Eigentümer vermutlich nichts tun, um den vom Bürgermeister als „Schandfleck“ charakterisierten Standort umzugestalten. „Das tut mir weh“, so Iacob im Gespräch mit dem KREISBOTE. Der Ortsverband Füssen der Grünen wehrt sich indes gegen den Vorwurf, H&M würde unter anderem aufgrund eines Briefes der Füssener Ortsgruppe von angeblichen Ansiedlungsplänen in Füssen absehen. „Der Ortsverband betrachtet diese Äußerung als ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver von Seiten des Bürgermeisters und als einen Beleg dafür, dass im Stadtrat und in der Öffentlichkeit ein falsches Bild erzeugt wurde bezüglich des Verhandlungsstandes mit H&M“, so der Grünen-Vorstand in einer Pressemitteilung. Die Ortsgruppe hatte in einem Brief an H&M unter anderem appelliert, auf eine Tiefgarage zu verzichten und so die Buche hinter dem Gebäude zu erhalten. In der Antwort von H&M hieß es, der schwedische Textiler führe bezüglich eines Standortes in Füssen lediglich Gespräche. „Konkrete Pläne liegen nicht vor“, heißt es in dem Brief vom 18. Dezember. „Die Vorstellung, ein Weltunternehmen wie H&M lasse sich in seiner Entscheidung von einem einzigen Brief eines kleinen Ortsverbandes maßgeblich beeinflussen, ehrt die Füssener Grünen zwar, ist aber ebenso realitätsfern wie die damalige Einschätzung, eine Ansiedlung von H&M stünde bereits kurz bevor“, so die Grünen. Die Grünen kontern und appellieren nun an Paul Iacob, „zu einem transparenten und fairen Politikstil zurückzufinden“, so die Unterzeichner Ingrid Stubbe, Hubert Endhardt und Jörg Umkehrer. Auch Roland Berkmüller, Sprecher der Interessensgemeinschaft „Augenmaß“, kann sich nicht vorstellen, dass der Weltkonzern H&M vom Widerstand der 20 Anwohner eingeknickt sei. Dessen Ansiedlung zu verhindern, sei auch gar nicht das Ziel gewesen, sondern „die Auswirkungen des Baus in einem erträglichen Maß zu halten“, vor allem in Sachen Verkehr, wie er gegenüber dem KREISBOTE erklärte. Die Interessensgemeinschaft werde es weiter geben, sie soll die Anwohner des Quartiers näher zusammenbringen. Auf Nachfrage des KREISBOTE gab sich H&M bezüglich seiner Füssen-Pläne bedeckt. Man sei „an bestehenden und zukünftigen Standorten interessiert“, so eine Konzern-Sprecherin. Eine Konkrete Antwort auf die Frage, ob H&M mit einem bestimmten Bauprojekt in Verbindung zu bringen oder eine Ansiedlung in Füssen nun gar vom Tisch sei, gab sie nicht.ps/cf

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