Ehemaliger Verwalter erhebt schwere Vorwürfe gegen Bauhof-Mitarbeiter und Stadtverwaltung

Selbstbedienung im Bauhof?

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Lief im Füssener Bauhof in der Vergangenheit immer alles korrekt ab? Ein ehemaliger Verwalter erhebt schwere Vorwürfe. Bürgermeister Iacob weist diese aber zurück.

Füssen – Die Aufgaben des städtischen Bauhofs in der Kemptener Straße sind vielfältig: Winterdienst, Straßenunterhalt und die Pflege der Grünanlagen gehören unter anderem dazu.

Trotzdem sollen einzelne Mitarbeiter jahrelang noch genug Zeit für den Handel mit Bauhofmaterial auf Kosten des Steuerzahlers gehabt haben. Das behauptet zumindest der ehemalige Bauhofverwalter Werner Miller. 

Besonders brisant: Die Verwaltungsspitze um Bürgermeister Paul Iacob (SPD) soll seit langem von diesen Praktiken gewusst und diese geduldet haben, so Millers Anschuldigung. Der Bürgermeister weist dies entschieden zurück: „Wir können keinen dieser Vorfälle bestätigen!“ 

Wenn Werner Miller auf seine Zeit als Verwalter im Füssener Bauhof zu sprechen kommt, gerät er noch immer schnell in Rage. „Dort herrscht Goldgräberstimmung!“, sagt er dann. Oder: „Die haben sich alles geholt, was sie gebraucht haben.“ 

Gemeint sind ehemalige Kollegen Millers, die seinen Schilderungen zufolge jahrelang Bauhofmaterialien schwarz verkauft haben sollen. Er selbst geht von einem Schaden in Höhe von mehreren tausend Euro aus. „Da sind definitiv Schäden für den Steuerzahler!“ Auch nach seiner fristlosen Kündigung 2012 sollen die Geschäfte weitergeführt worden sein. 

Konkret wirft Miller einigen seiner früheren Kollegen vor, beim Verkauf von Streusalz und Brennholz aus Bauhofbeständen teilweise in die eigene Tasche gewirtschaftet oder das Material an Bekannte verschenkt zu haben. „Eine gerechte Verteilung gab es nie“, so Miller. 

Außerdem sollen Bauhofangestellte Verkehrsschilder für Geschwindigkeitsbeschränkungen für runde Geburtstage verhökert und funktionstüchtige Einzelteile von Bauhoffahrzeugen ausgebaut und im Internet auf Ebay verkauft haben. „Ich habe das Geld auf dem Tisch liegen sehen“, sagt Miller. 

Darüber hinaus, so der ehemalige, noch von Bürgermeister Otto Wanner eingesetzte, Bauhofverwalter weiter, soll ein Mitarbeiter der Wasserwerke 2009 Hängematten, die aus dem Bestand einer in die Insolvenz gegangenen Firma stammten, im städtischen Bauhof gelagert und von dort aus während der Arbeitszeit verkauft haben. Das Lagern der Matten könne er anhand von Fotos beweisen, versichert Miller. Für den Verkauf habe er allerdings keine Belege. 

Besonders empört den ehemaligen Mitarbeiter der Stadt aber, dass ein bereits 2009 angeschaffter Ölabscheider jahrelang nicht angeschlossen worden sein soll. Erst im vergangenen Jahr sei der Anschluss endlich erfolgt. 

Da es sich bei einem Ölabscheider um eine Abwasserbehandlungsanlage handelt, mit der Leichtflüssigkeiten wie Öle daran gehindert werden, ins Abwasser zu gelangen, sieht Ex-Verwalter Miller hier einen Verstoß gegen Umweltauflagen. „Bis auf die Fläche um die Tankanlage laufen alle belasteten Oberflächenwasser zum Teil ungefiltert in die Kanalisation ein und versickern unkontrolliert.“

Wusste Iacob Bescheid?

Doch warum wendet er sich jetzt, Jahre später, damit an die Öffentlichkeit? Warum hat er seinerzeit nicht seine dafür zuständigen Vorgesetzten, Bürgermeister Iacob und Hauptamtsleiter Andreas Rist, informiert? Das habe er, sagt Miller. Demnach will er sich nach eigener Aussage bis zu seiner Kündigung 2012 wegen dieser Vorkommnisse und Missstände mehrfach an Bürgermeister Iacob und Hauptamtsleiter Rist gewandt haben – allerdings ohne Erfolg, wie er sagt. 

Im Gegenteil: Wegen ständiger Streitereien und Reibereien mit seinen Vorgesetzten, aber auch Bauhof-Kollegen – Miller spricht von Mobbing – sei ihm schließlich nach mehreren Abmahnungen 2012 fristlos gekündigt worden. „Ich habe zum Schluss Sachen machen müssen, die nicht zu meinen Aufgaben gehörten.“ 

Mehrere Beschwerden

Seit 2012 hat Miller mehrere Dienstaufsichtsbeschwerden wegen Untätigkeit eingereicht. Zunächst bei der Stadt gegen Hauptamtsleiter Andreas Rist. Schließlich beim Landratsamt gegen Iacob. Selbst an die Generalstaatsanwaltschaft, den Kommunalen Prüfungsverband, die Regierung von Schwaben und das Innenministerium in München wandte er sich.

Bislang blieben seine Eingaben aber ohne Folgen. Denn da sowohl Iacob als auch das Landratsamt Ostallgäu als Rechtsaufsichtsbehörde zuletzt 2016 seine Beschwerden wegen fehlender Beweise als unbegründet zurückwiesen, folgten auch die übrigen Behörden bzw. verwiesen ihn wieder zurück ans Landratsamt. Miller glaubt allerdings, dass „nur formelle Dinge geprüft“ worden seien. 

Bürgermeister Paul Iacob weist Miller Vorwürfe im Gespräch mit dem Kreisbote allerdings ebenfalls entschieden zurück und verweist auf die mehrfach abgelehnten Dienstaufsichtsbeschwerden. „Alle haben diesen Vorgang geprüft und den Beschwerden wurde nicht stattgegeben“, sagte er. „Alle haben deutlich gemacht, dass diese Vorwürfe nicht berechtigt sind.“ 

Völlig aus der Luft gegriffen scheinen Millers Behauptungen dann aber doch nicht zu sein. Nur sind die Umstände womöglich andere als von ihm dargestellt.

Denn wie Iacob erläutert, seien tatsächlich alte und ausrangierte Verkehrsschilder anlässlich von Geburtstagen heraus gegeben worden. „Diese Schilder wurden aber nicht verkauft, sondern verliehen und auch wieder zurück gegeben“, betont er. 

Auch seien tatsächlich alte Bauhoffahrzeuge und Teile derselben verkauft worden – allerdings auf einer „Behördenbörse“, wo auch THW, Feuer- oder Bundeswehr alte und ausrangierte Fahrzeuge anbieten. Diese gingen dann meist nach Osteuropa. „Das ist ein ganz normaler Vorgang“, so Iacob. Das Geld aus dem Verkauf fließe in die Stadtkasse. So sei auch erst neulich mit einem ausrangierten Feuerwehr-Auto verfahren worden. „Wir haben dort aber noch nie etwas auf Ebay verkauft!“. 

Regulärer Verkauf

Ein normaler Vorgang sei auch der Verkauf von Streusalz an Hausverwaltungen von größeren Wohnkomplexe in Füssen, wie Iacob betont. Man habe den jeweiligen Hausverwaltungen, die keine eigenen Salzlager haben, in der Vergangenheit entgegen kommen wollen. „Wir haben ja ein Salzdepot.“ Wegen der im Laufe der Jahre aber immer stärker werdenden Nachfrage sei diese Praxis im vergangenen Jahr eingestellt worden. „Das wird heute nicht mehr gemacht.“ 

Nach wie vor verkauft werde aber von städtischen oder damit beauftragten externen Mitarbeitern gefälltes Holz. Zumindest das Holz, das anderweitig vom Bauhof nicht mehr genutzt werden könne. Diese könne als Brennholz ganz regulär von jedermann im Bauhof gekauft werden. „Ein ganz normaler Vorgang“, so der Bürgermeister auch zu diesem Vorwurf. 

Die Sache mit den Hängematten ist ebenfalls nicht frei erfunden, hat sich aber nach Darstellung Iacobs ebenfalls anders zugetragen als von Miller behauptet. Tatsächlich habe ein Mitarbeiter dort sechs Hängematten der insolventen Firma gelagert, weil er Zuhause keinen Platz dafür gehabt habe. Von einem Handel könne aber keine Rede sein: Der Mann habe lediglich zwei Matten für sich selbst behalten und den Rest an Kollegen verschenkt. „Es wurden keine Geschäfte auf Grund und Boden der Stadt gemacht“, betont Iacob. Er selbst habe nach Millers Beschwerde damals in der Sache nachgehakt. 

Anschluss ist erfolgt

Bleibt noch der Ölabscheider. Dieser wurde tatsächlich erst im vergangenen Jahr angeschlossen, so Iacob. Vorher hätten die Gebäude jeweils einzelne Abscheider gehabt. Planung und Ausschreibung für den Anschluss des zentralen Ölabscheiders hätten mehrere Jahre in Anspruch genommen, weil sie im Zuge einer anstehenden Kanalsanierung vorgenommen werden sollten. 

Die Kosten dafür, so heißt es darüber hinaus in einer Stellungnahme des Landratsamtes Ostallgäu zur Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Iacob, seien höher als 10.000 Euro gewesen. 

Iacob hätte dies also wohl gar nicht in Eigenverantwortung entscheiden dürfen, sondern seinen Stadtrat konsultieren müssen. Das sei mittlerweile auch geschehen und das Gerät angeschlossen. Iacob hingegen wunderte sich, warum Miller als Verwalter sich nie an ihn gewandt habe. Schließlich kontrolliere er ein bis zwei Mal im Jahr den Bauhof und spreche mit den Mitarbeitern. „Bei mir hat er aber nichts reklamiert.“

 Warum Miller gekündigt wurde, dazu könne er aus rechtlichen Gründen nichts sagen, so Iacob auf Nachfrage. Nur so viel: „Er kritisiert, was in seiner Zeit passiert ist.“ 

Und Miller? Der will nun die heimischen Landtagsabgeordneten wie Angelika Schorer oder Eric Beißwenger (beide CSU) auf seine Geschichte aufmerksam machen.

Matthias Matz

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