ÖVP-Fraktion zweifelt an der Ausrichtung des geförderten Wohnungsbaus in Reutte

Oberer kontert VPN-Vorwürfe

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Die Minderheit der ÖVP-Fraktion will in der Sitzung in der vergangenen Woche einen Beschluss zum Bebauungsplan nicht mittragen.

Reutte – Bürgermeister Luis Oberer bemühte in der jüngsten Gemeinderatssitzung die Statistik, um Fakten zum Wohnbau in der Marktgemeinde zu präsentieren.

Er reagierte damit auf Vorhaltungen der ÖVP-Fraktion, die die Marschrichtung der Gemeinde auf dem Sektor des geförderten Wohnbaus in Frage stellte. 

Es gehe nur noch nach dem Willen der Wohnbaugesellschaften, warf die Opposition im Reuttener Gemeinderat Bürgermeister Oberer vor. Was die Bevölkerung wolle, scheine egal zu sein, lautete die Kritik, geäußert von Gemeinderat Ernst Hornstein, selbst langjähriger Obmann des Bauausschusses im Bezirkshauptort. Es gehe nur noch um wirtschaftliche Maximierung und er distanziere sich vom Bauboom, der in Reutte seit einigen Jahren grassiert. 

Das wollte der Bürgermeister so nicht stehen lassen und bemühte in der letzten Sitzung die Statistik, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass Beschlüsse zu Widmungen und Bebauungsplänen schon vor seiner Zeit als Bürgermeister und mit der Zustimmung aller Mandatare gefallen seien. Als Beispiel führte er das Gebiet Weidenfeld an, das bereits im Jahre 2000 einstimmig den Gemeinderat passierte. Einstimmig fiel auch 2010 der Beschluss für das Gebiet Hofäcker-West, so der Bürgermeister etwas verwundert. 

Wohnen im Zentrum

Dann ließ er die Zahlen sprechen und zog unter anderem ein Fazit im Vergleich zu zwei Acht-Jahren-Perioden: Zwischen 2002 und 2009 sind demnach 66 Eigentums- und 272 Miet- bzw. Mietkaufwohnungen, also insgesamt 338 Wohnungen entstanden. Von 2010 bis 2017 waren es 112 Eigentums- und 327 Miet- bzw. Mietkaufwohnungen, gesamt 439 Wohnungen. Das seien die nüchternen Zahlen, formulierte er.

Lebhafte Debatte 

Es gäbe also einen höheren Anteil an Eigentumswohnungen und vor allem sei in der Zeit bis 2017 der Anteil der Wohnungen im Zentrum überproportional gestiegen. Das sei durchaus positiv und dem Wohnbaugipfel und den Bestrebungen der Zentrumsbelebung zuzuschreiben. Der Anteil an Wohnungen an der Peripherie sei in den letzten acht Jahren deutlich gesunken, der Anteil habe sich von 96 Prozent auf 62 Prozent reduziert. Aktuell sind derzeit 38 Wohnungen im Bau, 212 genehmigt, aber noch nicht begonnen. Die Zahl der Wohnungssuchenden bleibe mit rund 200 konstant. 

Es entspann sich in der Folge eine angeregte Diskussion die Vorgangsweise der gemeinnützigen Siedlungsgesellschaften betreffend. Dass diese Baugründe kaufen und horten würden, um dann die Gemeinde sozusagen vor vollendete Tatsachen zu stellen, wollte er nicht gelten lassen. Der weitaus überwiegende Teil dieser Bauträger suche das Gespräch mit der Kommune und werde erst nach positiven Anzeichen aktiv. Dass es dabei aber auch „schwarze Schafe“ gäbe, wollte er nicht ausschließen.

Dass die Kritiker der Wohnbauaktivitäten als Personen im Gemeinderat die Beschlüsse seit Jahren mitgetragen hätten, wollte er aber dezidiert festhalten. Vize-Bürgermeister Klaus Schimana und Gemeinderat Ernst Hornstein sahen den Bauboom weiterhin kritisch und mahnten ein Überdenken der Angelegenheit ein. Man fordere keinen Baustopp, müsse aber bei Bauhöhen restriktiver vorgehen und Härte zeigen.

Der Beschlussfassung im Gemeinderat über eine eingegangene Stellungnahme zum ergänzenden Bebauungsplan für den Bereich „Hofäcker“ wollte die Fraktion um Bürgermeisterstellvertreter Klaus Schimana aus diesem Grund schließlich nicht zustimmen.

niko

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