Kreisfischereiverein hält das für ein Druckmittel

Pachtvertrag als Druckmittel im Streit um Hotel?

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Ein Teil des geplanten Hotels am Festspielhaus (rechts) ragt in den Forggensee hinein. Der Kreisfischereiverein Füssen befürchtet, dass dadurch die Füssener Ache beeinflusst wird.

Füssen – Das geplante Hotel am Festspielhaus Füssen erhitzt die Gemüter: Während sich die einen vehement dafür einsetzen, lehnen es die anderen strikt ab.

Das wurde auch bei einem Gespräch zwischen dem Vorsitzenden des Kreisfischereivereins (KFV) Füssen, Matthias Heinz, und Schriftführer Alexander Beck mit Bürgermeister Paul Iacob (SPD) deutlich: Darin soll der Rathauschef den Vertrag für die Nutzung der Faulenbacher Seen gekündigt haben, weil der Verein das geplante Hotel ablehnt. 

Was an dieser Aussage dran sei, wollte Christine Fröhlich (FWF) in der jüngsten Sitzung des Stadtrats wissen. Über diese Behauptung sei er selbst „ganz verwundert“ gewesen, sagte Bürgermeister Paul Iacob. Er habe den Vorstand des Kreisfischereivereins Füssen, den Vorsitzenden Matthias Heinz und Schriftführer Alexander Beck, zum Gespräch eingeladen, um über das geplante Hotel am Festspielhaus zu reden. Iacob wollte wissen, warum der Verein das Hotel ablehne. 

Dabei zeigte sich, dass die Fischer grundsätzlich dagegen seien, so der Rathauschef. Anhand der Pläne habe er aufgezeigt, dass nur ein kleiner Teil des Hotels ins Landschaftsschutzgebiet hineinreicht – im Gegensatz zur Anlage des Vereins selbst, die komplett im Landschaftsschutzgebiet liege, woran der Rathauschef die Fischer erinnert habe. Danach habe er das Thema für beendet erklärt und die Sprache auf den Pachtvertrag für die Faulenbacher Seen gebracht. „Ich habe daran erinnert, dass Ende diesen Jahres der Pachtvertrag für die Faulenbacher Seen ausläuft“, sagte der Rathauschef. Die Stadtverwaltung sei derzeit am Prüfen, ob sie die Pacht öffentlich ausschreiben müsse. Es sei nicht selbstverständlich, dass der Kreisfischereiverein automatisch den Zuschlag erhalte, so Iacob. Er könne sich aber bewerben, sobald die Sache mit der Ausschreibung geklärt sei. „Es gibt keine Kündigung. Der Vertrag besteht bis Ende des Jahres“, unterstrich Iacob. 

Aus Sicht des Kreisfischereivereins verlief dieses Gespräch im Füssener Rathaus jedoch ganz anders. „Bürgermeister Iacob hatte den Pachtvertrag für die Faulenbacher Seen mit Ablauf des Vertrags zum 31.12.2019 im Sommer 2018 schriftlich gekündigt und den 1. Vorsitzenden und den Schriftführer zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen“, heißt es im Protokoll. 

Dieses hatten die Fischer angefertigt, weil er den Inhalt des Gesprächs für ungeheuerlich hielt, erklärte Alexander Beck, Schriftführer und Pressesprecher des KFV, zum geplanten Hotel am Festspielhaus, auf Nachfrage des Kreisbote. „Auf die Frage des KFV zum Grund der Kündigung und der Einladung ins Rathaus gleich zu Anfang des Gesprächs kam der Bürgermeister sofort auf den geplanten Hotelneubau am Festspielhaus zu sprechen.“ 

Verlängerung ohne Kündigung

Laut den Unterlagen des Kreisfischereivereins bewirtschaftet dieser seit 1920 die Gewässer in Bad Faulenbach. Bisher wurde der entsprechende Pachtvertrag immer ohne Kündigung des Pachtverhältnisses verlängert. „Der aktuelle Pachtvertrag läuft – wie immer – über zehn Jahre und endet zum 31.12.2019. Zu diesem Ablauf wurde der Vertrag nun erstmalig durch Bürgermeister Iacob gekündigt.“ 

Daneben hinke auch der Vergleich zwischen dem geplanten Hotel und der Anlage des Kreisfischereivereins. Die Fischerhütte wurde über 20 Jahre vor der Ausweisung der Flächen als Landschaftsschutzgebiet genehmigt und gebaut. „Das geplante Hotel am Festspielhaus kann von seiner Gebäudegröße auch sicher nicht mit der Fischerhütte verglichen werden“, so Beck. „Die Dimensionen dieser geplanten Bausünde sprengen jeden Rahmen und sind auf rein privatwirtschaftliche und gewinnorientierte Ziele ausgerichtet“, während der KFV Füssen ein gemeinnütziger Verein sei, der keine Gewinne erzielen dürfe. 

Auch die Aussage des Rathauschefs im Januar gegenüber dem Kreisbote, dass nur ein Zehntel des neuen Hotels das Landschaftsschutzgebiet tangiere, sei falsch. „Wer hier ,Parallelen‘ zu unseren Anlagen zieht, arbeitet ganz gezielt und vorsätzlich unseriös. Man kann dies auch als manipulativ bezeichnen.“

kk

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