Typisch allgäuerisch bei freiem Eintritt

Der Füssener Bürgermeister und Vorsitzende des Zweckverbands Allgäuer Land, Paul Iacob. Foto: Archiv

Füssen – Umstritten ist das Projekt „Allgäuer Dorf“. Nachdem touristische Großprojekte wie das Festspielhaus scheiterten, ist das Misstrauen in der Bevölkerung groß. Füssens Bürgermeister Paul Iacob, der Vorsitzender des Zweckverbands ist, verteidigt das Projekt im Gespräch mit dem Kreisboten.

Herr Iacob, Sie widersprechen unserer Darstellung in der Ausgabe vom vergangenen Samstag, der Einheimische bekomme das Allgäuer Dorf nicht zu Gesicht, es sei denn, er bezahlt Eintritt? 

Iacob: „Richtig. Die Situation ist so: Wir haben auf der einen Seite den reinen Ferienhausbereich, der durch die Lindnergruppe betrieben werden kann. Und dann haben wir den Erlebnisbereich. Dieser Bereich kann durch jeden – durch die Familien die hier Urlaub machen oder hier wohnen – besucht werden, und zwar kostenlos. Nur wenn ich beim Glasbläser eine Vase kaufe, dann muss ich schon etwas bezahlen.“

Projektentwickler Erwin Trimmel sucht derzeit erst noch die Geldgeber, die das Allgäuer Dorf bezahlen sollen und die wollen dann Rendite sehen. Wie können Sie jetzt schon festlegen, dass keine Eintrittsgelder fließen werden? 

Iacob: „Der Eintritt in das Erlebnisdorf wird für die Besucher kostenfrei sein. Da gibt es gar keinen Zweifel, sonst wird es nicht gemacht. Ich habe ja einmal gesagt, wir bauen kein Glenleiten und auch kein Illerbeuren...“ 

Aber es hieß auch, man will kein Disneyland. 

Iacob: „Auch das nicht, die Bürgermeister im Zweckverband wollen keinen Kitsch dort. Wir unterstützen bauleitplanerisch ein Erlebnisdorf, das einen ganz typischen Allgäuer Charakter hat.“ 

Aber ist ein Glasbläser, der gewohnheitsmäßig in Las Vegas auftritt, authentisch allgäuerisch oder nicht doch Kitsch? 

Iacob: „Der Glasbläser und Glasdrucker sind Berufe, die es im Allgäu gegeben hat. Und wenn ich im Allgäu heute keinen mehr habe, der dies öffentlich zeigt, dann muss ich woanders einen suchen. Wir haben ein Angebot von einem Glasbläser, soweit sich weiß bayerisch, der nach Las Vegas ausgewandert ist, und dort Pokale und Skulpturen für die Größen des Showbusiness und des Sports gemacht hat. Aber der ist auch in der Lage, zum Beispiel mundgeblasene Gartenkugeln herzustellen, wie man sie früher hatte.“

Von den Betreibern wird also verlangt, sich an die Vorgabe „Allgäu“ zu halten? 

Iacob: „Davon gehe ich schon aus, das kann man alles vertraglich fixieren. Zudem möchte ich natürlich, dass wir hinweisen auf die vielen Möglichkeiten, die es im Allgäu gibt. „All Inclusive“ gibt es im Allgäuer Dorf nicht. Die Leute sollen dort auch Tipps bekommen für die vielen Dinge, die in dieser Region zu erleben sind.“ 

Die Aufstellung des Bebauungsplans ist an einer Gegenstimme gescheitert – Was wollen Sie tun, um ihre Verbandskollegen zu überzeugen? 

Iacob: „Ich bin der Überzeugung, dass wir mit weiteren Fortschritten immer mehr Informationen an alle Betroffenen weitergeben können. Je mehr Informationen da sind, umso eher wird sich das Bild vom Allgäuer Dorf in den Köpfen der Menschen festigen. Ich hoffe, dass dann der Zweckverband in seiner Gesamtheit zu dem Projekt, dass er sich einst vorgenommen hat, auch ja sagt. Es ist nicht das „Projekt Iacob“, sondern ich habe, als ich Vorsitzender des Zweckverbands Allgäuer Land wurde, den Aufgabenkatalog übernommen, den unsere Vorgänger uns gegeben haben. Und da war das Projekt ,Allgäuer Dorf mit drin. Der Kollege Sontheimer (Bürgermeister von Schwangau, der dagegen stimmte, – Anm. d. Red.) war damals bei der Aufgabenstellung dabei. Und ich gehe davon aus, dass alle Kommunen dann, wenn sie erkannt haben, wie gut das Projekt für die Region ist, alles auf den weiteren Weg bringen.“ 

Die Verzögerung des Aufstellungsbeschlusses kann aber auch Druck ausüben auf die Zweckverbandsmitglieder – Es ist leichter, ein Projekt im Anfangsstadium zu torpedieren, als eines, das schon weit fortgeschritten ist. 

Iacob: „Das tue ich nicht, ich übe grundsätzlich keinen Druck aus.“ 

Das tut allein schon die Situation. 

Iacob: „Aber manche brauchen eben mehr Informationen und mehr Bedenkzeit, um entscheiden zu können. Die muss ich den Leuten doch einräumen. Wir hatten einmal eine Abstimmung, die war nicht öffentlich und einstimmig. Kurz darauf hatten wir eine öffentliche Abstimmung, die nicht mehr einstimmig war. Dann habe ich in Gesprächen mit den Kollegen aus dem Zweckverband festgestellt, dass die Zeit vielleicht noch nicht reif ist, weil die Informationen noch fehlen und dadurch Unsicherheiten da sind. Also haben wir gesagt, dann geben wir uns eben mehr Zeit.“ 

Wie wird die Informationspolitik in Zukunft aussehen? 

Iacob: „Die Medien sind der Multiplikator für diese Informationen. Ich kann nicht mit jedem einzeln reden oder in jedem Ort eine Bürgerversammlung abhalten. Sobald es neue Erkenntnisse gibt, werden wir die über die Medien verbreiten.“

Danke für das Gespräch. ps

Meistgelesen

Derblecken auf hohem Niveau
Derblecken auf hohem Niveau
Rückzug mit Ansage
Rückzug mit Ansage
Außerferner Sozialdemokraten stellen ihre Pläne für die Zukunft vor
Außerferner Sozialdemokraten stellen ihre Pläne für die Zukunft vor
Ein "ordentlicher Haushalt"
Ein "ordentlicher Haushalt"

Kommentare