Unentschieden beim Seeger Duell

Beide Bürgermeisterkandidaten zeigten sich auch nach dem Polit-Duell noch gut gelaunt: Josef Gast (v.l.), Wählerliste Gemeinsam für Seeg, Moderator Helmer Litzke und Markus Berktold, Wählergemeinschaft Zukunft für Seeg. Foto: nis

Seeg – Nach dreißig Jahren treten in Seeg erstmals wieder zwei Kandidaten fürs Bürgermeisteramt an: Markus Berktolt, von der Wählergemeinschaft Zukunft für Seeg, und Josef Gast, von der Wählerliste Gemeinsam für Seeg. Beide haben sich vergangenen Donnerstag einem Kandidaten-Duell gestellt. 

Auf drei Hauptthemen hatten sich die Kandidaten, die beide Gemeinderatserfahrung haben, geeinigt: Dorfentwicklung, Soziales, Gesellschaft und Tourismus sowie Haushalt und Finanzierung. Beide Anwärter auf das Bürgermeisteramt waren sich einig, dass Familien gehalten und in die Gemeinde geholt werden müssten. Dazu müsse mehr bezahlbarer Wohnraum für Familien geschaffen, ebenso neue Gewerbeflächen ausgewiesen werden, um Arbeitsplätze zu schaffen. Ein klares „Nein“ von beiden gab es zur Frage aus dem Publikum, ob eine große Speditionsfirma in Seeg ansässig werden könnte. 

Sieht Josef Gast vermehrt erreichbare Arbeitsplätze in gemeinsamen Gewerbegebieten mit anderen Gemeinden und im touristischen Bereich, plädierte Markus Berktold für modernde Gewerbebetriebe vor Ort und für Home-Arbeitsplätze, die vor allem Familien mit Kindern helfen würden. Das setze allerdings voraus, dass Seeg eine schnelle Internetverbindung bekäme. Gerade für bestehende und künftige Betriebe sei dies unumgänglich. Ob Breitband oder andere modernere Technologien, darüber müsse man sich informieren. 

Ein großes Hotel, wie das Explorer in Nesselwang gäbe es unter einem Bürgermeister Gast nicht, versicherte dieser. Eher könne er sich ein größeres Hotel mit kleinen Einheiten vorstellen. Primär müssten jetzt aber Zeichen an die Bürger Seegs gegeben werden, damit sie weiterhin bereit seien, an Feriengäste zu vermieten. Zurzeit würden sich einige aus diesem Bereich verabschieden. Einigkeit zeigten beide Kandidaten auch darüber, dass Alleinstellungsmerkmale, die die Gemeinde auszeichnen, breiter beworben werden müssten. Seeg habe eigentlich alles, was man sich von einer Gemeinde wünscht: Eine gesunde Infrastruktur, Bahnanschluss und die A7. 

Markus Berktold sieht die Gemeindeeinnahmen in besserem Management. Die Gemeinde müsse alles effizienter, unternehmerischer angehen. Investierte Gelder müssten so ausgegeben werden, dass sie möglichst rasch wieder in die Gemeindekasse zurückfließen. Negativ-Beispiele wie der prämierte Seeger Moorbahnhof solle es nicht mehr geben. Der sei zwar schön, aber die angesetzten Kosten von rund 350.000 Euro seien überschritten worden und zwar um weit mehr, als Seeg jährlich für den Tourismus ausgebe. So dürfe nicht weiter gehandelt werden. Herausforderer Gast dagegen ist überzeugt, dass sich der Moor-Bahnhof im Zuge des Tourismus noch rechnen werde. 

Der Bestand der Seeger Schule und des Kindergartens, da waren beide Kontrahenten ähnlicher Auffassung, hänge eng mit den Geburtenzahlen zusammen. Je mehr Familien mit Kindern in Seeg ansässig sind, umso kleiner sei die Gefahr, beide Einrichtungen mangels Nachfrage schließen zu müssen. Die Jugend sehen beide Kandidaten gut in den Vereinen integriert. Trotzdem sprachen sie sich für eine Jugendversammlung aus, um mehr über die Bedürfnisse der Seeger Jugend zu erfahren und auf sie eingehen zu können. Dass als nächstes die Gemeindestraßen angegangen werden müssen, war auch beiden klar. Nur müsse man da genau hinschauen, Straßensanierungen gingen schnell in Millionenhöhe. 

Beide Anwärter auf das Bürgermeisteramt sagten zu, dass im Falle ihrer Wahl sie Entscheidungen transparenter und mit mehr Bürgerinformation treffen wollen. Rundfunk-Moderator Helmar Litzke hatte professionell-humorvoll zweieinhalb Stunden durch das Duell und anschließend durch die Fragen des Publikums geführt, das auf gut vierhundert Stühlen Platz genommen hatte. Mit der Aufforderung an alle Seeger zur Wahl zu gehen, schloss Litzke schließlich das Duell. Den Bürgermeisterkandidaten wünschte er beiden Glück.jl

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