Stichwahl zwischen Eichstetter und Fröhlich

Bürgermeisterwahl: Erst am 29. März wird sich entscheiden, wer künftig das Sagen im Füssener Rathaus hat

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Zwei strahlen, einem steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben: die drei Füssener Bürgermeister-Kandidaten Erich Nieberle (v.l., SPD), Maximilian Eichstetter (CSU) und Christine Fröhlich von den Füssener Freien Wählern am Sonntagabend im Füssener Rathaus.
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Im Füssener Rathaus gibt es die Auszählungsergebnisse zu sehen.
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Im Füssener Rathaus gibt es die Auszählungsergebnisse zu sehen.
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Im Füssener Rathaus gibt es die Auszählungsergebnisse zu sehen.
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Der noch amtierende Bürgermeister Paul Iacob (SPD) zeigte sich vom Ausgang der Wahl wenig überrascht.
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Die drei Füssener Bürgermeister-Kandidaten Erich Nieberle (v.l., SPD), Maximilian Eichstetter (CSU) und Christine Fröhlich von den Füssener Freien Wählern am Sonntagabend im Füssener Rathaus.
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Die drei Füssener Bürgermeister-Kandidaten Erich Nieberle (v.l., SPD), Maximilian Eichstetter (CSU) und Christine Fröhlich von den Füssener Freien Wählern am Sonntagabend im Füssener Rathaus.

Füssen – Am Ende waren es 49 Stimmen, die Maximilian Eichstetter am Sonntagabend für den direkten Einzug ins Rathaus fehlten. Nun wird sich am Sonntag, 29. März, in einer Stichwahl zwischen Eichstetter und Christine Fröhlich von den Freien Wählern Füssen (FWF) entscheiden, wer neuer Bürgermeister von Füssen wird.

Raus aus dem Rennen ist hingegen SPD-Kandidat Erich Nieberle.

Insgesamt 2982 wahlberechtigte Füssener (49,8 Prozent der abgegeben Stimmen) entschieden sich am Sonntag für den Kandidaten der CSU, Maximilian Eichstetter. Damit fehlten dem 34-Jährigen 49 Stimmen, um direkt ins Rathaus einzuziehen. Für Christine Fröhlich entschieden sich 2242 Wähler (37,4 Prozent). Damit wird es am 29. März zu einer Stichwahl zwischen den beiden kommen. Für Erich Nieberle, Kandidat der SPD, stimmten lediglich 766 Wähler (12,8 Prozent). Insgesamt nutzten von 11.982 wahlberechtigten Füssener 6061 ihr Wahlrecht, womit die Wahlbeteiligung bei schwachen 50,6 Prozent (2014: 50,2 Prozent) liegt. Von den 6061 abgegebenen Stimmen waren 5990 gültig.

Trotz des denkbar knapp verpassten direkten Einzugs in das Rathaus sei er zufrieden mit dem Ergebnis, sagte Eichstetter. „Unser Ziel war, einen deutlichen Vorsprung zu erlangen – das ist uns gelungen“, betonte er gegenüber dem Kreisbote. „Unsere Strategie, uns umzustrukturieren, ist aufgegangen.“

„Neues Spiel, neues Glück“, kommentierte Christine Fröhlich am Sonntagabend den Ausgang der Wahl. Trotz des deutlichen Rückstands auf den Christsozialen sei sie nicht enttäuscht. „Ich bin zufrieden, dass es jetzt eine Stichwahl gibt!“, betonte die 59-Jährige.

Ganz anders ist die Stimmung bei SPD-Kandidat Erich Nieberle. „Die Enttäuschung ist natürlich groß“, sagte er. Ob das Ergebnis insgesamt für die SPD oder ihm selbst geschuldet ist, sei nicht eindeutig zu sagen, so Nieberle. Ihm sei bewusst, dass in der SPD in Füssen große Unruhe herrschte und dass sich die SPD auch in der gesamten Bundesregierung „in einem Abwärtsstrudel“ befinde. „Das war der Wahl nicht förderlich“, bilanzierte der Marktoberdorfer.

Keine Überraschung

Der noch amtierende Bürgermeister Paul Iacob (SPD) zeigte sich vom Ausgang der Wahl wenig überrascht. „Eine Stichwahl ist bei drei Kandidaten eine fast selbstverständliche Angelegenheit“, so der Rathauschef. „Das Ergebnis des Herrn Eichstetter ist schon eindeutig!“ Allerdings bedaure er, dass in Zeiten des Coronavirus und angesichts des hohen Aufwands einer Wahl wegen 49 fehlender Stimmen die Bürger erneut zu den Urnen gerufen werden müssen. Besonders froh sei, „dass ein Großmaul wie Herr Vauk nicht kandidieren konnte“. Bekanntlich wollte Harald Vauk von den „Aktiven Bürgern“ für die ödp antreten, hatte dann aber nach internen Unstimmigkeiten davon wieder Abstand genommen.

Wie die beiden Kandidaten die Wähler nun für die Stichwahl mobilisieren wollen, war am Montag bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch unklar. Angesichts der Corona-Krise kündigte Fröhlich bereits am Sonntagabend an, dass es keinen Haustürwahlkampf in den kommenden zwei Wochen geben wird. Möglicherweise entscheidend sei nun, für welchen Kandidaten sich die anderen Wähler-Gruppierungen und Fraktionen im Stadtrat positionieren.

CSU-Kandidat Eichstetter erklärte auf Nachfrage unserer Zeitung ebenfalls, auf Haustürwahlkämpfe und Infostände verzichten zu wollen.

Bei der Füssener SPD sollte dagegen am Montagabend in einer Telefonkonferenz des Ortsvorstandes mit der Aufarbeitung des Wahldebakels begonnen werden. „Das ist für uns wirklich bitter und enttäuschend!“, sagte Ortsvorsitzende Ilona Deckwerth am Montag über das Abschneiden der Sozialdemokraten, die im neuen Stadtrat nur noch mit zwei Sitzen vertreten sein werden (bisher: sechs Sitze). „Ich hatte die Hoffnung, mit dem klaren, neuen Profil ein besseres Ergebnis zu erreichen“, sagte sie. Das Ergebnis sei „eine herbe Niederlage“. Nieberle haben einen „aufrichtigen, ehrlichen und engagierten Wahlkampf geführt“, so die Ortsvorsitzende.

Themen ziehen nicht

Zu den Gründen für das miserable Abschneiden Nieberles und der SPD sagte sie: „Sozialer Wohnungsbau und ökologische Politik sind von den Wählern nicht goutiert worden.“ Dazu komme, dass die Füssener Sozialdemokraten durch Bürgermeister Paul Iacob geschwächt worden seien. „Wir haben die Zeche für sechs Jahre Bürgermeister Paul Iacob zu zahlen“, sagte Deckwerth.

Iacob widerspricht

Iacob sieht das Problem hingegen vielmehr in der Außendarstellung des Ortsvereins. „Eine Partei, die nach außen hin im Streit wahrgenommen wird“, meinte er. Tatsächlich war es kurz vor Weihnachten zwischen ihm sowie Teilen der Fraktion zum öffentlichen Zerwürfnis mit Ortsvorsitzender Deckwerth gekommen (der Kreisbote berichtete ausführlich). „Eine Partei, die sich selbst zerfleischt“, so Iacob.

Deckwerths Kritik an seiner Person und seiner Politik wies er zurück. Würde diese zutreffen, „hätten wir nicht diese großartige Entwicklung gemacht“, sagte er am Montag. „Wir hatten eine gute Zusammenarbeit!“ Aus der Füssener SPD-Politik halte er sich ohnehin schon lange raus. „Ich mache Politik für unsere Stadt und keine SPD-Politik!“, betonte der Rathauschef.

Matthias Matz

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