300 Jahre alte Dokumentation soll versteigert werden

Ein toller Fund

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Historischer Fund: Das Buch aus dem Garten Eichstätt befindet sich in einem sehr guten Zustand. Der Erlös kommt nach der Versteigerung der Bürgerstiftung Ostallgäu zugute.

Landkreis – „Das ist eine gute Geschichte“, sagte Kreisrat und Bürgermeister Josef Schweinberger in der letzten Kreisausschusssitzung.

Denn nach seinen Worten ist es dem umsichtigen Handeln von Herbert Sedlmair in Buchloe zu verdanken, dass eine über 300 Jahre alte Dokumentation nicht auf dem Müll landete. Dabei handelt es sich um ein Exemplar des botanischen Werkes „Hortus Eysettensis“, welches über 1000 Pflanzen aus dem berühmten „Garten von Eichstätt“ abbildet. 

Das Werk in hervorragendem Zustand hat einen Schätzwert von etwa 80.000 bis 150.000 Euro. Der Ausschuss entschied, den höchstmöglichen Wert im Rahmen einer Versteigerung zu erzielen. Der Erlös soll der Bürgerstiftung Ostallgäu zufließen. Der ehemalige Seminarleiter Sedlmair entdeckte die drei großformatigen Bände beim Ausräumen einer Seminarbibliothek der Comenius-Grundschule, die wie viele andere alte Bücher entsorgt werden sollten. Die Suche nach den Eigentümern bezeichnete Landrätin Maria Rita Zinnecker als „einen intensiven Weg“. 

Hintergrund waren vor allem die sich wechselnden verwaltungspolitischen Strukturen in den letzten 100 Jahren. Ein handschriftlicher Eintrag im Deckel des ersten Bandes lautet „Bezirksbibliothek Kaufbeuren Kreiseigentum“. Der damalige Kreis entsprach dem heutigen Bezirk Schwaben und der Bezirk nach der 1972 erfolgten Gebietsreform dem heutigen Landkreis Ostallgäu. 

Voller Schönheit

Der Nürnberger Apotheker und Kupferstecher Basilius Besler hatte 1613 im Großformat 56 mal 47 Zentimeter 367 Kupfertafeln angefertigt, die 1084 Pflanzen aus dem Garten von Eichstätt auf der Willibaldsburg in Franken darstellten. Das Bestreben des Erstellers war damals weniger die wissenschaftliche Genauigkeit, sondern eine möglichst naturgetreue Abbildung in voller Schönheit und Größe zur zweifelsfreien Bestimmung der Pflanzen zu erstellen. Wenige Ausgaben wurden aufwendig koloriert, aber auch die unkolorierten Drucke zeichnen sich durch hohe grafische Qualität aus. 

Bei dem aus drei Bänden bestehenden Buch handelt es sich laut Dr. German Penzholz um einen 1713 erfolgten Nachdruck als Jubiläumsausgabe des 100 Jahre zuvor erschienenen Originalwerkes. Penzholz sprach von einem außergewöhnlich gut erhaltenen Zustand des aus handgeschöpftem Papier bestehenden historischen Werkes. 

Hoffen auf hohen Ertrag 

Da der Bezirk Schwaben keine Rechtsansprüche geltend macht und der Landkreis das Buch nicht benötigt, soll es nun mit höchstmöglichem Ertrag durch ein Auktionshaus versteigert werden. Wie Oberregierungsrat Stefan Mohr erläuterte, sei der bisher ermittelte Schätzwert noch unsicher, da seit 15 Jahren ein derartiges Buch nicht mehr versteigert worden sei. Der Landkreis hatte sich aufgrund der Bedeutung des Buches auch durch das Landesamt für Denkmalpflege beraten lassen. Der Erlös soll der Bürgerstiftung Ostallgäu zufließen, wobei 25 Prozent zweckgebunden verwendet werden und der Rest in einen Fond zur Finanzierung landkreisweiter Projekte fließen sollen. 

Hubert Endhardt (BN90/Die Grünen) sprach von einer „wunderbaren Sache“, die den Bürgern zugute komme und regte an, mit Blick auf „weitere solche Fundstellen“ betroffene Einrichtungen zu sensibilisieren. Maximilian Hartleitner (FDP) tat es „im Herzen weh, so etwas wegzugeben“. „Das ist natürlich ein Glücksfall für uns. Mit diesem Geld können wir wieder Einiges bewegen“, freute sich Erwin Stockmaier als Vorsitzender des Stiftungsrates der Bürgerstiftung Ostallgäu.

wh

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