Bürger sorgen sich um Swapgeschäfte

"Lotterie für die Stadt Füssen"

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Ob auf die Stadt Füssen durch ihre Swap-Geschäfte Zahlungen in Millionenhöhe zukommen werden, bezweifelt Bürgermeister Paul Iacob.

Füssen – Wird der Schweizer-Franken-Kredit und die Swap-Geschäfte zur Lotterie für die Stadt Füssen? Darum machte sich ein Füssener am Montag bei der Bürgerversammlung Sorgen. Und damit stand er nicht alleine da. Auch andere wollten mehr zum Hintergrund dieser Geschäfte wissen.

Derzeit laufen noch sieben Swap-Geschäfte der Stadt Füssen, beantwortete Kämmerer Tobias Rösler die Frage eines Füsseners. Das längste hat eine Laufzeit von 15 Jahre, erklärte der Kämmerer – und sorgte damit für erschrockenes Gelächter im Publikum. Denn derzeit drohen der Stadt Füssen daraus Zahlungen von rund 4,5 Millionen Euro, wie die Stadt kürzlich bekannt gab (der Kreisbote berichtete). 

Ob der Schaden aber tatsächlich so hoch ausfallen werde, bezweifelte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Diese „Zahl steht im Raum ohne Basis“, entgegnete der Rathauschef dem ehemaligen Stadtrat Klaus Keller. Der Schaden hänge von der weiteren Zinsentwicklung ab, machte Iacob deutlich. „Heute ist nicht der Zeitpunkt, an dem sie aufgelöst werden müssen.“ Sie würden erst im Laufe der kommenden zehn Jahre Stück für Stück aufgehoben, so Rösler. 

Die Swap-Geschäfte wurden einst „von den Stadtwerken als Finanzierungsmöglichkeit hergenommen“, erklärte der Rathauschef. Als sie ab dem Jahr 2005 abgeschlossen wurden, habe keiner damit gerechnet, dass die Zinsen irgendwann auf 1,5 Prozent sinken würden, so der Bürgermeister. 

"Normale Geschichte" 

„Das war eine ganz normale Geschichte. Wir haben das gemeinsam verabschiedet. Da waren sie auch dabei“, entgegnete er Keller. Und da es deswegen nie Kritik gegeben habe – auch nicht von der Rechtsaufsichtsbehörde am Landratsamt – habe man die Geschäfte auch nie umgestellt. Ganz im Gegenteil, zunächst liefen sie ziemlich gut für die Stadt. Sie machte laut Iacob Gewinne von rund 500.000 Euro. Erst durch die Zinssenkung habe sich das gedreht. Aber: „Diese Zinsen werden wir in den nächsten fünf Jahren nicht haben“, blickte Iacob optimistisch in die Zukunft. „Sonst haben wir keine Banken mehr.“ 

Hoffen auf steigende Zinsen 

Wenn sich der Zins wieder erhöhe, „kommen wir in ganz andere Zahlen rein“, so der Rathauschef. Das sehe man derzeit auch beim Schweizer Franken, der allerdings mit dem Swap-Geschäften „nichts zu tun habe“, erklärte Iacob, nachdem ein Bürger das Gegenteil behauptet hatte. Als die Schweizer Nationalbank 2015 den geltenden Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufgegeben hat, wurde der Kurs danach fast 1:1 gehandelt. Doch derzeit liege der Kurs wieder bei 1,16 Franken pro Euro, so Iacob. „Da sieht man, dass sich die Situation deutlich verbessert hat.“ Und das sei auch bei den Swap-Geschäften möglich. 

Ganz anders sah das ein Bürger. Denn vor 20 Jahren waren die Konditionen auf dem Finanzmarkt ganz andere. „Wir werden ewig die Südländer finanzieren. Und das tun wir mit niedrigen Zinsen“, meinte er. Sein Fazit: „Die Swap-Geschäfte und der Schweizer-Franken-Kredit bleiben die nächsten zehn Jahre eine Lotterie für die Stadt Füssen.“

Katharina Knoll

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