Oy-Mittelberg diskutiert seit Jahren die Zukunft des "Löwen" und des Rathauses

"Das kulturelle Leben wäre tot"

+
Soll der Gasthof „Löwe“ abgerissen und neu gebaut oder umfangreich saniert werden. Diese Frage beschäftigt seit Jahren den Gemeinderat.

Oy-Mittelberg – Abriss des 1930 von dem Kemptner Architekten Andor Ákos geplanten und gebauten Gasthof „Löwen“ und ein anschließender Neubau, die Sanierung des Gasthauses oder die Verlegung des Rathauses ins Kurhaus standen vergangene Woche im Gemeinderat zur Diskussion. 

Zu einer endgültigen Entscheidung konnte sich das Gremium vor rund 50 Zuhörern aber nicht durchringen. Die Entscheidungen für die Anträge von Martin Haslach (Gemeinschaftsblock Mittelberg/FW) auf Verlegung der Tourist-Information in das sanierte Erd-Haus am Sankt-Anna-Platz und dem Antrag der Freien Wähler (FW) auf Verlegung des Rathauses ins Kurhaus wurden auf Bestreben von Stephan Ostheimer (Bürgerblock Petersthal) von der Tagesordnung genommen. 

„Die Entscheidungen sind zu groß und weitreichend. Wir sollten das in einer Bürgerversammlung zur Diskussion stellen und die Bürger mitentscheiden lassen“, so Ostheimer. Bürgermeister Theo Haslach ließ nochmals die Ortsentwicklung der vergangenen Jahre Revue passieren. „In den Jahren 2008/2009 wurde eine grundsätzliche Konzeption für die Entwicklung des Ortskerns Oy erstellt.“

Bei vorbereitenden Untersuchungen wurden unter einer großen Bürgerbeteiligung festgestellt, das der Platz um die 1677 erbaute Sankt-Anna-Kirche der Mittelpunkt des Ortes ist. Ein Arbeitskreis nahm danach die Arbeit auf. In zwei Arbeitskreis-Sitzungen wurde auch über das etwa um 1633 erbaute Erd-Haus beraten. 

Ziel war es die Nutzungsmöglichkeiten zu eruieren. Im Erdgeschoss des mit Hilfe von vielen Vereinen sanierten Hauses soll ein Gastronomie-Bereich, eine Markthalle und ein öffentlicher WC-Bereich entstehen. Im Obergeschoss ist die Einrichtung einer Bibliothek mit Leseecke sowie die Erweiterung des Gastronomie-Bereichs geplant. „Das Haus wurde mit der tatkräftigen Unterstützung von vielen Helfern der Oyer Vereine saniert.

Die Kosten hierfür belaufen sich auf 450.000 Euro bis 500.000 Euro“, so der Rathauschef. Als Alternative steht auch die Verlegung des Tourismus-Büros in das Haus zur Diskussion. Dafür soll der Gastronomie-Bereich entfallen.

Architekten dagegen

Für das Kurhaus wiederum gibt es seitens einiger Ratsmitglieder den Vorschlag, dieses umzubauen und zukünftig als Rathaus zu nutzen. 

Dafür sollten die Pläne für den Neubau eines Rathauses anstelle des derzeitigen Gasthofs „Löwen“ oder die Sanierung desselben verworfen werden. 2014 wurde diese Pläne geprüft. Für die Nutzung als Rathaus müsste der Restaurant-Bereich aufgelöst werden und weitere Umbaumaßnahmen im Dachbereich vorgenommen werden. Die Kosten dafür würden sich auf etwa 2,2 Millionen bis 2,5 Millionen Euro belaufen. 

Zwei Architekturbüros, die mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt wurden, sprachen sich jedoch dagegen aus. „Die Empfehlung beider Büros ist, dass wir das Rathaus nicht an den Ortsrand verlegen, sondern es wie die Kirche im Dorf lassen‘“, fasste Bürgermeister Theo Haslach die verschiedenen Expertisen zusammen.

In einer Klausur des Gemeinderats 2015 wurde über den Verkaufs des Kurhauses beraten. Alternativ dazu stellte Haslach eine weitere Nutzung vor. So gibt es einen Interessenten, der das Haus als „Klangrauschhaus“ nutzen will. Der Interessent will es für die Bayerische Brass-Band-Akademie (3BA) nutzen. „Der große Saal würde eine umfassende akustische

Aufwertung erhalten“. 

Einige Vorteile

Haslach stellte die Vorteile dieser Variante vor. 

Diese seien ein langfristiger Pachtvertrag und der Saal als Veranstaltungsort bleibe auch für die örtlichen Vereine erhalten. „Die 3BA wäre Veranstalter für öffentliche Konzerte und der Ort würde eine touristische Belebung durch die Übernachtungen erfahren“. Auch das Betriebskostendefizit, das sich derzeit auf 60.000 Euro bis 70.000 Euro beläuft und durch die Gemeinde Oy getragen werde, würde dadurch deutlich sinken.

Diese Zahlen stellte der Bürgermeister anhand einer vorläufigen Berechnung vor. Allerdings würde vor einer langfristigen Verpachtung an den Interessenten eine Sanierung anfallen. Die Kosten hierfür würden sich auf 600.000 Euro bis 800.000 Euro belaufen. Bei einem Architekten-Wettbewerb 2014 wurde der Entwurf des Büros Muffler aus Tuttlingen für den Neubau des Rathauses anstelle des seit einigen Jahren leerstehenden Gasthof „Löwen“ zum Sieger gekürt. 

Ein Antrag für das Kommunalinvestitionsprogramm (KIP) der Bundesregierung, bei dem Förderungen bis zu 90 Prozent möglich sind, wurde zusammen mit dem Architekturbüro F64 aus Kempten ausgearbeitet und eingereicht. „Der Antrag wurde im Februar 2016 gestellt. Im April 2016 erhielten wir die Ablehnung“, so Thomas Meusburger von F64. „Aber es gibt eine Zuschusszusage des Städtbauförderungsprogramms vom Mai 2016. Diese ist an die Bedingung geknüpft ,die ortsräumlich relevante Gebäudehülle, ein ortsprägendes Gebäude ,zu erhalten“, erklärte Meusburger. 

Der Architekt stellte eine vergleichende Kostenermittlung vor, die sein Büro erstellt hat. Diese stellt die Kosten einer Generalsanierung oder eines Neubaus bei einem Abriss des Gebäudes gegenüber. Auch die Fördermöglichkeiten, die die Kommune in Anspruch nehmen könnte, wurden dabei bereits berücksichtigt. So können bei einem Umbau und der Sanierung Fördergelder in Höhe von etwa 1,2 Millionen Euro in Anspruch genommen werden. Bei einem Neubau wären dies nur etwa 750.000 Euro.

Neubau wird teurer

Die Gesamtkosten bei einem Neubau würden sich auf rund vier Millionen Euro, bei einer Sanierung auf etwa 3,2 Millionen Euro belaufen. „Die Fördermöglichkeiten sind hier bereits abgezogen“, so Meusburger. Beide Planungen – sowohl aus dem Wettbewerb, bei einem daraus resultierenden Neubau, als auch die Sanierung bei Erhalt der Gebäudehülle – wurden vorgestellt. „Wir werden in den nächsten Wochen zu einer Bürgerversammlung einladen, wo wir das Thema dann diskutieren“, so Bürgermeister Haslach. 

Die Nutzung des Erd-Hauses als Tourismus-Büro wurde von der Mehrheit der Räte befürwortet. Beim Standort des Rathauses bestand jedoch keine Einigkeit. So befürchtet Georg Griesbauer (CSU) eine Kostenexplosion bei der Sanierung des Gasthofs. „Nicht das es uns so geht wie bei der Elb-Philharmonie oder beim BER“. Auch bereite ihm die augenscheinlich marode Bausubstanz Sorgen. 

Kaum Mängel

Ausführlich erläuterte Architekt Meusburger das Zustandekommen der Kostenplanung, die auch auf Erfahrungswerten mit ähnlichen Projekten beruht. „Die Bausubstanz des alten Gasthofs wurde zusammen mit einem Statikbüro geprüft und bis auf die Feuchteschäden keine relevanten Mängel gefunden, die gegen eine Sanierung sprechen“. 

Zudem erklärte er auf Nachfrage die Fördermöglichkeiten im Detail bei einer Sanierung des „Löwen“. „Bei einem Umzug des Rathauses ins Kurhaus fallen diese wesentlich geringer aus“. Zudem warnte er vor einer Verödung des Ortskerns, wenn die Verwaltung und das Tourismus-Büro an den Dorfrand verlegt werden. 

Kritische Stimmen gab es auch seitens der Gemeinderäte. So wird eine Nutzung des Kurhauses für künftige Veranstaltungen wie die Narrensitzungen, die Theaterveranstaltungen und weitere ohne Gastronomie wesentlich schwieriger. Die Nutzung als „Klangrauschhaus“ und die damit verbundene Verpachtung sah Ratsmitglied Griesbauer „mit großer Sorge“. 

So werde die Nutzung für die örtlichen Vereine stark eingeschränkt, diese ausgegrenzt und das kulturelle Leben im Ort gestört. Auch wegen der unklaren Kosten und die Vorleistungen, die auf die Gemeinde zukommen, sprach er sich dagegen aus. 

Gegen Umbau

„Was wäre Oy ohne das Kurhaus für die letzten 35 Jahre gewesen? Kein Faschingsverein, kein Theaterverein. Das kulturelle Leben wäre tot“, so Stefan Ostheimer vom Bürgerblock Petersthal. Er sprach sich gegen einen Umbau als Rathaus aus und befürwortete das Konzept des Interessenten. Ostheimer bezog klar Stellung für eine Sanierung des „Löwen“. „Auch wenn die Kosten derzeit noch im Weg stehen“. „Wir wissen für die nächsten Jahre, wann der Weihnachtsmarkt ist, wir wissen, wann die Narrensitzungen sind. Viele Termine sind für die nächsten Jahre schon bekannt“, so der Rathauschef zu den Einwänden zum „Klangrauschaus-Konzept“. Viele Termine könnten schon im Pachtvertrag festgehalten werden und zudem seien noch keine weiteren Verhandlungen geführt worden, betonte der Bürgermeister mehrfach an diesem Abend.

Herbert Hoellisch

Auch interessant

Meistgelesen

Ein "Ort mit Wohlfühl-Atmosphäre"
Ein "Ort mit Wohlfühl-Atmosphäre"
Taucher verunglückt tödlich
Taucher verunglückt tödlich
Hund reißt Reh
Hund reißt Reh
"Das ist obszön!"
"Das ist obszön!"

Kommentare