Bürgerversammlung: Ärger wegen Bussituation

"Ein unzumutbarer Zustand"

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Die Füssener interessieren sich offenbar sehr für die Lokalpolitik ihrer Heimatstadt: Vor einem vollen Saal im Haus der Gebirgsjäger spricht Bürgermeister Paul Iacob (hinten rechts) bei der Bürgerversammlung.

Füssen – Ein Thema brennt einigen Weißenseern offenbar ganz besonders unter den Nägeln: Die parkenden Busse am Seegasthof Weißensee. Das wurde am Montag bei der Bürgerversammlung im Haus der Gebirgsjäger deutlich.

Busse vor dem Eingang und an der Bushaltestelle: Die Situation am Seegasthof ist nach Ansicht einiger Weißenseer prekär. Diese kritisierten nicht nur die Weißenseer Stadträte in der Oktobersitzung des Stadtrates (der Kreisbote berichtete), den Status quo sprachen jetzt auch einige Weißenseer bei der Bürgerversammlung an. So sagte ein Bürger, dass neulich sogar zwei Busse direkt vor dem Eingang geparkt hätten. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das aus brandschutzrechtlichen Gründen zulässig ist“, meinte er. Er wollte deshalb wissen, ob man nicht die Zahl der Busse auf vier begrenzen könne. Doch dem erteilte Bauamtsleiter Armin Angeringer eine Absage: „Eine willkürliche Zahl festzulegen, ist nicht möglich.“ 

Keine Rechtsmittel 

Mit seiner Empörung stand der Weißenseer nicht alleine da. Seit mehr als eineinhalb Jahren sei ein „unzumutbarer Zustand", meinte eine Anwohnerin. Sie rufe deswegen täglich bei der Polizei an, doch die verweise nur auf die Stadt Füssen. „Und die Stadt Füssen tut gar nichts. Jeder spielt den Ball einfach weiter“, beschwerte sie sich, wofür sie Applaus von einigen Besuchern erhielt. 

„Wir haben hier keine Rechtsmittel“, entgegnete jedoch Bürgermeister Paul Iacob. „Wir können nur reden.“ 

Rückblick: Der Pächter des Gasthofes hat sich auf Gäste aus Asien spezialisiert und erfreut sich bei ihnen offenbar großer Beliebtheit. Entsprechend viele Busse stehen auf dem Parkplatz des Gasthofes. Um den Gästen auch Souvenirs anbieten zu können, wollte der Eigentümer einige Räume zum Andenkenladen umbauen. Und bei dieser Nutzungsänderung machte die Stadt Füssen die Auflage ein Busparkkonzept aufzustellen, wie Bürgermeister Paul Iacob auf Nachfrage erklärte. Das sieht unter anderem vor, dass ein Einweiser die Busse auf die Parkplätze lotst. Der Haken an der Sache: Das Buskonzept habe der Bauherr bisher nicht umgesetzt, so der Rathauschef. „Das haben wir beim Landratsamt Ostallgäu deutlich reklamiert“, sagte Iacob. Der Bauherr möchte das Konzept aber jetzt in der Nebensaison realisieren, erklärte Angeringer. „Das werden wir beobachten.“ 

Die Situation im Blick hat auch ein Weißenseer. Er erklärte, dass die Reisebusse teilweise auf der Bushaltestelle parken oder so stehen bleiben, dass die Zufahrt zum Oberrieder Weg nur „sehr schwer“ möglich sei. Einmal musste er nachts über die Bundesstraße zum Friedhof laufen, weil sonst kein Platz war. Das alles habe er mit dem Fotoapparat fest gehalten. Die Konsequenz: Ein Haus- und Platzverbot, sagte der Weißenseer. „Die Stadt ist wirklich in der Pflicht, dass das ordentlich geregelt wird.“ 

„Wir sind dankbar über die Bilder“, meinte Iacob. „Wir können nur die Polizei auffordern“, dort vorbeizufahren. Aber: „Die haben auch zu wenig Personal.“ Daneben bleibe nur immer wieder das Landratsamt als Bauaufsichtsbehörde darauf aufmerksam zu machen. 

Das konnte sich der ehemalige Stadtrat Klaus Keller aber kaum vorstellen. Wer im Füssener Stadtgebiet falsch parke, bekomme schließlich einen Strafzettel. „Warum haben wir da oben keine Handhabe. Das ist nicht schlüssig.“ 

Privater Parkplatz 

„Wir kontrollieren den ruhenden Verkehr auf unserem Grundstück. Das da draußen ist nicht in unserem Bereich“, entgegnete der Rathauschef. „Das ist ein privates Grundstück. Da können wir nicht kontrollieren.“ Die Stadt konnte nur bei der Nutzungsänderung für den Souvenirshop aktiv werden, so Iacob. „Das war eine Wirtschaft und ist eine Wirtschaft. Ohne das (Nutzungsänderung – Anmerk. d. Red.) hätten wir gar nichts machen können. Das war die einzige Einflussmöglichkeit.“ 

Nur Stimmungsmache? 

Der Eigentümer selbst kann die ganze Aufregung nicht verstehen. „Ich kenne keine Wirtschaft in Füssen, die mehr Parkplätze für Busse hat, wenn überhaupt“, erklärte er auf Anfrage des Kreisbote. Das sei „Stimmungsmache von ein paar Wenigen und viel Empörung um nichts“, meinte er. Ein Teil des Busparkkonzeptes sei schon umgesetzt worden, und zwar der Einweiser. Aber: „Der Einweiser kann nicht verhindern, dass die Busse wenden, wo sie möchten. Das hängt vom Ermessen des Busfahrers ab.“ In der Nebensaison soll jetzt der Parkplatz erweitert werden. Da sei in der Hochsaison nicht möglich gewesen, so der Eigentümer. 

Überhaupt sei der Parkplatz privat und auch die Bushaltestelle liege zum Teil auf seinem Grundstück. „Nur, weil er nicht eingezäunt ist, heißt das nicht, dass ihn jeder benutzen darf“, erklärte der Eigentümer. So parken beispielsweise viele Kirchenbesucher dort. Er habe zwar nichts dagegen, aber dann sollten sich diese auch nicht über die Busse beschweren.

Katharina Knoll

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