Von der Straße auf die Schiene

Kiesabbau im Forggensee: BUND Naturschutz fordert Abtransport per Zug

+
Im Gegensatz zu anderen Kiesabbaugebieten müssen Unternehmen im Forggensee nicht aufwändig nach dem begehrten Baumaterial bohren.

Füssen – Im Ringen um den Kies im Forggensee schaltet sich jetzt der BUND Naturschutz ein. Sollte künftig auch die Arge II um das Bauunternehmen Hubert Schmid das „weiße Gold“ im Forggensee abbauen dürfen, sollte es möglichst umweltverträglich zu weit entfernten Verarbeitungsorten wie Marktoberdorf und Lauben bei Kempten transportiert werden, so der Verband.

Und das gehe nur mit der Bahn, ist Hans Hack, zweiter Vorsitzender der Kreisgruppe Ostallgäu-Kaufbeuren, überzeugt. 

Berechnungen des BUND Naturschutz auf Grundlage der durchschnittlichen Abbaumengen haben ergeben: Erhält neben der Arge I mit der Baufirma Scheibel auch die Arge II die Erlaubnis, Kies aus dem Forggensee zu entnehmen, würde zusätzlich zum aktuellen Verkehr alle zwei Minuten ein 27-Tonnen-Lkw auf die B16 einbiegen. 

In Zahlen ausgedrückt sind das 13.643 Tonnen CO2, die die Arge II pro Jahr ausstoßen würde. Bei der Arge I wären es nur 2987 Tonnen CO2, so der Umweltverband. „Damit wird ein verkehrspolitischer Wahnsinn auf der B16 geplant.“ Deshalb fordert er: „Der geplante Kiestransport der Arge II muss von der Straße auf die Schiene verlagert werden. Das wäre umweltfreundlicher.“ 

Hans Hack (links), zweiter Vorsitzender der Kreisgruppe Ostallgäu-Kaufbeuren des BUND Naturschutz, und Michael Käs, Ortsvorsitzender Füssen, vor der Zufahrt ins Kiesabbaugebiet.

Die Bauunternehmen sollten dafür Gleise unter der B16 hindurch bis ans Ufer des Forggensees verlegen und so einen Transport über die Bahnstrecke Kaufbeuren – Füssen ermöglichen. Eine entsprechende Anfrage des Kreisbote bei der Firma Hubert Schmid blieb bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe jedoch unbeantwortet. „Ein Gleis dahin zu legen ist viel einfacher als eine Straße“, ist Hack überzeugt. 

Mit dem ICE nach Hogau

In diesem Zug könnte das Gleis dann auch gleich durch den Forggensee hindurch bis nach Hohenschwangau verlängert werden – entweder auf Stelzen oder in einem Tunnel/Einhausung, der bei der Kirche St. Colomann wieder an der Oberfläche erscheint. „Die ideale Lösung wäre mit dem ICE bis nach Hohenschwangau zu fahren“, ist Hack überzeugt. 

So würde man das Füssener und Schwangauer Verkehrsproblem im Sommer, wenn zahlreiche Touristen zu den Königsschlössern strömen, in den Griff bekommen. „Einen Sonderzug von München nach Füssen gibt es schon. So weit sind wir nicht weg davon.“ Dann könnte auch gleich noch eine Haltestelle am Festspielhaus eingerichtet werden.

Dass bei allen Lösungsansätzen rund um den Verkehr die Bundesbahn bisher überhaupt nicht in die Überlegungen miteinbezogen wurde, ärgert den zweiten Vorsitzenden. Dabei könne hier nur die Bahn eine Alternative sein. Wenn sie bei künftigen verkehrspolitischen Entscheidungen nur zu 50 Prozent berücksichtigt werde, „dann sind wir schon auf einem guten Weg.“ 

Bedenken, dass dieses Projekt zu abenteuerlich und nur schwer zu finanzieren sein dürfte, lässt Hack nicht gelten. „Das ist keine unrealistische Forderung, überhaupt nicht“, meint er. Schließlich hätten hohe Kosten von rund 60 Millionen Euro die Entscheidungsträger nicht davon abgehalten den vierspurigen Ausbau der B12 zwischen Kempten und Buchloe zu beschließen – eine Entscheidung die der BUND Naturschutz scharf kritisiert. 

Deshalb fordert er, dass diese Planung zurückgestellt wird und stattdessen die Bahnstrecken über Oberstdorf, Kempten, Kaufbeuren und Buchloe nach Augsburg sowie zwischen Ulm, Kempten und Reutte elektrifiziert werden. Gleiches sei für die Bahnstrecke Füssen – Kaufbeuren nötig. Außerdem sollte diese begradigt und zweispurig ausgebaut werden sowie jeweils einen Güterbahnhof in Marktoberdorf und Kaufbeuren erhalten. „Seit 100 Jahren gibt es die Bahnstrecke Füssen – Kaufbeuren. Und seitdem wurde nichts daran gemacht. Das ist ein Unding“, ärgert sich Hack. 

Zusätzlich sollte die Bahnstrecke Augsburg – Füssen mit einem Bahntunnel neben dem Autobahntunnel A7 an die Bahnstrecke Stuttgart, Ulm, Kempten über Reutte und Garmisch bis Innsbruck zum Brennertunnel angebunden werden. 

Fakt ist aktuell jedoch: Bisher hat nur die Arge I den Zuschlag für den Kiesabbau erhalten, nachdem die Stadt Füssen auf Grundlage eines Kriterienkatalogs mit Umwelt-Schwerpunkt ausschließlich ihr die Fahrt über ihr Grundstück ins Abbaugebiet erlaubt hat (der Kreisbote berichtete mehrfach). Hack und Michael Käs, Vorsitzender der Ortsgruppe Füssen, halten es jedoch für möglich, dass ein Gericht diese Entscheidung überprüfen und eventuell kippen könnte. Und dass die Arge II der Stadt Füssen mit Regressansprüchen drohen könnte. 

Neue Zufahrt geplant

Daneben hat die Arge II offenbar noch ein zweites Eisen im Feuer. Nach Informationen unserer Zeitung versucht sie über das Gelände des Segelclubs Füssen Forggensee und der Wassersportgruppe Kaufbeuren zu dem begehrten Baustoff zu gelangen. 

Auch wenn das Landratsamt Ostallgäu keine Namen nennt, bestätigte Pressesprecher Thomas Brandl auf Nachfrage des Kreisbote: „Die ARGE II möchte über das Grundstück eines Dritten in den See fahren, um Kies abzubauen. Hierfür ist eine Dienstbarkeit erforderlich, die uns noch nicht endgültig vorliegt.“ Wenn das jedoch der Fall ist, würden die relevanten Stellen, wie beispielsweise das Staatliche Bauamt, der Naturschutz und die Verkehrsbehörde beteiligt und bei positivem Ergebnis ein Planfeststellungsbeschluss erteilt. 

Doch nach Angaben des BUND Naturschutz liegt die geplante Zufahrt im Landschaftsschutzgebiet. „Da haben wir Einspruchsrecht. Der BUND Naturschutz würde da auf jeden Fall Einspruch einlegen“, kündigte Hack an. Notfalls könne man das auch gerichtlich klären lassen. Würden am Ende aber doch die Lkw der Arge II mit ihrem Kies über die B16 Richtung Marktoberdorf fahren, könnten immer noch die betroffenen Gemeinden eingreifen – mit einem Bürgerbegehren. „Wir wollen die Gemeinden unterstützen, dass sie aktiv werden“, so der zweite Vorsitzende.

Katharina Knoll

Auch interessant

Meistgelesen

Einem aufmerksamen Jogger sei Dank – Diebesserie in Füssen aufgeklärt
Einem aufmerksamen Jogger sei Dank – Diebesserie in Füssen aufgeklärt
Nach Expertenberatung – Stadtrat beschließt Optimierung des Bauhofs
Nach Expertenberatung – Stadtrat beschließt Optimierung des Bauhofs
Weitere Projekte im Ostallgäu bekommen LEADER-Förderung
Weitere Projekte im Ostallgäu bekommen LEADER-Förderung
Freiwilligenaktion im Außerfern gegen schädliche Pflanzen
Freiwilligenaktion im Außerfern gegen schädliche Pflanzen

Kommentare