Blumenwiese statt Alpine Coaster?

Bund Naturschutz will ein Bürgerbegehren gegen die neue Sommerrodelbahn in Nesselwang starten

Sommer-Rodelbahn in Nesselwang
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Im Sommer rasant ins Tal rodeln, ist besonders bei Familien beliebt. Da die alte Sommer-Rodelbahn in Nesselwang jedoch in die Jahre gekommen ist, möchte sie die Alpspitzbahn durch einen neuen modernen Alpine Coaster ersetzen. Doch das missfällt dem Bund Naturschutz Kreisgruppe Ostallgäu-Kaufbeuren. Er plant nun ein Bürgerbegehren gegen den Ersatzbau.

Nesselwang – Die alte Sommer-Rodelbahn auf der Alpspitz soll bekanntlich durch einen neuen modernen Alpine Coaster ersetzt werden. Die circa ein Kilometer lange Strecke soll dabei zu 80 Prozent in der Trasse der alten Bahn verlaufen. Das Bauleitplanverfahren ist in vollem Gange. Nun plant der Bund Naturschutz Ostallgäu ein Bürgerbegehren gegen den Ersatzbau.

Statt des Baus eines Alpine Coasters schlägt Hans Hack, 2. Vorsitzender der Bund Naturschutz (BN) Kreisgruppe Ostallgäu-Kaufbeuren, vor, eine artgerechte Blumenwiese mit Wanderwegen, Ruhe- und Informationsbereichen auf dem Areal zu schaffen. Ein Vorschlag, den der Naturschützer nun in den kommenden Wochen den Nesselwangern zur Abstimmung vorlegen will.

Für den Rodelbahn-Betreiber Ralf Speck, Geschäftsführer der Alpspitzbahn GmbH, ein Vorgehen, das ihn vor den Kopf stößt und auch „nicht nachvollziehbar“ ist. Schließlich habe man sich gegenüber den Naturschützern von Anfang an offen und gesprächsbereit gezeigt. Bereitwillig habe er den Naturschützern die geforderten Informationen zukommen lassen und angeboten, Änderungen mit ihnen zu besprechen. „Es ist nicht ganz fair gegenüber uns, weil wir mit offenen Karten gespielt haben“, erklärt Speck. Denn ein Gespräch mit ihm sei von Seiten der Naturschützer nicht gesucht worden.

Auch Nessselwangs Bürgermeister Pirmin Joas (CSU) wusste zunächst nichts von einem geplanten Bürgerbegehren. Lediglich über einen Info-Flyer des BN habe er davon erfahren. Nur über die eingegangene Stellungnahme des BN im Zuge des Bauleitplanverfahrens war er informiert. Die werde man behandeln, wie jede andere auch, erklärte er. Wie in einem Bauleitplanverfahren üblich, würden diese Stellungnahmen von einem Fachbüro geprüft und gewürdigt. Anschließend werde der Gemeinderat über die Einwände entscheiden.

In der Stellungnahme fordert Hack nach eigenen Angaben die Aufstellung von Phantomgerüsten, um die Dimensionen des Baus aufzuzeigen. Außerdem sollen Lautsprecher aufgestellt werden, um einen Eindruck der künftigen Lärmbelastung zu bekommen.

Eine unnötige Attraktion?

Dass die moderne Anlage allerdings durch den Einsatz elektromagnetischer Bremsen viel leiser werde, als die alte, mechanisch-gebremste Bahn, interessiert Hack nicht. „Wenn eine Biene fliegt, dann höre ich das nicht und das ist mir lieber, als wenn so ein Alpine Coaster runterfährt“, erklärt er. Den Coaster 2.0 sieht er als eine Attraktion, die nur gebaut werde, um mehr Touristen anzulocken. Dabei brauche es die keineswegs. Letztendlich kämen die Urlauber doch, um Ruhe und Erholung in der Natur zu suchen. Wenn jemand unbedingt Coaster fahren wolle, so könne er in den Freizeitpark nach Bad Wörishofen, dort ein Tagesticket lösen und solange fahren bis ihm schwindlig werde, bemerkt Hack.

„Nur wegen der Natur kommen jedoch die wenigsten und dann auch nicht zu uns“, meint hingegen Geschäftsführer Speck. Im Allgäu sei es die Kombination aus Naturerlebnis, Genuss und verschiedenen Angeboten, die die Region vor allem für Familien attraktiv mache. Der Alpine Coaster, der künftig aufgrund der schienengeführten Bauweise das ganze Jahr über betrieben werden kann, hält Speck „für immens wichtig“, um sich vom Winter abzukoppeln. Schließlich werde die Region aufgrund der Klimaverschiebung Probleme bekommen. Und um auf Dauer bestehen zu können, brauche es eben eine Ganzjahreslösung. Aufgrund der automatischen Auffahrüberwachung sei die geplante Anlage zudem deutlich sicherer und auf auftragende Fangzäune im Gelände könne sogar ganz verzichtet werden.

Keine Kompromisslösung

Statt des modernen Alpine Coasters schwebt Hack eine artenreiche Alpenblumenwiese auf dem Areal vor. Dort könnten nicht nur Touristen, sondern auch Schulklassen die heimische Pflanzen- und Tierwelt observieren und anhand von aufgestellten Info-Tafeln sich zusätzlich Naturwissen aneignen. Dass so eine „Blumenwiese nicht von selbst kommt“ und mit „zwei Säcken Blumensamen noch lange nichts erreicht ist“, weiß der Naturschützer nur zu gut. Dies sei nur der Anfang eines langen Weges, den der BN mit begleiten würde.

Die Forderung nach einer „Blumenwiese“ ist für Speck jedoch weltfremd und hätte „mit Zusammenarbeit oder Kompromisslösung“ nichts zu tun. „Wir begrünen ganz extrem, wir haben hohe Auflagen vom Naturschutz“, erläutert er. So habe man auch bei der alten Anlage Büsche und Bäume gepflanzt, so dass inzwischen alles versteckt sei. Dies wolle man bei dieser neuen Anlage auch machen.

Mit einem Bürgerbegehren will Hack nun gegen den geplanten Ersatzbau vorgehen, dazu sucht er aktiv nach Mitstreitern aus den Nesselwanger Reihen. In den kommenden Wochen soll das Bürgerbegehren dem Gemeinderat vorgelegt werden. Da coronabedingt derzeit keine Unterschriftensammlung vor den Haustüren möglich ist, lässt er das formulierte Begehren samt der möglichen Unterschriftenabgabe an die Nesselwanger Haushalte verteilen. Um Erfolg zu haben, braucht der Aktivist mindestens zehn Prozent unterstützender Stimmen der Nesselwanger. Wann und wo die Stimmen abgegeben werden können oder ob sie an den Absender zurückgeschickt werden müssen, stand zum Zeitpunkt des Gesprächs noch nicht fest.

Für Speck birgt ein solches Bürgerbegehren jedoch die Gefahr, dass ein langjährig geplantes Projekt aufgrund einer Ad hoc-Entscheidung einiger Bürger sterben könnte. „Das hoffe ich nicht, weil ich einfach davon überzeugt bin, dass das der richtige Weg in die Zukunft ist“, sagt er. Das Ziel sei nicht, die Beschneiung zu erweitern, sondern ein Ganzjahresszenario zu schaffen, um damit künftig unabhängig vom Winter zu sein.

Auch Bürgermeister Joas stellt fest, dass eine grundsätzliche Unterstützung und ein gewisses Interesse in der Bevölkerung für den Alpine Coaster vorhanden sei und gibt zu bedenken, dass viele Nesselwanger an der Alpspitzbahn als Gesellschafter beteiligt seien.

Tamara Lehmann

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