Gemeinsamer Auftritt von vier Trachtenvereinen in der Alpspitzhalle

Familientreffen der Trachtler

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Am Ende des Abends verabschieden sich alle vier Plattlergruppen mit einer Kreuzpolka von ihrem Publikum in der Nesselwanger Alpspitzhalle.

Nesselwang – Er ist schon eine Traditionsveranstaltung: Der „Heimatabend“ kurz nach Jahreswechsel des Nesselwanger Trachten- und Heimatvereins „Alpspitzler”.

Heuer war er verbunden mit einem „Verwandtschaftstreffen“ der Patenvereine aus Pfronten und Wertach. Die vier Trachtenvereine zeigten in der Alpspitzhalle nicht nur, was sie können. Die Nesselwanger Trachtler hatten auch eine große Überraschung mit im Gepäck. Neben den „Alpspitzler” hatten sich auch „D‘ Kienbergler” mit ihrem Vorstand Manfred Trenkle, für den die Nesselwanger bei der Gründung 1924 Pate standen, „D‘ Achtaler” aus Pfronten mit Vorstand Wolfgang Goldstein, und „D‘ Wertachtaler” aus Wertach um ihre Vorständin Christine Haslach zum Heimatabend versammelt. 

Alt-Vorstand Alfred Unsinn, der im Herbst sein Amt niedergelegt hatte, hatte dabei eine besondere Überraschung für den Vorstand der Kienbergler dabei. „I hon do Poscht aus Amerika kriet (ich habe da Post aus Amerika bekommen – Anmerk. d. Red.)“, so Unsinn. In Versform erklärte er, was er aus Übersee erhalten hatte, bevor er dem sehr überraschten Vorstand des Patenvereins ein Fahnenband überreichte, das die Alpspitzler für die Fahnenweihe 1929 hatten anfertigen lassen. Über die Sozialen Medien hatte sich eine Frau aus Florida bei den Nesselwanger Trachtlern gemeldet. 

Anschließend bekam Kassier Claus Panek das Fahnenband, das die Frau in einer Online-Auktion in den USA ersteigert hatte, zugeschickt. „I hon bloß noch ar passende Gelegenheit gsuecht, dass i Dir des übergea ka (ich habe nur noch nach einer passenden Gelegenheit gesucht, dass ich Dir das übergeben kann – Anmerk. d. Red.)“, so Alfred Unsinn. „Oifach so vorbeibringe wollt i‘s dann doch au it (Einfach so vorbeibringen, wollte ich es dann auch nicht)“. Der doch etwas sprachlose Vorstand der Pfrontener Trachtler nahm das verloren gegangene Band sehr gerne an und versprach eine entsprechende Gegenleistung. „Wir waren uns nicht ganz sicher, ob ein solches überhaupt existiert“, so Trenkle. 

Zu der Zeit herrschte eine große Weltwirtschaftskrise mit einer hohen Inflation. „Es wäre durchaus möglich gewesen, dass die Nesselwanger sich ein solches Fahnenband schlichtweg nicht hätten leisten können“, so Trenkle. Auch in den Unterlagen des Vereins waren darüber keine Aufzeichnungen zu finden. 

20.000 Reichsmark teuer

Der Nesselwanger Vereinschronist Albert Haug hatte in seinen Aufzeichnungen den Spruch zur Übergabe des Ehren-Fahnenbandes während der Fahnenweihe am 28. Juli 1929 gefunden und übergab diesen ebenfalls dem Vorstand der Kienbergler. 

Zu der Zeit hatte das Band mehr als 20.000 Reichsmark gekostet und bedeutete eine immense Belastung für die Finanzen des Patenvereins. „Wir müssen jetzt erst mal recherchieren, wie das Band abhanden gekommen ist und dann wollen wir uns zusammensetzen und schauen wie wir weiter verfahren. Es müsste dringend restauriert und repariert werden“, so Trenkle. Die Farben der Stickereien waren nach fast 90 Jahren etwas verblasst und die Seide etwas verschlissen.

Abschied von Weiher 

Die Übergabe des verschollenen Fahnenbandes war jedoch nicht der einzige Höhepunkt des Abends: Nach mehr als 50 Jahren Engagement verabschiedete sich die Nesselwang Jodlergruppe mit ihrer Leiterin Lydia Haslach von Martin Weiher. Dieser war 1964, zwei Jahre nach der Gründung des Vereins, zu den Jodlern gestoßen. „Martin war immer da, wenn er gebraucht wurde. Er hat sogar seinen Urlaub nach den Auftritten der Jodler gerichtet“, sagte Haslach. Mit einem gemeinsamen Jodler und einem Geschenkkorb als Dankeschön verabschiedete die Jodlergruppe Martin Weiher. 

Vorstand Alexander Angerer und der ehemalige Vorstand Reinhard Gschwend dankten dem langjährigen Mitglied ebenfalls für sein Engagement für den Verein. „In meinen 16 Jahren als Vorstand hab ich Martin sehr schätzen gelernt. Er war da, ob bei Festen oder internen Feiern. Martin war einer der letzten, der die Maßkrüge aufgeräumt hat. Und das muss ihm einer der Jungen erst mal nachmachen – mehr als 50 Jahre für den und im Verein“, so Gschwend.

Mit dem Kronentanz der Wertachtaler, den Geißelschnöllar der Alpspitzler, der Jugendgruppe des Nesselwanger Trachtenvereins und weiteren Auftritten der einzelnen Teilgruppen unterhielten die vier Vereine die zahlreichen Einheimischen und Gäste in der Alpspitzhalle. Mit der Kreuzpolka, einem gemeinsamen Plattler aller Plattlergruppen verabschiedeten sich die vier Trachtenvereine schließlich von den begeisterten Gästen.

hoe

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