Cartoons mit zwei Ebenen

Sonst sieht man sie meist in namhaften Zeitungen, jetzt sind sie im Pfannerhaus zu bewundern – die Cartoons des Zeichners Erik Liebermann. Dabei nutzt der Steingadener die Möglichkeiten, die in den Printmedien nicht hat, aus und zeigt Cartoons, in denen neben Stift und Papier auch untypische Materialien zum Einsatz kommen. Mit ihm stellt Beate Speck-Kafkoulas im Pfannerhaus ihre Illustrationen aus, die sich mit König Ludwig befassen. „Bademeister Liebl prüft jeden Morgen, ob der Wasserspiegel im Lot ist, da sonst ein Überschwappen am Beckenrand droht“ – dafür nimmt Bademeister Liebl in Liebermanns Cartoon die Wasserwaage zur Hand und setzt sie auf der Wasseroberfläche des Schwimmbeckens an.

„Meine Zeichnungen haben meistens zwei Ebenen“, erklärte Erik Liebermann bei der Vernissage am vergangenen Samstag. „Eine vordergründige und eine, bei man etwas Tiefsinnigeres findet.“ Ein weiteres Beispiel dafür ist die Zeichnung zweier Delfine, die eine Stadt an der Küste betrachten. In der Sprechblase dazu steht: „Das alles, mein Sohn, wird eines Tages Dir gehören“ – Liebermanns Anspielung auf den Klimawandel und dem befürchteten Ansteigen des Meeresspiegels. Nicht alle seine Zeichnungen bergen etwas bissig-kritisches, aber jede eine neue Idee. Ein krummes Stück eines echten Astes, auf ein Papier geklebt und per Bleistift mit zwei Füßen versehen, gleicht einem Vogel, Nudeln, Geldmünzen, oder Lackritz-Schnecken arbeitet er mit ein. Obwohl er allgemein eher sparsam mit Farbe umgeht, malt er ein ganzes Bild auch mal schwarz aus, wenn es die Pointe erfordert, andere Cartoons hingegen funktionieren nur, weil sie zerschnitten oder schief aufgehängt sind. Möglichkeiten, die er bei Veröffentlichungen in Printmedien nur begrenzt hat. Einen Raum weiter stellt Beate Speck-Kafkoulas ihre Illustrationen aus. Kernstück stellen die Bilder zu dem Büchlein „Ludwig und Poldi“ dar. Das Bilderbuch erzählt die Geschichte des kleinen König Ludwig und seinem Spielkameraden, dem Schlossgespenst Poldi auf Neuschwanstein. Die Farben in Speck-Kafkoulas Illustrationen leuchten und erwecken fast den Eindruck, mit Wachsmalkreide gemalt worden zu sein. Dabei sind es Aquarelle, bei denen die Künstlerin die Farben in einem schwierigen Verfahren in mehreren Schichten auftrug, wie sie erklärte. Die Geschichte ist natürlich reine Fantasie, gibt der Autor, Markus Richter, zu, schließlich ist der König nicht auf Neuschwanstein aufgewachsen. Die Ausstellung ist an den kommenden beiden Wochenenden, jeweils samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr im Pfannerhaus in Roßhaupten zu sehen.

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