"Gestrandete" Artisten

„Circus Sperlich“ aus Ostwestfalen steht vor dem finanziellen Ruin

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Sie sind alle eine Familie: Angelo (v. l.), Manolito, Jan, Taniela, Elena, Maikel und Danny Sperlich mit dem Trampeltier „Suleika“, den Ponys „Whisky“ und „Pinocchio“ sowie dem Hund „Hero“.

Füssen – Die gute Nachricht vorab: Der Zirkus ist in der Stadt. Die schlechte Nachricht: Er darf nicht spielen. Und darum ist die Lage für die Familie Sperlich der Verzweiflung nahe. Taniela und Jan Sperlich betreiben den „Circus Sperlich“ bereits in der vierten Generation. Jetzt sind sie quasi in Füssen gestrandet.

Bürgermeister Paul Iacob gestattete der Zirkusfamilie, auf dem Festplatz an der Kemptener Straße im wahrsten Sinne des Wortes auf bessere Zeiten zu warten. Sie waren vor kurzem noch in Tirol auf ihrer alljährlichen Frühjahrstour, um die Menschen nicht nur mit ihren Tieren, sondern auch Drahtseilakten, Trapezakrobatik, Jonglagen und Clownerienummern nach traditioneller Manier in ihrer Manege zu unterhalten. Vor wenigen Tagen wurden die Sperlichs mit ihren fünf Kindern Elena, Angelo, Manolito, Maikel und Danny aber wegen der Corona-Krise aus dem Nachbarland hinauskomplimentiert.

Es müsse sich schnell etwas ändern, sagte Zirkusdirektor Jan Sperlich, denn, so ergänzte seine Frau Taniela: „Finanziell sind wir in ein paar Tagen am Ende.“ Deswegen seien die beiden 48-Jährigen dem Füssener Rathauschef auch sehr dankbar, dass sie in Füssen gratis Wasser und Strom zur Verfügung gestellt bekommen. Die täglichen Fixkosten, die für den aus Ostwestfalen stammenden Familienbetrieb aber dennoch anfallen, belaufen sich auf gut 250 Euro. Das Geld ist wird unter anderem benötigt, um das Futter für die vier Trampeltiere, acht Ponys, drei Lamas, zwei Pferde, vier Hunde sowie mehrere Enten und Hasen und ein schwarze Ziege namens „Heidi“ zu bezahlen. Hinzu kommen natürlich Ausgaben für die Familie Sperlich selber. Lebensmittel, Kleidung, Reinigungsmittel, Telekommunikationsgebühren, Treibstoff und so weiter müssen. Immerhin fallen derzeit keine Werbekosten (zum Beispiel für Plakate) an, weil im Augenblick in ganz Deutschland nicht aufgetreten werden darf, wie Jan Sperlich erklärte.

Zeit der Ungewissheit

Der muskulöse Mann lässt sich äußerlich nichts anmerken, während seine Frau zugab, „mit den Nerven am Ende“ zu sein und schon stundenlang geweint habe. Obwohl Zirkusleute generell einiges gewohnt seien und meist gerade so viel einnehmen würden, um ihren Betrieb am Leben zu erhalten, treffe die jetzige Ausnahmesituation auch den „Circus Sperlich“ besonders hart. Das Zirkusleben mache ihnen Spaß, obwohl sie „niemals Urlaub“ hätten und jeden Tag zum Teil schwere Arbeit anfallen würden. Es müsse zum Beispiel ständig irgendetwas an ihren 20 Transportern repariert werden, bekannte der 16 Jahre alte Maikel und betont darüber hinaus: „Ich kenne nichts anderes.“ 

Zusammen mit seinen Geschwistern vertreibt er sich nun unter anderem mit dem Üben seiner Lasso- und Jongliertricks sowie der Pflege der Tiere die Zeit der Ungewissheit, während sich der 21-jährige Manolito momentan um technische Probleme an einem der vielen Hänger kümmert, die genauso wie die große Zugmaschine auf dem Füssener Festplatz stehen anstatt durch Europa zu ziehen.

Keine finanziellen Rücklagen

„Wir würden selbstverständlich gerne wieder Vorstellungen geben“, sagte Vater Sperlich. Immerhin komme der Zirkus mit seinem Programm für die ganze Familie und seinem Streichelzoo in normalen Zeiten beim Publikum „sehr gut an“. Jetzt ist aber alles anders, und so klang er schließlich doch ein wenig verzweifelt, als er sagte: „Wir haben fast keine finanziellen Rücklagen, mit denen wir die momentanen Verdienstausfälle kompensieren könnten, daher gebe ich offen zu, dass wir nun auf fremde Hilfe angewiesen sind, um so lange aushalten zu können, bis wir wieder spielen dürfen.“

lex

Wer möchte helfen? 

Obgleich generell hart im Nehmen, würde sich der „Circus Sperlich“, der in diesen Tagen auf dem Festplatz an der Kemptener Straße steht und ohne eigenes Verschulden zur Untätigkeit gezwungen ist, momentan sehr über fremde Hilfe freuen. 

Wer diesbezüglich mit dem Zirkus in Kontakt treten möchte, kann das unter Telefon 0178/6980437 tun.

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