ACE: Vier Fünftel der Füssener Autofahrer fahren zu schnell an haltenden Bussen vorbei

"Ich konnte es nicht fassen"

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Thomas Meiler von der Polizei Füssen überprüft, ob die Autofahrer an der Bushaltestelle beim Pulverturm Schrittgeschwindigkeit und Abstand einhalten. Im Hintergrund sind der Landtagsabgeordnete Dr. Paul Wengert (v.l.), Otto Siegfried Wilkening vom ACE und Christian Lenz vom Landratsamt zu sehen.

Füssen – Diese Zahl liest sich zunächst einmal erschreckend: An die 80 Prozent der Autofahrer in Füssen und Rieden fahren zu schnell, teilweise viel zu schnell, an haltenden Linien- oder Schulbussen vorbei. 

„Ich habe kein einziges abbremsendes Auto gesehen“, beschreibt Otto Siegfried Wilkening vom Auto Club Europa (ACE) seine eigenen Beobachtungen. 

Doch passiert ist bislang zum Glück im Altlandkreis nichts, wie Vertreter der Polizei und des Landratsamtes betonen. Dennoch will der Club mit der bundesweiten Aktion „Nadelöhr Haltestelle“ auch in Füssen auf die Problematik aufmerksam machen und Autofahrer sensibilisieren. 

54 Tote, 4541 Verletzte – so viele Menschen verunglückten nach Angaben des ACE 2012 bei Unfällen im Zusammenhang mit Omnibussen. Für den ACE Grund, auch in Füssen und Umgebung zum Schulanfang genauer hinzusehen, wie der ACE-Regionalbeauftragte Florian Baar und der Füssener ACE-Vertreter Otto Siegfried Wilkening am Mittwoch bei einem Ortstermin an der Bushaltestelle beim Pulverturm erklärten. 

Vor allem auf zwei Dinge achtete der Club in diesem Zusammenhang besonders: Zum einen, ob die Autofahrer wie vorgeschrieben an Haltestellen tatsächlich mit Schrittgeschwindigkeit (vier bis sieben km/h) und genügend Seitenabstand an mit Warnblinkern wartenden Bussen vorbeifahren. Und zum anderen, ob die Verkehrsteilnehmer bei mit Warnblinkern an Haltestellen heranfahrende Bussen tatsächlich das Überholverbot einhalten. Beide Vorschriften gelten immerhin bereits seit 1995, wie die beiden ACE-Clubvertreter betonten. 

Vier Fünftel zu schnell 

Um es kurz zu machen: Etwa vier Fünftel bzw. 78 bis 81 Prozent der Autofahrer an vier Haltestellen in Füssen (Kemptener Straße, Pulverturm) und Rieden am Forggensee hielten sich nicht an die gesetzliche Vorgaben und fuhren viel zu schnell an den haltenden Bussen vorbei. „Ich war erschrocken und konnte es nicht fassen“, so Wilkening, der bei den Kontrollen in Füssen und Rieden dabei war. Lediglich drei Autos hätten angehalten. „Nur Fahrschulen machen das richtig.“ 

Keine Unfälle 

Passiert ist bislang zum Glück aber noch nichts, wie Thomas Meiler von der Füssener Polizei und Christian Lenz, im Landratsamt zuständig für den ÖPNV, am Mittwoch betonten. Insgesamt gebe es im Kreis Ostallgäu um die 500 Bushaltestellen, die von den Bussen mit Warnblinkern angefahren werden sollten. „Das Blinken ist aber kein Muss“, sagte Lenz. 

Bürgermeister Paul Iacob (SPD) freute sich, „dass sich der ACE eines Themas annimmt, das nicht nur in Füssen aktuell ist“, sagte er. Dennoch habe es für Füssen eine besondere Bedeutung, denn „wir sind dabei, den ÖPNV am Bahnhof völlig neu zu situieren“, so Bürgermeister Iacob weiter. 

Der Füssener Landtagsabgeordnete Dr. Paul Wengert (SPD), der die Schirmherrschaft über die Aktion übernommen hat, dankte dem Club für die Aktion. „Ich habe auch selber dazu gelernt“, sagte er nach dem Ortstermin am Pulverturm. „Man sollte sich bewusst werden, welche Regeln gelten“, so Wengert.

Matthias Matz

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