Colomann, ein Grenzgänger

Professorin Meta Niederkorn-Bruck bei ihrem Vortrag zum Heiligen Coloman in Schwangau. Foto: Sommer

Am 17. Juli 1012 wurde ein irischer Pilger auf seinem Weg ins Heilige Land im österreichischen Stockerau getötet. Der Unglückliche war Coloman, dem zur Verehrung die Gläubigen unter anderem eine Kirche in Schwangau errichtet haben und auch das Todesdatum heuer feiern. Dazu hat kürzlich der Schwangauer Pfarrer Markus Dörre die Wiener Universitätsprofessorin Meta Niederkorn-Bruck begrüßt, die neues über den alten Heiligen berichtete.

„Er kommt an die Grenze und gelangt über sich hinaus – Coloman, ein Grenzgänger“, so hat die Wiener Professorin ihren Vortrag überschrieben, den sie im Schwangauer Brauhaus präsentierte. Dabei ging Niederkorn-Bruck nicht nur auf die Herkunft Colomans ein und die Umstände seines Todes, sondern zeigte auch, weshalb aus einem einfachen Pilger ein Heiliger wird, der allerdings nie heilig gesprochen wurde, und der auf dem Kontinent verehrt wird.Coloman war ein irischer Pilger, manche behaupten sogar ein Königssohn, der sich um 1010 nach Christus auf den Weg ins Heilige Land machte. Bei Stockerau in der Nähe von Wien wurde er als Spion erst gefoltert und schließlich gehängt. Er beschäftige sie schon lange, gestand die promovierte Historikerin, deren Vortrag mit dem Weggang Colomans aus Irland begann. Es habe seit dem vierten Jahrhundert eine große Tradition in Irland gegeben, auf Pilgerschaft ins Heilige Land zu gehen. Insbesondere aber durch die „Grenzkonflikte“ um 1005 und dem gesperrten Zugang nach Jerusalem, machen sich vermehrt Pilger auf die Reise, um Präsenz zu zeigen, so Niederkorn-Bruck. So eben auch Coloman, der den bekannten Wegen durch Europa, zumeist noch auf alten Römerstraßen, folgt und so nach Stockerau kommt. Dort sieht man in ihm einen Spion der Ungarn, mit denen die Gegend hin und wieder im Streit liegt. Schon bald nach seiner Ermordung häufen sich jedoch die „Wunder“. Zum Beispiel verwest der Leichnam nicht, wie historische Quellen aufzeigen, die die Professorin überprüft hat. Außerdem wird bald klar, dass es sich um einen Justizirrtum handeln muss. Nun handelt die weltliche Obrigkeit, der Leichnam wird überführt und es beginnt die Vereinnahmung des Pilgers. Denn der Landgraf erwartet sich die „fürbittende Kraft des Heiligen für die eigene Familie“, so Meta Niederkorn-Bruck. Coloman erhält ein angemessenes Begräbnis, 1089 schließlich wird aus dem Stift ein Benediktinerkloster. Durch die Liturgie wird die Geschichte des Heiligen Coloman weitergetragen. Die Historikerin kann sich allerdings nicht erklären, weshalb Coloman ermordet wurde. Als Pilger hätte er nur den Namen Christi erwähnen müssen und wäre verschont worden. Wenn nun die Gläubigen am morgigen Sonntag, 14. Oktober, das Colomansfest in Schwangau begehen, dann gedenken sie dem Tag, 13. Oktober, an dem Coloman in Melk bestattet wurde. Der Tag des Heiligen, der 17. Juli, hingegen hat das Datum der Hinrichtung festgehalten, der 17. Juli 1012.

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