Räte diskutieren Sinnhaftigkeit: »Das ist von vielen nicht nachvollziehbar«

Corona-Ampel in Füssen steht auf rot: Schulen stellen Unterrichtsbetrieb um

Schulkind mit Maske
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Die Schulen in Füssen und dem südlichen Ostallgäu schlagen derzeit ganz unterschiedliche Wege ein, mit der Situation fertig zu werden.

Füssen – Vor einer Woche überschlugen sich im Ostallgäu die Ereignisse: Am Freitag erreichte der Landkreis auf der Corona-Ampel die Warnstufe gelb, das heißt eine Sieben-Tage-Inzidenz über 35, zwei Tage später war sie schon auf rot (Sieben-Tage-Inzidenz über 50). In der Theorie bedeutete das, dass Schüler aller Jahrgangsstufen auch im Unterricht eine Maske tragen müssen. In der Praxis machte es jede Schule allerdings anders. 

Während die Grundschulen in Seeg und Eisenberg planten, alle Grundschüler unter Beachtung der Maskenpflicht in den Schulräumen zu unterrichten, stellten die meisten Schulen in Füssen gleich auf den Wechsel zwischen Präsenzunterricht und „Homeschooling” um. Da das eine große Belastung für die Eltern sei, wollte Jürgen Doser (FWF) am Dienstag in der Sitzung des Stadtrates darüber diskutieren.

Denn zu diesem Zeitpunkt waren nur vier Personen in Füssen mit dem Corona-Virus infiziert. Trotzdem stellte die Grundschule, in die im Gegensatz zu weiterführenden Schulen nur Kinder aus dem Stadtgebiet gehen, gleich auf den Wechsel zwischen Präsenzunterricht und „Homeschooling“ um. „Das ist von vielen nicht nachvollziehbar“, meinte Nicole Eikmeier (CSU). „Wir müssen sehen, wo es Sinn macht und wo nicht“, unterstrich auch Doser. Da diese Umstellung einige Familien vor Probleme stelle, sollte diese Entscheidung schon nachvollziehbar sein.

Schulen haben zu wenig Platz

Das Bayerische Kultusministerium habe den Schulen einen Hygieneplan vorgegeben, an den sich diese halten müssen, erklärte SPD-Stadträtin und Förderschullehrerin Ilona Deckwerth. Darin sei vermerkt, dass die Schüler ab einer Inzidenzzahl von 35 einen Mindestabstand von 1,5 Meter im Klassenzimmer einhalten müssen. „Wir haben in der Erich Kästner Schule ausgemessen und umgeräumt, damit es klappt.“

  • Seit Dienstag, als der Füssener Stadtrat tagte, sind die Zahlen der Personen im Landkreis, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben, weiter angestiegen. Auch in Füssen. Am Donnerstagmittag, bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe, lagen die tagesaktuellen Zahlen noch nicht vor. Für Mittwoch vermeldete das Landratsamt Ostallgäu 222 Infizierte im Landkreis und Kaufbeuren. Davon wohnen elf in Füssen. Die aktuellen Zahlen finden Sie online in unserem Corona-Ticker unter www.kreisbote.de/fuessen.

Vielen Schulen fehlt dafür aber der Platz. „Bei einer Klassenstärke von 12 bzw. 18 sind die Klassenzimmer zu klein, damit man den 1,5-Meter-Abstand einhalten kann“, ergänzte Mittelschullehrer Wolfgang Bader (Grüne). Er und seine Kollegen seien am Sonntag über die neue Situation informiert worden und hätten auch gleich die Klassen entsprechend eingeteilt, damit es am Montag möglichst reibungslos weitergehen konnte. Momentan gehe er davon aus, dass diese Situation bis zu den Herbstferien so bleibt.

Anders sei das auch gar nicht möglich, damit alle Schüler auf ihre Stunden kommen, ergänzte seine Kollegin Anna-Verena Jahn (Grüne). „Die Schüler tun mir am meisten leid und ich verstehe auch die Eltern“, sagte sie. Aber die jetzige Situation sei immer noch besser als eine komplette Schulschließung. „Für die Kinder wäre das das Schlimmste.“

Und im Vergleich zum März sei die momentane Regelung schon ein Fortschritt, fügte Bader hinzu. Ansonsten wäre schon längst wieder ein Lockdown über den Freistaat verhängt worden, meinte er mit Blick auf Berchtesgaden. Es hätte allerdings auch schon genügt, wenn Füssen eine alleinige Quote hätte, ergänzte Deckwerth. Denn vor rund zwei Wochen habe es hier elf bis zwölf infizierte Personen gegeben. Die Quote für die Lechstadt hätte damit weit über 50 gelegen. „Wenn wir vom Landkreis nicht verdünnt worden wären, hätten wir geschlossen werden müssen“, so die SPD-Stadträtin. Jetzt sei es eben umgekehrt.

„Wir können froh sein, dass wir so eine niedrige Rate haben“, fügte Polizist und CSU-Stadtrat Thomas Meiler hinzu. Er selbst habe am vergangenen Wochenende im Tracing Team des Gesunheitsamtes ausgeholfen, weil das mit der Auswertung der Corona-Tests und der Nachverfolgung der Kontaktpersonen nicht mehr hinterher gekommen sei. „Es ist Wahnsinn, wie verwoben das ist“, meinte er zu Letzterem. „Wir sollten auf die Allgemeinheit schauen.“

„Das ist ein sehr komplexes Thema“, schloss Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) die Diskussion. „Wir sind täglich im Lernprozess drin. Wir werden gerne nochmal im Landratsamt nachfragen, wie der weitere Plan ist.“ Zum rasanten Anstieg am vergangenen Wochenende erklärte er, dass wohl einige private Treffen dazu geführt hätten. Neben einer Hochzeit in Seeg mit 150 Personen, hätte sich das Virus auch bei einem Musiker-Vereinstreffen und einem Mädelsabend verbreitet.

kk

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