»Von den Kapazitäten ginge viel mehr«

Hausarzt spricht über Corona-Impfstart in Füssen – Es mangelt am Impfstoff

Mediziner beim Impfen.
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Seit April dürfen auch Hausärzte in Bayern gegen das Corona-Virus impfen. Dabei müssen sie sich an die Priorisierungskriterien des Bundesgesundheitsministeriums halten.
  • Katharina Knoll
    vonKatharina Knoll
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Füssen – Die Telefone laufen derzeit heiß in der Praxis von Allgemeinmediziner Dr. Christian Stenner. Denn seit Anfang April dürfen in Bayern auch die Hausärzte gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2 impfen. Und die Nachfrage ist hoch. „Wir sehen ein alle Altersgenerationen übergreifend großes Interesse der Füssener, sich impfen zu lassen“, sagt Dr. Stenner, der auch Sprecher aller niedergelassenen Ärzte in Füssen ist. „Das ist bei allen gleich hoch.“ Nur an einem mangelt es derzeit: Am Impfstoff.

„Viele Patienten rufen an oder mailen, um nachzuhören, wie sie bei uns geimpft werden können“, sagt der Facharzt für Allgemeinmedizin. Generell läuft das Prozedere aber so ab, dass die Hausärzte auf ihre Patienten zugehen und per Telefon nachfragen, ob sie sich gegen das Corona-Virus impfen lassen wollen oder nicht. Dabei müssen sich die Mediziner an die Priorisierungskriterien des Bundesgesundheitsministeriums halten. „Interessierte können uns aber jederzeit gerne ihren Impfwunsch per E-Mail mitteilen.“

Das Ganze könnte jedoch deutlich schneller ablaufen, wenn den Hausärzten mehr Impfstoff zur Verfügung stehen würde. „Wir könnten ein Vielfaches von dem verimpfen, was wir derzeit bekommen“, informiert Dr. Stenner. „Von den Kapazitäten ginge viel viel mehr.“ Den Impfstoff verabreichen kann auch ein Medizinischer Fachangestellter. Das Aufklärungsgespräch davor sei aber immer Arztsache, erklärt der Mediziner das allgemeine Vorgehen. Darin werde abgeklärt, zu welchen Nebenwirkungen es kommen kann, welche Vorerkrankungen der Patient hat und welcher Impfstoff am besten passe. Damit laufe das Prozedere genau gleich ab, wie in den Impfzentren.

Geringe Anzahl an Impfdosen pro Woche

Vor Ostern ging es in der Praxis von Dr. Stenner langsam los mit den Corona-Schutzimpfungen. Dafür erhielt seine Praxis 20 Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs. Vergangene Woche standen ihm schließlich 36 Impfdosen zur Verfügung. Doch eigentlich sollte den Hausärzten pro Woche bis zu 50 Stück geliefert werden. Aber: „Das hat noch nie einer gekriegt, im ganzen Kreis nicht“, sagt der Hausarzt. Deshalb laufen die Corona-Impfungen parallel zum normalen Praxisalltag ab.

Würden den Hausärzten wie bei der Grippeimpfung 150 Impfdosen pro Woche zur Verfügung stehen, könnten sie eigene Impfsprechstunden einführen und einfach ein Wochenende durchimpfen. „Dazu wären wahrscheinlich alle bereit“, meint der Allgemeinmediziner. Doch davon sind die Füssener Hausärzte derzeit weit entfernt. Und aktuell schaut es nicht danach aus, als ob sich das in naher Zukunft ändern wird.

Schlechte Planbarkeit

Hinzu kommt, dass die Ärzte nur schlecht planen können. Normalerweise sollten sie bis Freitag darüber informiert werden, wie viele Impfdosen ihnen in der Woche darauf zur Verfügung stehen. Aber: „Dem ist nicht so“, sagt der Allgemeinmediziner. „Heute (Dienstag – Anmerk. d. Red.) habe ich Bescheid bekommen, dass wir diese Woche 36 Stück bekommen.“

In der Lechstadt werden derzeit die Präparate von AstraZeneca und BioNTech verimpft. Ab kommender Woche werden sie in gleicher Menge, also 1:1, geliefert, erklärt Dr. Stenner. Dabei ist auch die Skepsis der Füssener gegen den Impfstoff des schwedisch-britischen Arzneimittelherstellers groß. „AstraZeneca hat ein ziemliches Imageproblem“, weiß der Füssener Hausarzt aus eigener Erfahrung. „Die Leute sind verunsichert – durch alle Altersschichten.“

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