"Es wird nichts, wie es vorher war"

Keine Lockerung der Maßnahmen für das Gastgewerbe – Zunehmende Sorge der Gastwirte im Landkreis

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Die Restaurants und Hotels der Region sind menschenleer. Gastwirte und Hoteliers warten bislang vergebens auf eine Lockerung der Maßnahmen, die ihren Betrieben gestattet, wieder Gäste beherbergen und bewirten zu können. Auch sieht die Branche einen dringenden Bedarf an weiteren Soforthilfen, damit es ihnen möglich ist die Ausfälle und Einbußen zu kompensieren und das Personal zu halten.

Füssen/Region – Geschäfte, Baumärkte und Gartencenter können unter Auflagen zur Hygiene und Verhaltensmaßregelungen wieder öffnen. Doch die Gastronomie erfuhr bislang keinerlei Lockerungen. Gastwirte und Hoteliers haben zunehmend existenzielle Sorgen.

Auch Unmut über die Entscheidungen seitens der Regierung macht sich breit. Schon lange wird eine Senkung der Mehrwertsteuer von den regulären 19 auf sieben Prozent gefordert. Eine Hilfsmaßnahme, die in der Politik aktuell diskutiert, von Betroffenen einstimmig als unabdingbar erachtet wird.

Das Landhotel „Gockelwirt“ in Eisenberg richtete nach der verordneten Schließung des Hotel- und Restaurantbetriebs einen Lieferservice ein, beziehungsweise bietet Speisen zur Abholung an. „Wenn ich dabei gerade so auf Null komme bei den Kosten, bin ich schon zufrieden“, so die Bilanz von Inhaber Josef Steinacher. 

Alles in allem sei die Situation nicht einfach. „Wir waren die Ersten, die Restriktionen erfahren haben, und werden die Letzten sein, die wieder voll in Betrieb gehen“, so der Hotelier. 

Allein aus diesem Grund würden die Hoteliers und Restaurantbetreiber mehr Hilfe vom Staat benötigen, um das kompensieren zu können. „Wir können dann nicht einfach mehr produzieren. Und auch die Stammgäste kommen dann nicht fünf statt einmal die Woche.“

Neuverschuldungen müssen gedeckelt werden

Eine wie schon erwähnte Absenkung der Mehrwertsteuersenkung auf sieben Prozent sei langfristig gesehen allein deshalb nötig, um Neuverschuldungen, wie in Steinachers Fall ein KfW-Kredit für den Betrieb, und zusätzliche Kosten für die Umsetzung von Hygienemaßnahmen, deckeln zu können. Denn, so der Inhaber des Gockelwirts, das könne nicht über eine Senkung der Kosten oder Erhöhung der Preise geschehen. „Wenn die Mehrwertsteuer bei den 19 Prozent bliebe, müsste ich den Kredit bei den Kosten abzeichnen.“ 

Einige Restaurants richteten einen Lieferservice ein und oder bieten die Speisen zur Abholung. Viele nur, um überhaupt etwas zu tun zu haben.

Ein Restaurantbetrieb mit vorgegebenem Abstand wäre zwar „besser als nichts, aber auf Dauer keine Lösung“, sagte Steinacher. Außerdem ginge das nur mit reduziertem Personal. Seine Hoffnung ruht nun auf der Politik.

Den Bestell- und Lieferservice mache er auch deshalb, da er einige betagte Stammkunden habe, sagte Bruno Weyerer. Seiner Familie und ihm gehört das Bad Faulenbacher Hotel „Frühlingsgarten“. „Damit hat man was zu tun und die Leute freuen sich. Man muss auch an die älteren Menschen denken. Sie sind so froh einmal etwas Frisches zu bekommen.“ Verdienen würde dabei nichts. „Das ist nur der Tropfen auf den heißen Stein“, sagte er auf die Nachfrage des Kreisbote.

Einnahmen für Renovierungskosten gedacht

Wenn die Restaurants und Hotels wieder öffnen dürfen, „wird nichts, wie es vorher war“. Die Zukunftsaussichten, so Weyerer, seien „nicht so rosig“. Der Hotelier gab im Gespräch mit unserer Zeitung zu, angespannt zu sein. „Denn die Kosten laufen ja weiter.“ Er habe sie weit möglichst herunter gefahren, dennoch bestehen Verbindlichkeiten. Renovierungen wurden Anfang des Jahres angestoßen. Die Einnahmen jetzt seien für die Bezahlung dieser Investition geplant gewesen. 

„Wichtig ist, dass Hotelgäste wieder kommen dürfen und das Restaurant öffnen darf“, sagte der Weyerer.

"Auf alle Fälle an die Vorgaben halten"

Eine Abstandsregelung sehe er dabei als weniger problematisch. „Wir werden uns auf alle Fälle an die Vorgaben halten“, so der Füssener Hotelier. Dass weniger Gäste im Restaurant sein können, sei mit ein Grund, weshalb die Sieben-Prozent-Regelung angebracht wäre. Denn die Restaurants bezahlen nicht nur 19 Prozent Mehrwertsteuer, sie leisten diese sogar als Vorauszahlung. 

Für die Systemgastronomie, wenn Gäste an Stehtischen essen, aber nicht bedient werden, kein Geschirr und dessen Reinigung gestellt wird und die Speisen standardmäßig zubereitet sind, gilt bereits die Sieben-Prozent-Regelung. Und das ohne Vorauszahlung. 

Ob 30 oder 90 Gäste da sind, es muss geheizt werden, die Bedienung entlohnt und das Geschirr gespült werden. „Die Sieben-Prozent-Regelung wäre auch eine Chance für die, die finanziell in Schieflage geraten sind“, erklärte Weyerer. Außerdem würde es vielen Gastronomen langfristig gesehen helfen, zahlungsfähig zu bleiben.

„Hier wäre die Regierung aufgefordert“

„Nach wie vor warten wir auf die Bewilligung von Krediten seitens der KfW beziehungsweise der Banken. Hier tut sich gar nichts, man wird nur hingehalten“, berichtete Geschäftsführer Walter Vollmer vom Gasthaus Fischerhütte in Hopfen am See. Außerdem würde seine „Multirisk Versicherung“, in welcher explizit eine Schließung auf behördliche Anordnung wegen Seuchen eingeschlossen sei, sich weigern den Schaden zu bezahlen. „Hier wäre die Regierung aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass die Versicherungen zahlen müssen“, so Vollmer. Die angestrebte Sieben-Prozent-Regelung wäre zumindest „eine Hilfe und schnellstens erforderlich“.

Regierung liege falsch

„Die Gesamtlage seit der Schließung ist gelinde gesagt katastrophal“, sagte der Hopfener Gastwirt. Was er nicht verstehen könne ist, dass die Regierung die Meinung vertritt, nur Autohäuser, Baumärkte, Supermärkte, Fahrradhändler usw. seien fähig, die Abstandsregelungen umzusetzen. „Wir in der Gastronomie könnten es genau so wie die“, sagte der Hopfener Gastronom. „Da wir als Lebensmittel verarbeitende Betriebe, immer schon auf hohem hygienischen Niveau gearbeitet haben, ist es um so mehr unverständlich, dass ausgerechnet wir nicht öffnen dürfen. Da sicherlich in unseren Betrieben keine größere Ansteckungsgefahr besteht als in Supermärkten.“

Gesundheit ist der einzige Trost

Denn besser sei es allemal, mit weniger Platzangebot öffnen zu können, als gar nicht. Es gebe ihm die Chance, zumindest einen Teil der Fixkosten zu decken. Persönlich rechnet Vollmer mit einem 50-prozentigen Rückgang der Gäste und massiven, existenzbedrohenden Umsatzeinbußen. Die Hoffnung sei nun, dass in Deutschland die Bars und Restaurants ab Mitte Mai wieder öffnen dürfen. Sein einziger Trost sei momentan, dass seine Familie und er sowie das 25 Mitarbeiter starke Team gesund sind.

Selma Höfer

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