»Wir sind vorbereitet«

Die Polizeiinspektion Füssen stellt sich auf viele Tagesgäste zu Ostern ein

Autos am Hopfensee
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Mit Beginn der Tourismussaison an Ostern bereitet sich die Polizeiinspektion Füssen auf einen Ansturm von Tagesgästen vor. Während es im vergangenen Jahr an Ostern noch ruhig war, wurde das Füssener Land an Pfingsten geradezu überrannt. Die Ausflügler stellten ihre Autos, wie hier im Haagweg, zum Teil wild ab.
  • vonKatharina Knoll
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Füssen – Überfüllte Parkplätze an den Seen, zugeparkte Straßen sowie Autos und Wohnmobile, die rechtswidrig in der Natur abgestellt wurden: Im vergangenen Jahr ist das Ostallgäu vor allem im Sommer geradezu von Tagesgästen überschwemmt worden. Mit den Osterferien steht nun der Beginn der neuen Tourismussaison 2021 an, der zweiten während der Corona-Pandemie. Zwar sind Urlaubsreisen innnerhalb von Deutschland nach wie nicht möglich, sollte die Sonne allerdings vom Himmel strahlen, rechnet die Polizeiinspektion (PI) Füssen erneut mit vielen Tagesausflüglern, die sich in Richtung Seen und Alpen aufmachen. „Wir sind vorbereitet“, heißt es von Seiten der PI Füssen. 

„Tagesausflüge sind nicht verboten“, sagt Ingo Baier, Sachbearbeiter Einsatz bei der PI Füssen, am Mittwoch gegenüber dem Kreisbote. „Wir müssen uns darauf einstellen.“ Deshalb hat die PI Füssen bereits vor einem Monat damit begonnen, ein entsprechendes Konzept für die Osterferien bzw. für die beginnende Tourismussaison (Pfingsten und Sommer) zu erarbeiten. „Wir haben uns auf den schlimmsten Fall vorbereitet“, so Baier. Aufgrund der jüngsten politischen Entwicklungen im Bezug auf die Corona-Pandemie heißt es jedoch flexibel bleiben, Schwerpunkte setzen – und den Wetterbericht genau im Auge behalten.

Denn schneits und ist es kalt, bleiben die Menschen erfahrungsgemäß lieber in den eigenen vier Wänden. Lacht dagegen die Sonne vom Himmel und klettern die Temperaturen in die Höhe, nutzen die Menschen die Feiertage gerne für einen Ausflug in der Umgebung – vor allem, da es aufgrund des harten Lockdowns über Ostern an alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten mangelt. „Die werden uns überrennen“, befürchtet deshalb Baier.

Mit den Erfahrungen des vergangenen Jahres hat sich die PI Füssen deshalb zusammen mit der Polizeidienststelle Pfronten und der Wasserschutzpolizei Füssen auf die beginnende Sommersaison vorbereitet. Um für einen möglichen Ansturm gewappnet zu sein, dürfen die Polizisten im Königswinkel generell von Pfingsten bis Anfang Oktober nur eingeschränkt Urlaub nehmen. „Das wird von den Kollegen mitgetragen“, sagt Edmund Martin, Leiter der PI Füssen. Denn: „Wir brauchen die Leute.“

Um heuer die allgemeine Polizeipräsenz erhöhen zu können, bekommt die PI aber auch Verstärkung von außen. „Wir bekommen Unterstützungskräfte“, ergänzt Martin. „Das hat München mir zugesagt.“ So steht die Bereitschaftspolizei, der Einsatzzug aus Kempten, Hundeführer und die Hubschrauberstaffel Edelweiß bereit.

Streife per Fahrrad

Denn neben dem normalen Tagesgeschäft gelte es die Regelungen infolge des Infektionsschutzgesetz zu kontrollieren und Verstöße, die in Zusammenhang mit dem Tourismus stehen, zu ahnden. Dazu gehört beispielsweise den Streifendienst zu intensivieren, im Auto, im Boot, zu Fuß oder auch mal auf dem Fahrrad. So kontrollierte die PI Füssen beispielsweise schon während der zweiten Corona-Welle die Einhaltung der Maskenpflicht an der Uferstraße am Hopfensee per Fahrradstreife.

In den Weihnachtsferien, als sich teilweise massenweise Schlittschuhfahrer und Eishockeyfans auf dem Schwansee drängten, schnürten auch die Füssener Polizisten ihre Schlittschuhe, um auf die Einhaltung der Kontakt- und Abstandsbeschränkungen hinzuweisen (der Kreisbote berichtete). „Das war zum Teil schon sehr zäh“, erinnert sich Martin.

Ein großes Thema waren im vergangenen Jahr auch die vielen Wildcamper und Falschparker in Landschaft- und Naturschutzgebieten. Allein das Landratsamt Ostallgäu habe im vergangenen Jahr 1034 Verstöße in diesem Bereich geahndet. „Das Landratsamt Ostallgäu hat den Bußgeldrahmen ausgeschöpft. Das hat richtig Geld gekostet“, weiß Martin. Wer sein Auto im Landschaftsschutzgebiet parkt, muss mit einem Bußgeld zwischen 55 und 75 Euro rechnen. Eine besonders saftige Strafe kassierten die Wanderer, die im Sommer ihr Zelt auf der Säulingwiese im Naturschutzgebiet aufschlugen: Dafür wurde ein Bußgeld von 350 Euro fällig.

In ganz Südbayern gab es 2020 rund 4000 solcher Anzeigen. Für Martin bedeutet das: „Wir haben unsere Hausaufgaben aus unserer Sicht gemacht.“ In den Sozialen Medien seien die Beamten dafür zum Teil jedoch recht rüde angegangen worden. Aber: „Das sind wir den Bürgern und Einheimischen schuldig“, sagt Martin. Urlauber und Tagesgäste seien zwar willkommen, es sollte allerdings auch Ordnung herrschen.

Deshalb werde die Polizei auch heuer den Verkehr sowie Parker und Wildcamper an den touristischen Hotspots überwachen. Dabei werden die Beamten erstmals vom Kommunalen Ordnungsdienst der Stadt Füssen unterstützt. „Wir stehen im engen Verbund“, so der PI-Leiter. Denn die Kommunen haben das Recht, Verstöße rund um den ruhenden Verkehr selbst zu beanstanden. Martin appelliert an die Gemeinden, das auch zu tun. „Hier gibt es noch Luft nach oben.“ Denn der Polizei fehle dafür das nötige Personal. Auch Security-Kräfte sollen wie im vergangenen Sommer an den Parkplätzen am Alatsee und in Dietringen zum Einsatz kommen. Ob sie ihren Dienst bereits zu den Osterferien aufnehmen, hänge vom Wetter ab.

Zwischenzeitlich haben die Gemeinden in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Ostallgäu die Landschaftsschutz- und Naturschutzschilder aktualisiert. Auch die Füssener Beamten bildeten sich in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde über die Rechtslage beim Landschaft- und Naturschutz und den neuen Bußgeldkatalog fort. Hinzu kamen interne Fortbildungen, die allgemein rechtlicher Natur sind. Um langfristig etwas gegen den zunehmenden Verkehr zu unternehmen, arbeitet die PI Füssen auch beim „Mobilitätskonzept Allgäu“ der Allgäu GmbH mit.

Gespannt blicken die Beamten nun auf die kommenden Wochen. Eine Rolle wird hier auch der Beginn der Motorradsaison am 1. April spielen. Bleiben die Grenzen nach Österreich dicht, wird es wohl zum „Queralpenverkehr“ kommen, meint Baier. „Es gibt viele kleine Baustellen“, fasst Martin zusammen.

Katharina Knoll

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