"Ich bin ganz entspannt"

Corona-Krise: Der Füssener Psychologe Sascha Maurer hilft mit Online-Beratung

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Sascha Maurer möchte mit seinem Fachwissen und seiner Erfahrung denen helfen, die besonders unter der Krisensituation leiden.

Füssen – Sascha Maurer aus Füssen ist Diplom-Psychologe und Diplom-Betriebswirt/FH. Er arbeitet als Berater, Coach und Trainer, hauptsächlich für Firmen und Unternehmen. Als Freiberufler ist Maurer persönlich von der Corona-Krise betroffen. Seminare, Coachings und diverse andere Aufträge brachen in den vergangenen Wochen weg.

Die so gewonnene Zeit und sein Wissen möchte der Fachmann nutzen. Aus diesem Grund bietet Maurer seit Dienstag eine Gruppen-Online-Beratung an. Durch die facebook-Gruppe „CORONA HILFE FÜSSEN“ inspiriert entschloss sich der Diplom-Psychologe, kostenlos denen zu helfen, die von ihren Ängsten, Sorgen und psychischen Belastungen übermannt werden oder unter der Enge im häuslichen, familiären Umfeld oder Einsamkeit und Isolation leiden.

Es ist eine Arbeit, die er leidenschaftlich gerne macht. „Ich habe meine Berufung zum Beruf gemacht“, sagte Maurer im Gespräch mit unserer Zeitung. „Diese Art von Krise kenne auch ich nicht. Das löst natürlich etwas aus.“ Als Maurer sich 2008 selbstständig machte, durchlebte er persönlich eine Phase voller Sorgen und existenzieller Ängste. Ängste habe er mittlerweile und trotz der Auftragseinbrüche aber nicht mehr. „Zum ersten Mal bin ich ganz entspannt“, so der Fachmann. „Weil ich weiß, ich kann es nicht ändern.“

Diese Gelassenheit und Zuversicht möchte er nun teilen und vermitteln. „Ich kenne das ganze Prozedere. Zumal ich selbst ein Investment im Januar getätigt habe, zum Aufbau meines Online-Business.“ Eine solche Gruppe beriet er bisher nicht. „Das Angebot jetzt kam mehr oder weniger spontan. Es war irgendwie klar, ich wollte was machen.“ Für ihn ist diese Form der Beratung also neu und er empfinde es selber als sehr spannend. Es sei ein Geben und Nehmen, auch er lerne persönlich viel dazu. „Nur zu sehen oder zu hören im virtuellen Raum, ist etwas ganz anderes als die ganzheitliche Erfahrung, wenn ich physisch mit jemanden arbeite. Dadurch lerne ich natürlich auch über mich was.“

Das Zusammenkommen in einem virtuellen Raum sei auch für diejenigen einfach, die nicht besonders „technikaffin“ sind. „Ich habe eine Software gesucht, die extrem einfach ist“, erklärte Maurer. Benötigt werden ein PC oder Laptop mit einer Webcam, bzw. einer Videokamera und einem Audioanschluss.

Link per E-Mail

Wenn jemand die Hilfe in Anspruch nehmen möchte, bekommt die Person eine Email von ihm, um sich vorzubereiten. In der Email ist ein Link mit den Zugangsdaten. Er gehe das ganze Prozedere vor einer Online-Beratung mit jedem Einzelnen auch einmal durch, um den reibungslosen Ablauf zu garantieren. Das dient zum einen der Übung, zum anderen baue es Hemmungen ab und ermögliche beiden Seiten ein erstes Kennenlernen. „Es ist mir wirklich wichtig, dass wenn ich so ein Angebot mache, die Leute dann keine technischen Schwierigkeiten haben.“ Die Sitzungen finden zunächst einmal für die Dauer der Ausgangsbeschränkung und anderweitigen Maßnahmen im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes immer dienstags und donnerstags von 10 bis 11.30 Uhr statt.

Die Maske abnehmen

„Jeder entscheidet über das Maß der Offenheit mir gegenüber, aber auch den anderen Gruppenmitgliedern. Das wird jede Person für sich entscheiden. Es hören sich ja alle“, erklärt der Psychologe. Dieses Vertrauen, ihm und den anderen Teilnehmern gegenüber, müsse sich entwickeln. Sollte es einer Person helfen, könnte sie sich auch unter einem Pseudonym vorstellen. „Mit der eigenen Identität macht es mehr Sinn“, rät der Experte jedoch. „Um nicht wieder eine zusätzliche Maske aufzubauen. Ich zwinge aber niemanden dazu. Die Hauptsache ist, dass die Person es nutzt, auch ernsthaft nutzt, und den Gruppenprozess stützt, stärkt und wertschätzend mit dabei ist, dann ist das gar kein Thema.“ Die einzelnen Gruppenmitglieder können sich mit ihren persönlichen Geschichten auch Kraft spenden und stützen, Mut zusprechen oder auch den Glauben stärken. „Die Gruppe kann sich auch gegenseitig etwas geben.“

„Jeder, der für sich entdeckt: ,Ich bin in einer Situation die mich belastet, beansprucht. Ich kann es im Moment nicht alleine lösen, ich möchte wenigstens einmal darüber sprechen und brauche eventuell Unterstützung. Ich komme im Moment alleine damit nicht weiter...‘. Das ist für mich immer ein Ausdruck von Stärke, das ist herausragend, das ist eine echt starke Person“. Maurer möchte jeden ermutigen, sein Angebot anzunehmen. Manche Probleme die sich für Einzelne nun auftun, haben nichts mit der Krise zu tun. Jedoch treten diese durch die aktuellen Umstände zum Vorschein. Allerdings ersetze die Beratung keine psychotherapeutischen Maßnahmen.

Wichtige Akzeptanz

Das Thema Existenzangst habe natürlich einen direkten Bezug zur Corona-Krise. Den einen könne Maurer auch aus seiner eigenen Erfahrung helfen. Den anderen müsse er erst einmal zuhören, um sie dann zu stärken, stützen und ihnen beizustehen. „Helfen, die Situation zu akzeptieren wie sie ist. Weil das ganz wichtig ist. Denn Akzeptanz ist immer die Grundlage für Veränderung.“

Nun hoffe er, dass viele Menschen Vertrauen in seine Person entwickeln und so viel wie möglich aus seiner Gruppen-Beratung mitnehmen können. So lange er die Zeit habe, werde er die Gruppe kostenfrei anbieten. „Weil es für mich als Mensch wichtig ist, dass ich meinen Beitrag in der Welt leiste. Nicht nur in meiner Profession“, sagte Maurer.

Wer sich angesprochen fühle, Sorgen und Ängste verspüre oder mit der Enge zu Hause nicht klar kommt sowie jeder, der unter starker Einsamkeit und Isolation leide und gerne bei der Gruppen-Online-Beratung teilnehmen möchte, kann sich jederzeit mit Maurer in Verbindung setzen. Zum Einen über die  facebook-Gruppe „CORONA HILFE FÜSSEN“, oder direkt per Email an  s.maurer@mylifetalents.de.

Selma Höfer

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