Land- und Wellnesshotel „Panorama“ beklagt fehlende finanzielle Unterstützung

Corona-Krise: Schwierige Zeiten für die Hotellerie im Ostallgäu

Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke mit Hoteliers aus Rückholz im Ostallgäu
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Stephan Stracke (links) im Gespräch mit den Geschäftsführern des Hotels Panorama Florian und Magnus Wanner sowie den beiden Kreisräten Jakob Stocker-Böck (2. V. l.) und Markus Berktold (rechts).

Rückholz - Umfassende Sanierungsmaßnahmen und hohe Investitionen, aber bisher ausbleibende Hilfen durch den Bund. Florian und Magnus Wanner, Geschäftsführer des Land- und Wellnesshotels „Panorama“ in Rückholz, stehen vor einer schwierige Situation. Dem Ostallgäuer Bundestagsabgeordneten Dr. Stephan Stracke (CSU) erklärten sie diese jetzt bei einem Ortstermin. Der will sich nun für sie einsetzen.

Beim Rundgang durch das Hotel berichteten die beiden Brüder Florian und Magnus Wanner dem Politiker von den umfassenden und umfangreichen Baumaßnahmen, die sie vornehmen ließen. „Im Oktober 2019 haben wir begonnen, unser Hotel umfassend zu sanieren und zu erweitern. Insgesamt haben wir dafür beinahe zehn Millionen Euro in die Hand genommen.“ Dabei entstanden 22 neue Zimmer und Suiten. „Die Bettenzahl wurde von 38 auf 90 mehr als verdoppelt“, schilderten sie.

Im Zuge der Baumaßnahmen sei auch die komplette Infrastruktur mit Küche, Restaurant, Rezeption und Wellnessbereich erneuert worden. „Mit viel Liebe zum Detail und sicherem Stilgefühl wurde in einzigartiger landschaftlicher Lage ein Allgäuer Vorzeigeprojekt geschaffen“, zeigte sich Stracke beeindruckt davon, was hier in vierter Generation entstanden ist.

Der erste Lockdown im März 2020 habe das Haus so kurz nach der Wiedereröffnung bereits hart getroffen, so die beiden Hoteliers weiter. Nach einem guten Sommer folgte mit den neuerlichen Schließungen eine weitere enorme Herausforderung für das Unternehmen. Dabei sei das Hotel eigentlich grundsolide aufgestellt. Die Investitionen im Jahr 2019 in Millionenhöhe seien zwar ein großer Schritt für den Betrieb gewesen, „unter halbwegs normalen Bedingungen wären sie aber gut zu stemmen und nicht mit schlaflosen Nächten verbunden gewesen“, betonten sie.

Gerade jetzt im zweiten Lockdown wären die vom Bund zugesagten Hilfen für November und Dezember besonders wichtig. Diese Hilfen allerdings würden nicht greifen, teilten die Hoteliers mit. Grund dafür ist, dass in den für die Höhe der Hilfen maßgeblichen Vergleichsmonaten November und Dezember 2019 aufgrund der sanierungsbedingten Schließung kein Umsatz erzielt wurde. 

Die beiden Wintermonate November und Dezember 2020 dagegen wären umsatzstarke Monate geworden. Die Auslastung durch Vorausbuchungen für November und Dezember lagen Mitte Oktober bereits bei rund 70 Prozent, rechneten die Hotelbetreiber vor. „Wäre der Lockdown nicht gekommen, hätten wir im November und Dezember jeweils eine Belegung über 90 Prozent und einen Nettoumsatz im mittleren sechsstelligen Eurobereich erzielt“, brachten die beiden Geschäftsführer die Situation auf den Punkt.

Umso bitterer sei es nun, dass weder die umsatzbezogene Unterstützung der November- und Dezemberhilfen, noch der Fixkostenersatz der Überbrückungshilfe III für diese Monate zu erwarten seien. Ein Lichtblick sei, dass ein Fixkostenersatz aus der Überbrückungshilfe III ab Januar dieses Jahres möglich sei, so die Wanners. Der Fixkostenersatz orientiert sich jedoch ebenfalls am Vorjahr und damit an eine Zeit, in der das Hotel nur ein Drittel so groß war. Deshalb würde er nur zu einem Bruchteil die laufenden Kosten abdecken.

„Ihre Situation unterstreicht deutlich, dass es bei den Coronahilfen dringend einer Härtefallregelung bedarf. Es kann nicht sein, dass der Tüchtige, der massiv investiert und seinen Betrieb auf die Zukunft ausrichtet, jetzt bei den Unterstützungen des Bundes bestraft wird. Hier muss der jeweilige Einzelfall betrachtet werden“, machte Stracke klar.

Gleich nach seinem Besuch in Rückholz hat Stracke nach eigenen Angaben persönlich mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gesprochen und ihm den Fall Wanner geschildert. „Der Bundeswirtschaftsminister hat mir im Gespräch bestätigt, dass es für Fälle wie diesen bisher keine finanziellen Hilfen des Bundes gibt“, berichtete Stracke. Die bislang bestehenden Sonderregelungen greifen nur bei Unternehmungsneugründungen oder bei einem unverschuldeten Schadensereignis wie Brandstiftung.

Diese Sonderregelungen sei bewusst so eng gefasst worden, um möglichen Missbrauch bei den Hilfen zu verhindern. Das sei vor allem Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) ein Anliegen gewesen. „Für diese Haltung des Bundesfinanzministers habe ich keinerlei Verständnis“, sagte Stracke dazu. „Es ist viel zu einseitig, nur mögliche Missbrauchsgefahren in den Vordergrund zu stellen. Viel wichtiger ist es, Zukunftsbetrieben in Not zu helfen. Hierfür brauchen wir jetzt schnelle Lösungen“, betonte er.

Deshalb habe er sich bereits an den Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus, sowie den Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe, Alexander Dobrindt, gewandt und auf rasches Handeln gedrängt. Stracke weiß dabei Dobrindt auf seiner Seite. Dieser habe sich bereits für eine solche Härtefallregelung ausgesprochen. Gleiches gelte für den Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder. Auch ihn hat Stracke um Unterstützung gebeten.

„Betriebe wie das Panoramahotel der Familie Wanner haben in die Zukunft investiert, sind wichtige Arbeitgeber vor Ort und verdienen es jetzt, in der Pandemie nicht allein gelassen zu werden. Hierfür werde ich mich mit aller Kraft einsetzen“, so der Abgeordnete abschließend.

kb

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