Viele Geschäfte verzeichnen weniger Kunden – Hoffen aufs Weihnachtsgeschäft

Teil-Lockdown trifft Füssener Einzelhandel hart

Leere Fußgängerzone in Füssen
+
Wenig Passanten sind am Samstag in der Füssener Fußgängerzone unterwegs.

Füssen – Reichlich Sonne, kaum Kunden: Bei nahezu idealen Shopping-Bedingungen blieb am Samstag die Füssener Fußgängerzone jedoch weitgehend leer. In einigen Einzelhandelsgeschäften – nicht alle hatten ihre Türen geöffnet – sprachen die Händler das Problem an: Die Lust am Shoppen kommt während des coronabedingten Teil-Lockdowns nicht auf. Es gibt allerdings auch Ausnahmen. 

In der Uferstraße in Hopfen am See herrschte bei „Männermode Krug“ gähnende Leere. Inhaber Thorsten Krug brachte das Dilemma auf den Punkt: „Die Leute sollen möglichst zuhause bleiben, betonen die Verantwortlichen. Wir Geschäftsleute dürfen offen haben. Es passt nicht zusammen, wie man sieht.“ Die Uferpromenade mit ihren Cafés und Restaurants lädt auch immer dazu ein, sich spontan das eine oder andere schöne, neue Kleidungsstück zu gönnen. „Der Kunde belohnt sich damit. Doch das Einkaufsfeeling ist im Lockdown light nicht da“, weiß Krug, der am Samstag während der Öffnungszeiten von 9.30 bis 13 Uhr in seinem Modegeschäft keinen einzigen Kunden sah. „Einkaufen als schönes Erlebnis ist derzeit nicht möglich“, stellt er mit Blick auf die in seiner Nachbarschaft ruhende Gastronomie fest.

Maria Bozyel (rechts) und ihre Kolleginen warten in der Parfümerie Wiedemann auf Kunden.

In Füssen zeigt sich ein ähnliches Bild. Die fehlende Außenbestuhlung in der Reichenstraße sorgt für einen trostlosen Eindruck. In der Füssener Altstadt sind alle Lokale geschlossen. Deshalb fehlen nach entspanntem kulinarischen Genuss potenzielle Kunden, die zum Beispiel in der „Parfümerie Wiedemann“ einkaufen möchten. Vier Verkäuferinnen standen am Samstagvormittag für Beratung und Service bereit. Gegen Mittag beratschlagten Maria Bozyel und ihre drei Kolleginnen, welche aus dem Team am ansonsten umsatzstarken Verkaufssamstag früher Feierabend machen wird.

Augenoptikerin Kathrin Haslach begrüßt am Samstag bei Optik Niebler zahlreiche Stammkunden.

Doch nicht nur die Corona-Pandemie ist dafür verantwortlich, dass aktuell immer weniger Einheimische in der Innenstadt einkaufen und deshalb Umsatzverluste im Einzelhandel an der Tagesordnung sind. Es handelt sich um ein hausgemachtes Problem des Einzelhandels: Die Öffnungszeiten sind von Geschäft zu Geschäft unterschiedlich. Das Wiedemann-Team und Annette Gerstmeyr von „Wäsche Schwenger“ üben offene Kritik: Manche Läden schließen am langen Samstag schon um 17 Uhr, manche machen morgens später auf. Die Kundschaft aber sei dies anders gewohnt, betonte Gerstmeyr gegenüber dem Kreisbote. Sie vermisse eine gemeinsame Regelung, an die sich alle Innenstadt-Geschäftsleute halten.

Vera Gueffroy von der Buchhandlung Bruhns hat für ihre Kunden viele Lesetipps auf Lager.

Ihren Einkauf hat eine Füssener Seniorin in aller Ruhe noch vormittags erledigt. Mit Edith Frank ist noch eine weitere Kundin bei „Schwenger”, um etwas einzukaufen, was im Winter das Wohnzimmer kuscheliger macht. Bevor sie die Einkaufstüte nachhause trägt, meint Edith Frank: „Man muss jetzt Geld in Füssen ausgeben.“ Das Schwenger-Team sei „mit dem November noch sehr zufrieden“, betont Gerstmeyr.

Ein anderes Bild zeigt sich bei Optik Niebler. Kunden machen in den Geschäftsräumen einen Sehtest, holen ihre Brille ab, brauchen Passbilder und freuen sich, dass trotz einiger Leute im Laden die Zeit für Beratung bleibt. Augenoptikerin Kathrin Haslach wirkt entspannt, als sie auf Nachfrage sagt: „Wir stellen keine Veränderungen im Kundenverhalten fest.“

Annette Gerstmeyr von Wäsche Schwenger gibt Kunden Tipps für kuschelige Stunden im Winter.

Ein paar Meter weiter in der Buchhandlung Bruhns sind vor allem Kinderbücher gefragt. Das Covid-Bilderbuch der Füssener Künstlerin Tanja Zenetti „läuft gut“, freut sich Vera Gueffroy, die mit einer Kollegin Kunden aus nah und fern bedient. Obwohl es ruhiger in der Stadt sei, „kommen Stammkunden und auch Touristen vorbei. Wir haben immer Zeit für Beratung“, so Gueffroy.

Den Einzelhändlern in Füssen ist eines gemein: die Hoffnung aufs Weihnachtsgeschäft 2020. „Am 11.11. – welch treffendes Datum! – wird von offizieller Seite entschieden, wie es künftig weiter geht”, blickt Modefachmann Krug mit leichtem Sarkasmus auf die kommenden Wochen. Wie alle befragten Einzelhändler hat er für den Gesundheitsschutz gesorgt. „Ich habe damit gerechnet, dass kein Kunde kommt“, sagt der Modefachmann zum Samstag, an dem keine Ware über den Ladentisch ging. Doch im Gespräch mit dem Kreisbote unterstreicht er auch: „Alles ist besser als zu.“

Chris Friedrich

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Inzidenzen klettern über 50er-Marke
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Inzidenzen klettern über 50er-Marke
Bundespolizei findet bei Füssen 165 Kilo CBD-Marihuana in Kleintransporter
Bundespolizei findet bei Füssen 165 Kilo CBD-Marihuana in Kleintransporter
Plansee liefert Bauteile für Sauerstoffproduktion auf dem Mars
Plansee liefert Bauteile für Sauerstoffproduktion auf dem Mars
Corona im Ostallgäu: Inzidenzwert in Kaufbeuren steigt deutlich über 50, im Landkreis auf über 30
Corona im Ostallgäu: Inzidenzwert in Kaufbeuren steigt deutlich über 50, im Landkreis auf über 30

Kommentare