Corona-Krise: Gesundheitsamtsleiterin findet im Gespräch mit Stephan Stracke deutliche Worte

Corona im Ostallgäu: »Wie von einem Tsunami überrollt«

Menschen in Schutzanzug bei Corona-Testung in Thalhofen
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Wie schon während der ersten Corona-Welle – unser Bild zeigt Testvorbereitungen im Bauhof Thalhofen im März – arbeitet das Gesundheitsamt Ostallgäu wieder am Limit.

Landkreis – „Wie von einem Tsunami überrollt.“ Mit drastischen Worten beschrieb Dr. Michaela Hofmann, Leiterin des Ostallgäuer Gesundheitsamtes, bei einem Treffen mit dem heimischen Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke (CSU), gesundheitspolitischer Sprecher der CSU im Bundestag, die seit Wochen anhaltende zweite Corona-Welle im Kreis. Vor allem die Kontaktverfolgung stelle das Amt vor große Herausforderungen, erklärte Hoffmann.

Jedem Einzelfall werde seitens des Amtes nachgegangen, um die Kontaktpersonen schnellstmöglich zu ermitteln, berichtete die Amtsleiterin. Dies sei jetzt jedoch zeitaufwändiger als im Frühjahr. In der ersten Pandemiewelle habe man bei jedem Infizierten nur eine Handvoll Kontakte nach verfolgen müssen. Hier haben die zügigen Beschränkungen im März und April gegriffen. Im Herbst gab es diese Beschränkungen allerdings nicht mehr. In der Freizeit und im privaten Bereich, im Sport, den Vereinen und bei Feiern treffe jeder wieder auf eine Vielzahl von Menschen. In der Verbindung mit den steigenden Infektionszahlen bedeute das Ermitteln und Verfolgen aller Kontakte eines Infizierten einen enormen Arbeitsaufwand, erläuterte Hoffmann.

Soldaten helfen aus

Man sei ausgesprochen dankbar, führten Hoffmann und Jung weiter aus, dass die Stammbelegschaft des Gesundheitsamtes in diesen fordernden Zeiten personell unterstützt werde. So sei das Team, das in normalen Zeiten aus 23 Mitarbeitern besteht, nun durch weitere Kollegen aus dem Haus, Soldaten aus Füssen und durch Mitarbeiter anderer Behörden sowie der Polizei verstärkt worden. „Wir müssen täglich auf neue Situationen rasch reagieren. Das erfordert hohe personelle Kapazitäten!“

Allerdings müssten die externen Mitarbeiter erst durch die Stammbelegschaft eingearbeitet werden. Sie benötigten außerdem Räume und Equipment. „Die Herausforderungen werden nicht weniger. Die Nachverfolgung immer schwieriger“, stellte Jung dazu fest. Aktuell sind im Gesundheitsamt insgesamt 140 Mitarbeiter mit der Kontaktnachverfolgung beschäftigt.

Stracke zeigte sich beeindruckt. „Sie sind an vorderster Front gefordert und stellen sich mit herausragendem Engagement den schwierigen Aufgaben. In dieser Intensität ist dies auf Dauer nicht durchzuhalten“, stellte er fest. „In ganz Deutschland hat sich gezeigt, dass die Gesundheitsämter für den Pandemiefall, wie wir ihn derzeit erleben, personell und technisch nicht ausreichend gerüstet waren“, sagte er.

Der Bund habe das aber mittlerweile erkannt und greife den Ländern im Rahmen des „Paktes für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“ mit insgesamt vier Milliarden Euro unter die Arme, erläuterte der Abgeordnete. Die Gesundheitsämter jetzt zu stärken, sei nur über Personalaufstockung möglich. Dies sei aber ein mittelfristiger Prozess. Daher sei es gut, dass beispielsweise Soldaten der Bundeswehr kurzfristig einspringen.

Schwindende Geduld

Dass die Geduld der Bevölkerung mit den Maßnahmen zumindest in Teilen nachlässt, haben auch die Verantwortlichen im Gesundheitsamt festgestellt. So habe die Akzeptanz der notwendigen Quarantänemaßnahmen nachgelassen. „Nicht jeder zeigt Einsicht dafür, dass die Quarantäne auch für Kontaktpersonen erforderlich ist, da die Inkubationszeit bei bis zu 14 Tagen liegt“, erklärte Hoffmann.

Viel und teils emotional diskutiert werde derzeit die Maskenpflicht für alle Schüler im Unterricht. Allerdings hätten die Fachleute im Herbst mit großer Sorge beobachten müssen, dass sich immer mehr Kinder und Jugendliche mit dem Virus infizierten (der Kreisbote berichtete). So waren in kurzer Zeit mehrere Schulklassen im Kreis und in Kaufbeuren betroffen. „Quer durch alle Schularten haben wir sowohl bei Lehrern als auch bei Schülern ein Infektionsgeschehen über den Landkreis verteilt, und viele Klassen mit Lehrern in Quarantäne“, berichtete Hoffmann.

Diese Situation habe man selbst in der Hochphase der Pandemie im Frühjahr so nicht erlebt. Hier gelte es klug abzuwägen. Mit Maßnahmen wie der Maskenpflicht für alle Schularten versuche man im Ostallgäu die Schließung ganzer Schulen zu verhindern. Stracke appellierte an die Bürger, sich an die Vorgaben zur Pandemie-Bekämpfung zu halten. „Konkret heißt das, auf jeden nicht zwingend erforderlichen Kontakt zu verzichten!“ Priorität bleibe, dass die Schulen und Kitas offen bleiben und die Wirtschaft nicht zum Stillstand kommt.

kb

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