Frustrierte Ladenbesitzer

Füssener Einzelhandel: Die Touristen fehlen

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Füssen – Die Friseure können sich nach der kürzlichen Wiederöffnung ihrer Geschäfte am 4. Mai zurzeit kaum vor Kunden retten. Während sie in den kommenden Wochen voraussichtlich sehr viel Arbeit haben werden, bietet sich in vielen anderen Einzelhandelsgeschäften der Lechstadt aber ein völlig anderes Bild.

Zwar freuen sich die Inhaber, dass sie ihre Geschäfte wieder öffnen durften. Dennoch herrscht nicht überall eitel Sonnenschein. 

Den meisten Ladeninhabern dürfte es dabei ähnlich gehen wie Markus Nitsch, der mit seiner Frau Ingrid das Bekleidungs-, Geschenke- und Schmuckgeschäft „Tatanka“ in der Altstadt führt und sagt: „Bisher ist es leider noch nicht der Fall gewesen, dass wir Kunden erstmal draußen warten lassen mussten.“ 

Nitsch spricht damit die Vorgabe an, dass sich wegen der aktuellen Hygienemaßnahmen derzeit nur höchstens vier Kunden gleichzeitig in dem Geschäft aufhalten dürfen. Dabei hätte es das kleine Unternehmen – wie andere Einzelhandelsgeschäfte in Füssen auch – ähnlich nötig, nach dem strikten Lockdown nun mit vermehrtem Umsatz den „großen Einnahmeverlust“ vom März und April einigermaßen wieder wettzumachen. 

In dieser Hinsicht sieht Nitsch jedoch ebenso „keine Hoffnung“ wie Christine Hanisch vom „Modehaus Kohl“. Zwar bestätigt die Filialleiterin, dass „die ersten beiden Tage schön“ gewesen seien nach der Wiederöffnung. Inzwischen sei der Kundenverkehr bei dem Damenmodeladen allerdings „besch...“, nimmt Hanisch kein Blatt vor den Mund, um die aktuelle Situation zu beschreiben, die sie nach einem zeitweisen Umsatzverlust von 100 Prozent mit den Worten unterstreicht: „Es ist sehr wenig los.“ 

Nicht nur bei „Kohl“ trägt das beinahe komplette Fernbleiben von Touristen dazu bei, das bezüglich der finanziellen Situation des 180 Quadratmeter geräumigen Geschäfts „ein großes Loch“ klafft. Immerhin hätten sich aber wenigstens die Stammkunden über die Neuöffnung „sehr gefreut“. 

»Riesige Umsatzeinbußen«

Ein ähnliches Feedback hatte denn auch Michaela Gangl, Geschäftsführerin von „Raumausstattung Gangl“, von ihren treuesten Kunden bekommen. Demzufolge sei der Betrieb nach der Wiederöffnung zunächst „ganz ordentlich angelaufen“, auch wenn dem Laden die derzeitige Situation grundsätzlich zusetze und auch er insgesamt „riesige Umsatzeinbußen“ zu verkraften habe. 

Bis zu drei Kunden gleichzeitig, die sich – wie woanders auch nur mit Mundschutz – im Geschäft aufhalten dürfen, sind dementsprechend äußerst selten bei Gangl oder ihrer Schwester Andrea Wachter, die das Familienunternehmen zusammen betreiben. „Wir hoffen auf vermehrte Aufträge im August“, betont Gangl und fügt hinzu: „Die Schließung hätten wir wohl noch einen Monat ausgehalten, dann hätten wir einen Kredit beantragen müssen.“ 

Nach den massiven Umsatzverlusten der vergangenen Wochen lässt sich der Verkauf auch im Herrenbekleidungsgeschäft „Engbers“ sehr schleppend wieder an. Das betont die stellvertretende Filialleiterin Susanne Winterhalter, die gleichfalls von „insgesamt weniger Kunden“ spricht, die den Laden in der Fußgängerzone besuchen, dessen Klientel in normalen Zeiten rund zur Hälfte aus Touristen bestehe. Winterhalter äußert sich daher schon froh, dass kein Mitarbeiter entlassen wurde.

lex

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