Vier Fälle häuslicher Gewalt seit Einführung der Ausgangsbeschränkungen

Füssener Polizei registriert mehr Fälle häuslicher Gewalt

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Seit Beginn der Ausgehbeschränkungen verzeichnet die Füssener Polizei einen Anstieg der Fälle häuslicher Gewalt.

Füssen/Landkreis – Wovor Experten seit Beginn der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus warnen, scheint in Füssen und dem Umland Realität zu werden: So registrierte die Füssener Polizei zwischen dem 10. und dem 30. März bereits vier Fälle von häuslicher Gewalt.

Im gleichen Zeitraum des Vorjahres war es hingegen nur einer, wie Polizeichef Edmund Martin im Gespräch mit dem Kreisbote erklärte. Zusammen mit Vertretern des Landratsamtes wird deshalb nach Lösungen gesucht, wie in der jetzigen Situation reagiert werden kann.

Denn die stellt die Behörden vor zum Teil gänzlich neue Herausforderungen. So stellt sich zum Beispiel plötzlich die Frage, wie mit jemandem umgegangen werden soll, der wegen einer möglichen Infektion mit Covid-19 unter häuslicher Quarantäne steht, aber gewalttätig gegenüber seiner Partnerin oder Kindern ist. 

Denkbar wäre, so Martin, dass solche Personen in derzeit nicht genutzten Hotels untergebracht werden. Auch stehe die Polizei in engem Kontakt mit den Frauenhäusern im Landkreis. „Wir sind da vorbereitet“, sagte Martin. „Die Polizei hat die Frage, wie mit häuslicher Gewalt bei Personen umzugehen ist, die unter Quarantäne stehen, an die Führungsgruppe Katastrophenschutz herangetragen“, bestätigte Thomas Brandl, Sprecher des Landratsamtes auf Nachfrage des Kreisbote. 

„Wir haben der Polizei vorgeschlagen, dass in solchen Fällen eine Isolierung der Gewalttäter oder aber – was uns besser erscheint – der Opfer in einem dazu angemieteten Hotel erfolgen könnte“, erläuterte er. „Wir warten aber auch auf eine weitere Klärung durch das Innenministerium.“ Derzeit gebe es aber noch keine konkreten Zahlen. „Fälle häuslicher Gewalt, die einen Bezug zu Corona-Erkrankten haben, scheinen noch relativ selten zu ein.“ 

Beratungsstelle hilft

In Fällen häuslicher Gewalt, die keinen Bezug zu Corona-Erkrankten oder Kontaktpersonen haben, werde die Polizei wie bisher ihren Aufgaben nachgehen. 

Das gilt gleichwohl für die zuständigen Stellen im Landkreis: So berät und unterstützt die Notruf- und Fachberatungsstelle Kaufbeuren-Ostallgäu bei Fällen häuslicher und sexualisierter Gewalt vor allem auch in der Corona-Krise. „In Krisensituationen ist die Gefahr noch höher, Gewalt im häuslichen Umfeld zu erfahren“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung. 

Nach den Ausgangsbeschränkungen ist das Verlassen der eigenen Wohnung bekanntlich zwar nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Als ein solcher gilt aber das Aufsuchen eines Frauenhauses oder einer Fachberatungsstelle oder Notrufs für von sexualisierter und/oder häuslicher Gewalt betroffene Frauen, Kinder und Jugendlicher. „Wir möchten Betroffene und Bezugspersonen ermutigen, sich Unterstützung bei sexualisierter oder häuslicher Gewalt zu suchen und damit nicht allein zu bleiben“, appellieren die Beraterinnen der Notrufstelle. „Unsere Notruf- und Beratungsstelle und die anderen Hilfseinrichtungen sind auch weiterhin telefonisch und online erreichbar und unterstützen im Einzelfall.“ 

Die Fachberatungsstelle gibt es bereits seit 2002, Träger ist der Sozialdienst katholischer Frauen in Augsburg. Die Fachstelle ist sowohl für den Kreis als auch für Kaufbeuren tätig und wird finanziell von beiden getragen. Die Notrufstelle hat inzwischen drei Beraterinnen und ist außerhalb der Dienstzeiten durch einen 24-Stunden-Rufdienst über ehrenamtliche Mitarbeiterinnen des Frauenhauses erreichbar. Die Beraterinnen leisten Hilfe und Unterstützung, sie sind dabei an die Schweigepflicht gebunden, beraten kostenlos und auf Wunsch anonym. 

Matthias Matz

Die Notruf- und Beratungsstelle befindet sich in der Schäferstraße 11 in Kaufbeuren und ist erreichbar unter der Telefonnummer 08341/90 803 13; per Fax unter der Nummer 08341/90 803 12 oder per Email an notrufstelle.kaufbeuren@skf-augsburg.de.

Weitere Hilfsangebote sind:

Notrufstelle: 08341/90 80 313 Frauenhaus: 08342/16 616 

Frauentelefon: 08342/10 10 10 

Polizei-Notruf: 110 

Beauftragte der Polizei für Kriminalitätsopfer: 0831/99 09 – 13 12 

Kriminalpolizei Kaufbeuren: 08341/933-204 

Weitere Informationen zum Hilfenetz bei häuslicher Gewalt und Gewalt gegen Frauen und Kinder für die Region Ostallgäu/Kaufbeuren bei der Gleichstellungsstelle des Landkreises Ostallgäu: Telefon 08342/91 12 87; E-Mail: gleichstellungsstelle@lra-oal.bayern.de und der Gleichstellungsstelle Kaufbeuren, Telefon 08341/43 77 61; gleichstellungsstelle@kaufbeuren.de

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