Couragiert gegen Gentechnik

Es ist gerade wenige Tage her, dass der Anbau der neuen gentechnisch veränderten „Wunderkartoffel“ Amflora genehmigt wurde. Für Industrie und Wissenschaft Grund zum Feiern, für Christoph Fischer Grund, seine Anstrengungen zu verstärken. Der Rosenheimer ist Begründer von „Zivilcourage“, einer Vereinigung von Bürgern in mittlerweile 24 Landkreisen Bayerns die gegen Gentechnik eintreten und ihren Landkreis gentech-frei erklärt haben. Als nächster Landkreis könnte das Ostallgäu folgen, Fischer sprach vor Interessierten in Lechbruck.

Schleichend und leise hält die Gentechnik Einzug in unser Leben und unsere Nahrungsmittel, gerade deshalb wird sie nicht als Gefahr empfunden. Doch nimmt man sich Zeit, um sich zu informieren, bekommt man es mit der Angst zu tun. Wie die Bürger, junge wie alte, Bauern, Lehrer, Politiker, die in die Lechhalle gekommen waren, um Christoph Fischer zu hören. In deutlichen Worten zeigte Fischer, was die gentechnische Manipulation von Pflanzen zur Folge hat. In den USA sind die Bauern mittlerweile dem Gentecriesen Monsanto zu 100 Prozent lizenzpflichtig, müssen sie nur noch von ihm den veränderten Futtermais abnehmen, der gegen das konzerneigene Pestizid Roundup immun ist. Leider sind das inzwischen auch die Unkräuter, weshalb mittlerweile „Agent Orange“ auf den dortigen Äckern gespritzt werde. Das Dioxin nutzte die US-Armee in Vietnam als Entlaubungsmittel. Doch anstatt der versprochenen Einsparung stieg der Verbrauch der Unkrautvernichtungs-mittel allein in den USA um 145000 Tonnen. Auch die Verschuldung der Farmer steigt an, wie Fischer belegen konnte. Beispiel dafür ist Percy Schmeiser, ein kanadischer Bauer und Gewinner des alternativen Nobelpreises, der den Kampf gegen Monsanto verloren hat und über seine Erfahrungen bereits vor deutschen Zuhörern sprach. Widerstand im Kleinen Doch Widerstand ist möglich, wie Christoph Fischer deutlich machte – nicht im Großen sondern auf der untersten Stufe. Zivilcourage, die anfänglich sogar vom bayerischen Staatsschutz argwöhnisch beäugt wurde, gehören mittlerweile Bauern, Kirchen, Heimat- und Trachtenvereine und vor allem viele Bürger an. 24 Landkreise haben sich für gentec-frei erklärt und auch die Staatsregierung erkennt seine Bemühungen an, weshalb er sogar den bayerischen Verdienstorden erhalten hat. Alle machen mit Dabei geht es Fischer vor allem darum seine, die Heimat zu erhalten, wie er in seinem Vortrag erzählt. Denn diese Heimat wäre als allererstes durch die Gen-Landwirtschaft bedroht. Die Chancen für die traditionelle Landwirtschaft stehen allerdings so schlecht nicht: in Lechbruck unterschrieben alle Bauern, keine gentechnisch veränderten Pflanzen anzubauen und eine Bäckerei und eine Metzgerei wollen künftig nur noch entsprechend sichere Zutaten verarbeiten. Und die nächste Generation macht auch schon mit. So wollte eine Lechbrucker Schülerin wissen, wie sie sich verhalten kann, wenn ihr Biologielehrer partout keine alternative zu Gentec kennen will. Weitere Informationen finden sich auch im Internet unter www.zivilcourage.ro.

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