Mehr Unfälle, weniger Verletzte

Zahl der Unfälle in Füssen und dem Altlandkreis steigt um fast drei Prozent

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Bei diesem schweren Unfall zwischen Buching und Schwangau im April vergangenen Jahres wurde eine 47 Jahre alte Frau schwer verletzt.

Füssen/Landkreis – Dem allgemeinen Trend im Allgäu folgend haben sich auch auf den Straßen der Stadt Füssen und des südlichen Altlandkreises 2017 mehr Unfälle ereignet als 2016.

Das teilten am Dienstag Edmund Martin, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Füssen, Thomas Zeidler von der PI Pfronten und Verkehrsexperte Thomas Meiler bei der Vorstellung der Unfallstatistik 2017 mit. Allerdings: Die Zahl der bei Unfällen ums Leben gekommenen und Verletzten ist spürbar zurück gegangen. 

Registrierten die Beamten aus Füssen und Pfronten 2016 insgesamt noch 1579 Unfälle, waren es im vergangenen Jahr bereits 1626 (plus 2,98 Prozent). 948 Vorfälle fallen unter die Kategorie „Kleinunfall“. Damit setzte sich der seit 2014 anhaltende Trend jährlich steigender Zahlen auch 2017 fort. 

Während sich im Bereich der PI Füssen 1302 Unfälle ereigneten, krachte es im Bereich der Pfrontener Polizei insgesamt 324 Mal. „Die Unfälle verteilen sich auf den gesamten Altlandkreis Füssen und lassen keine eindeutigen Unfallschwerpunkte erkennen“, erklärte Thomas Meiler. Vergleichsweise häufig kam es aber zwischen Alterschrofen und Hohenschwangau, auf der B16 zwischen Kaiser-Max-Platz und Palestrinaplatz, an der Pförtnerampel B16/B310, auf der B310 und auf der B17 zwischen Schwangau und Bannwaldsee zu Unfällen. 

Mehr Unfälle in Pfronten

Es müsse davon ausgegangen werden, dass die Zunahme vor allem auf das gestiegene Verkehrsaufkommen durch immer mehr Touristen zurück zu führen sei. „Wo viel gefahren wird, da passiert auch viel“, sagte Meiler. Das sei vor allem im Bereich Pfronten feststellbar, so Thomas Zeidler, wo die Zahl der Unfälle um 3,5 Prozent höher lag als 2016. 20 Unfallverursacher waren übrigens betrunken (plus zwei). Obwohl die Zahl der Unfälle gestiegen ist, wurden dabei 2017 mit 296 deutlich weniger Verkehrsteilnehmer verletzt als im Vorjahr (335). 

Die Zahl der Getöteten sank im gleichen Zeitraum ebenfalls spürbar von vier auf einen. Dabei handelte es sich um einen jungen Motorradfahrer, der im September bei der Schießanlage Niederried verunglückte. Schlimme Unfälle wie dieser seien immer auch eine Belastung für die Beamten vor Ort. „Das geht schon an die Nieren der Kollegen“, so Meiler. Gestiegen ist im vergangenen Jahr auch die Zahl der sogenannten Schulwegunfälle: von keinem in 2016 auf fünf (vier in Füssen, einer in Pfronten). 

Auffällig: Bei allen fünf Unfallbeteiligten handelt es sich um junge Mädchen. Vor allem ein Fall blieb den Beamten in Erinnerung. Bei diesem erfasste ein Auto eine 14-Jährige, als das Mädchen eine Fahrbahn im Einmündungsbereich überquerte, ohne auf den Verkehr zu achten. Sie hatte Kopfhörer in den Ohren und ihr Handy in der Hand. „Ein typischer Fall, wie man es nicht machen sollte“, appellierte Meiler. 

Mehr Fahrradunfälle 

Besonderes Augenmerk haben die Beamten beider Polizeiinspektionen auf die sogenannten Jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren sowie die Senioren ab 65. Während die erstgenannten an 129 Unfällen (plus drei) beteiligt waren, sank die Zahl der Unfälle, in die Senioren verwickelt waren von 191 auf 165. 109 Mal lag die Schuld dabei bei den Alten. 

Besonders viel Glück hatte eine 81 Jahre alte Frau, die bei Pfronten einen Rettungswagen trotz Blaulicht und Martinshorn übersah und überhört und mit diesem zusammenstieß, berichtete Meiler. Während die Jüngeren sich und ihr Auto meist überschätzen und zu schnell fahren würden, hätten die Senioren vor allem Probleme mit der Wahrnehmung anderer Verkehrsteilnehmer und deren Tempo. 

121 Verletzte registrierte die Polizei im vergangenen Jahr bei insgesamt 142 Fahrradunfällen (2016: 127). Dabei stürzten die meisten Radler ohne die Beteiligung anderer. Was der Polizei aber zu denken gibt: 62 verletzte Radfahrer trugen keinen Helm. „Unsere jahrelangen Bemühungen, gemeinsam mit der Gebietsverkehrswacht, in mehreren Veranstaltungen die Gefährlichkeit des Fahrens ohne Schutzhelm zu thematisieren, hat bisher noch nicht einen dauerhaften Erfolg erzielt.“ 

Von 25 auf 23 gesunken ist dagegen erstmals seit Jahren die Zahl der Pedelec-Unfälle. Hauptursache für die Unglücke seien nach wie vor zu hohes Tempo und das Überholen anderer Radfahrer oder Fußgänger. 

Als „indiskutabel hoch“ bezeichnete Polizeichef Edmund Martin die Zahl der Unfallfluchten. 274 mal machten sich die Unfallverursacher im vergangenen Jahr aus dem Staub, ohne sich um den angerichteten Schaden zu kümmern. Trotz akribischer Arbeit der Ermittler sei es in nur 103 Fällen gelungen, den Schuldigen ausfindig zu machen. Damit sei das vorgegebene Ziel, 40 Prozent der Unfallfluchten aufzuklären, knapp verfehlt worden, gab Martin zu. Sein Dank galt an dieser Stelle den aufmerksamen Zeugen, die wichtige Hinweise gegeben hätten. Einer habe sich das Kennzeichen eines Unfallverursachers sogar auf einer Banane notiert und sei mit dieser zur Polizei gegangen.

Mehr Kontrollen

Weil auch 2017 überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit zu den Hauptunfallursachen gehörte, wollen die heimischen Beamten auch heuer verstärkt kontrollieren und die Geschwindigkeiten überwachen. So soll der Handlaser vermehrt vor allem vor Schulen, Kindergärten sowie unfallträchtigen Straßen sowie beliebten Motorradfahrerstrecken zum Einsatz kommen. 

Die Statistik bestätigt dies: Bei Geschwindigkeitsmessungen erwischten die Polizisten im vergangenen Jahr 766 Temposünder. 198 davon erhielten ein Bußgeldbescheid, der Rest eine Verwarnung. Außerdem, kündigte Martin an, sollen seine Leute verstärkt die Fahrtüchtigkeit der Autofahrer bei Kontrollen überprüfen. 

Denn insbesondere die Zahl der unter Drogeneinfluss erwischten (27) lasse auf eine hohe Dunkelziffer schließen. Denn noch im Jahr zuvor waren es 47 registrierte Drogenfahrten. Der Rückgang ist laut Martin aber lediglich darauf zurück zu führen, dass weniger kontrolliert worden sei. Stattdessen seien seine Streifen verstärkt zur Abschreckung von Einbrechern unterwegs gewesen. Das soll sich nun wieder ändern. Zusätzlich zu den 20 Unfällen unter Alkoholeinfluss stellten die Beamten beider Inspektionen außerdem noch weitere 78 Fahrer fest, die sich mit deutlich zu viel Alkohol im Blut noch hinters Steuer gesetzt hatten. 

Neben den verstärkten und verschärften Kontrollen sollen einmal mehr Aktionstage für Rad- und Pedelecfahrer stattfinden.

Matthias Matz

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