1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Füssen

Das Allgäuer Heimatwerk erweckt die Urfassung des Füssener Osterspiels zu neuem Leben

Erstellt:

Von: Chris Friedrich

Kommentare

Anja Mayr (v.l.), Johanna Fleschhut und Maria Allgaier
Anja Mayr (v.l.), Johanna Fleschhut und Maria Allgaier haben bei der Probe zum „Füssener Osterspiel” sichtlich Spaß. © Friedrich

Füssen – Das Füssener Osterspiel wird nach der Urfassung von 1450 heuer wieder zum Leben erweckt. Es wird gleich drei Mal in der Basilika St. Mang aufgeführt.

Premiere ist am Ostermontag, 18. April. Es folgen – ebenfalls um 19.30 Uhr – Aufführungen am Samstag, 23. April, und am Weißen Sonntag, 24. April.

„Durch 30 Mitwirkende – viele aus Füssen – wird es möglich, die Auferstehungsgeschichte zu erzählen“, sagt Regisseurin Miriam D. Westerdoll vom Theater- und Kulturverein.

Einzelne Darsteller, Musiker und Sänger – darunter Profis aus unterschiedlichen Ensembles – proben derzeit das Zusammenspiel in der Stadtpfarrkirche St. Mang. Veranstalter ist das Allgäuer Heimatwerk. Weitere Partner, um die Szenen des „Fiassar Osterspiels“ wieder zum Leben zu erwecken, sind die Pfarreiengemeinschaft Füssen und die Universität Augsburg.

Zu diesen drei Musiktheaterabenden wird im Rahmen des Bundesprojekts „Landkultur“ eingeladen. „Das Stück steht und im Vorverkauf gibt es jetzt jeweils 220 Plätze mit freier Sicht“, teilt Richard Hartmann vom Allgäuer Heimatwerk mit. Gemeinsam mit dem Münchener Professor Klaus Wolf – wissenschaftliche Beratung – gilt Hartmann als Motor der Aufführungen, die sich in ein kirchliches und ein weltliches Spiel teilen.

Mit der Säkularisierung verschwand das Theatrum Sacrum aus der Öffentlichkeit

„Mit den lateinischen Worten: silete, silete – silencium habete – schweige, schweige, halte still! beginnt das Heilige Spiel, das Mönche des Benediktinerklosters St. Mang in der damals noch nicht barockisierten Kirche aufgeführt hatten. Mit der Säkularisierung verschwand das Theatrum Sacrum aus der Öffentlichkeit”, erklärt die Regisseurin im Gespräch mit unserer Zeitung. „Nun können wir es erstmals wieder am Originalschauplatz aufführen, wobei Dialekt und Hochdeutsch gesprochen wird.“

Zusätzliches Interesse weckt Miriam D. Westerdoll mit dem Hinweis auf eine „derbe Szene“ wie der „Höllenfahrt“. Hierfür fänden Textpassagen aus den „verbotenen Evangelien“ Verwendung. Berührend ist eine andere Szene: die „Marienklage“, auf die Mariam D. Westerdoll hinweist. Zu den drei Darstellerinnen gehört Anja Mayr aus Hopfen am See, bekannt als Sängerin der Rockgruppe „Sixties Desaster“.

Das historische Osterspiel ist als Musiktheater selbstverständlich rein klassisch ausgerichtet: der Chor „Cantus München“ tritt zwischen den Szenen auf. Es handelt sich allerdings um kein Passionsspiel, wie es in Bayern Tradition hat. Im Zentrum steht die Auferstehung Christi als Frohe Botschaft. „Das Spiel findet vor dem Altar und im gesamten Kirchenraum der Basilika statt“, erklärt Hartmann. Er selbst führt als Erzähler von Szene zu Szene.

Bekannte Gesichter auf der Bühne

Die Zuschauer aus dem Füssener Land werden dabei bekannte Gesichter entdecken. So spielte Johanna Fleschhut – eine der drei weiß gekleideten Marien – vor ihrem Abitur in der Schultheatergruppe des Füssener Gymnasium. Außerdem wird eine gemischte Darstellergruppe um Thomas Schinagl aus der „Schindau“ in der Brunnengasse der Altstadt – bekannt für humorvolles Auftreten – zu erleben sein. Zur Gruppe gehört auch der bekannte Zitherspieler Magnus Lipp, der laut Programm für die Texte der „Ständesatire“ zuständig ist und als Kaiser Maximilian auftreten wird.Mit dabei als Instrumentalistin ist Helene von Rechenberg. Sie folgte Albert Frey, der nach Tirol ging (der Kreisbote berichtete), auf die Kirchenmusiker-Stelle nach.

Hohes Niveau

Das Ensemble widmet das Heilige Spiel der einheimischen Künstlerfamilie Lorch, „Kirchenmalern auf höchstem Niveau“, wie Hartmann unterstreicht. Hohes Niveau garantiert Gerhard Werlitz, der die Rollen „Jesus“ und „Teufel“ übernommen hat, wie die Regisseurin bekannt gibt. Werlitz erhielt seine erste musikalische Ausbildung bei den Augsburger Domsingknaben, denen er als Alt, später als Tenor angehörte. Heute ist er Mitglied im Opernchor des Staatstheaters Augsburg und kommt den vielseitigen Soloverpflichtungen in Oper, Operette und Musical nach.

Auch interessant

Kommentare