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„Charme eines Freizeitparks“: Füssener Hanfwerkeareal soll wiederbelebt werden

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Von: Matthias Matz

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Hanfwerkeareal in Füssen
Wohin geht die Reise?: Das Industriedenkmal Hanfwerkeareal soll in den kommenden 20 bis 25 Jahren aufwändig saniert und wiederbelebt werden. © Matthias Matz

Die Firma Glass will das Hanfwerkeareal sanieren und wieder beleben. Was genau geplant ist, stellte der Architekt Werner Dehm am Dienstagabend dem Stadtrat vor.

Füssen – Ideen, was nach dem Aus für die Textil AG mit dem ehemaligen Hanfwerkeareal geschehen soll, gab es in der Vergangenheit bereits viele. Nun unternimmt die Mindelheimer Baufirma Glass als Eigentümerin den nächsten Anlauf: Am Dienstag legte der Augsburger Architekt Werner Dehm dem Stadtrat einen „Masterplan Hanfwerke“ vor.

Dieser sieht eine Mischung aus Gewerbe, Gastronomie, einem Hotel und Wohnen auf dem rund 50.000 Quadratmeter großen Industriegelände am Lech vor. Zwar stimmte der Stadtrat grundsätzlich für die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens auf Basis dieses Konzepts – kritisch sahen einige Räte jedoch den geplanten Bau eines Hotels. Und auch das vorgesehene Parkdeck sorgte für Diskussionen.

20 Minuten – so viel Zeit hatte die Verwaltung Dehm eingeräumt, um seine Pläne vorzustellen. Und was der Augsburger Architekt in den 20 Minuten erläuterte, hatte es in sich. So plant die Firma Glass, das ehemalige Hanfwerkeareal in den kommenden 20 bis 25 Jahren für über 100 Millionen Euro Schritt für Schritt zu sanieren und wiederzubeleben.

Wie Dehm mehrfach betonte, sei das Konzept in den vergangenen eineinhalb Jahren eng mit Landratsamt, Denkmalschutz und Staatlichen Straßenbauamt abgestimmt worden. Kern des Vorhabens: die drei historischen und teilweise unter Denkmalschutz stehenden Industriekomplexe sollen durch den Abriss von Zwischengebäuden wieder besser sichtbar gemacht werden. „Die wollen wir freilegen. Nur dann kann ich die Industriezeile erlebbar machen“, so Dehm.

Hanfwerkeareal in Füssen
Große Pläne: Das Hanfwerkeareal soll zu neuem Leben erweckt werden. © Matthias Matz

Zwischen den Zeilen sollen Grünflächen und offene Kanäle angelegt werden. „Wasser war das Element, das die Industrie zum Laufen gebracht hat“, erläuterte der Architekt.

In den Hallen selbst soll eine Mischung aus Gewerbe, Kunst, Handwerk, Indoor/Freizeit, Gastronomie und Dienstleistungen einziehen. Für den nördlichen Komplex unmittelbar am Lech ist ein Hotel sowie Wohnungen für die Angestellten der auf dem Areal ansässigen Gastrobetriebe vorgesehen.

Um Autos vom Gelände fern zu halten, ist in unmittelbarer Nähe zur Einfahrt auf das Gelände – die unter anderem mit einer Linksabbiegespur von der Tiroler Straße aus großzügig ausgebaut werden soll – ein Parkhaus geplant. Dieses soll nicht nur Platz für um die 350 Autos, sondern auch Fahrräder und E-Ladestationen bieten und nicht über die Tiroler Straße/B17 hinausragen. „Das Ziel ist, den Magnuspark verkehrszuberuhigen“, so Dehm. Die genaue Größe hänge allerdings von der künftigen Nutzung ab.

Viel Lob

Bei den Stadträten stieß das Gehörte auf grundsätzliche Zustimmung. Erich Nieberle (SPD) lobte die Pläne als ein „sehr, sehr attraktives Konzept“. Jürgen Doser von den Füssener Freien Wählern (FWF) erinnerte daran, dass das Thema Hanfwerke die Kommunalpolitik bereits seit über 15 Jahren beschäftige. „Da haben wir schon einige Phantastereien gehört“, sagte er. „Das ist das erste Mal etwas Bodenständiges, was passt!“

Er bat allerdings darum, die vielen kleinen Handwerker und Künstler, die bereits jetzt auf dem Areal tätig sind, nicht zu vergessen. Auch CSU-Ratsfrau Barbara Henle sorgte sich um diese und hakte nach, was mit den jetzigen Mietern geschehe. Dehm erwiderte, dass diese auf alle Fälle gehalten werden sollen. „Das Kunsthandwerk soll nicht nur gesichert, sondern ausgebaut werden.“

Kritik wurde vor allem am geplanten Hotel laut. Vor allem CSU-Stadtrat und Hotelier Andreas Eggensberger sprach sich dagegen aus und verwies auf das städtische Beherbergungskonzept. „Es muss keine zusätzliche touristische Attraktion geben“, betonte er. Vielmehr sollte das Areal vor allem für Einheimische entwickelt werden „Da sollte der Masterplan geändert werden“, forderte er unter dem Applaus der zahlreichen Zuhörer, darunter vor allem aktuelle Mieter des Magnusparks.

Auch Wolfgang Bader (Grüne) sprach sich gegen das Hotel und für mehr Angebote für Einheimische aus. Für ihn habe das Konzept insgesamt „den Charme eines Freizeitparks“.

Vieles bleibt unklar

Niko Schulte (Füssen-Land) wollte unterdessen wissen, was es genau mit dem Ausbau der Zufahrt und dem Parkhaus auf sich habe. „Was müssen wir uns denn da so vorstellen?“, fragte er. Außerdem: „Mir fehlt da unten wohnen!“ Dehm entgegnete, dass tatsächlich vor allem Wohnungen für Mitarbeiter geplant seien und kein allgemeines Wohngebiet.

Zum Thema Verkehrsaufkommen gab er unumwunden zu, dass diese Frage derzeit noch nicht seriös beantwortet werden könnte, da die endgültige Nutzung und Auslastung noch nicht klar sei. Statt der geplanten 350 könnten es auch 550 Parkplätze werden.

Trotz der Bedenken stimmte der Rat schließlich bei fünf Gegenstimmen (Niko Schulte, Anna-Verena Jahn Wolfgang Bader, Christine Fröhlich und Ilona Deckwerth) dafür, auf Basis des „Masterplans“ ein Bebauungsplanverfahren in die Wege zu leiten und einen qualifizierten Bebauungsplan aufzustellen. Die Koste dafür wird Glass übernehmen. Begleitet werden soll dieses durch eine umfassende Information der Bürger und Mieter durch Glass.

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