Zum »Umdenken« anregen

Das »NaturVision Filmfestival« feiert mit Online-Programm sein 20-jähriges Jubiläum

NaturVision Filmfestival
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Zum 20. Jubiläum des „NaturVision Filmfestivals“ können Zuschauer online aus 100 Natur- und Umweltdokumentationen ihr persönliches Programm zusammenstellen.

Landkreis – Das „NaturVision Filmfestival“ feiert von Mittwoch, 14. Juli, bis Sonntag, 18. Juli, 20. Geburtstag. Dann können Zuschauer 100 Natur- und Umweltdokumentationen entdecken. Mit dabei sind Höhepunkte der vergangenen 20 Festivals sowie neue Wettbewerbsfilme. Die Zuschauer können dabei online ihr persönliches Programm zusammenstellen. 

Festivalleiter Ralph Thoms und Marketingleiterin Martina Edin erinnerten während einer Video-Pressekonferenz an die Gründung vor zwei Jahrzehnten im Nationalpark Bayerischer Wald. Für Thoms war die Öffnung der Grenze nach Tschechien zugleich Initialzündung für die „NaturVision Festivals“, da über Interreg drei Fördermittel in das Projekt flossen. Die Struktur des Festivals habe sich mittlerweile verfestigt. Die Festivalleitung hofft, wie bereits zweimal erlebt, dass erneut eine Preisverleihung in Füssen im „Alpen Filmtheater“ stattfinden kann. Man sei mit dem Besitzer im Gespräch, eine Entscheidung stehe aber noch aus.

Eine Jubiläumsschrift, die auf Menschen, Geschichten und Filme der vergangenen 20 Festivals zurückblickt und Anfang Juli erscheint, offenbart, wie tief hier das Thema Umdenken verwurzelt ist. Dies zeigt sich auch in einem neu geschaffenen Filmpreis. Nominiert sind für den „NaturVision Filmpreis Umdenken“ Dokumentationen, die für ein neues Handeln und eine neue Ethik stehen. Einige der Filme erzählen von Menschen, die als Aktivisten für eine gerechtere Welt kämpfen.

So porträtiert „Dear Future Children“ des Stuttgarter Filmemachers Franz Böhm drei junge Frauen, die in unterschiedlichen Ländern für eine bessere Zukunft und mehr Klimagerechtigkeit kämpfen – ungeachtet aller fatalen Auswirkungen auf ihr persönliches Leben. „Wem gehört mein Dorf“, der ebenfalls für den „NaturVision Filmpreis Umdenken“ nominiert ist, dokumentiert das Erwachen der Dorfbewohner an der Ostsee aus ihrer politischen Lethargie, als ein Großunternehmer immer mehr nach ihrer Heimat greift.

Für die Dotierung des „NaturVision Filmpreises Umdenken“ hat sich das Team etwas Besonderes einfallen lassen: Das Preisgeld wird über eine Spendenaktion auf „betterplace“ generiert. So können Zuschauer direkt zum „Umdenken“ beitragen, indem sie einen Film unterstützen, der besondere Impulse setzt.

Höhepunkte der vergangenen 20 Jahre

Eine bunte Mischung an Natur-, Tier- und Umweltfilmen bietet das Programm des Jubiläumsfestivals. Nicht nur die aktuellen Filme des internationalen Filmwettbewerbs sind online zu sehen, sondern auch eine Retrospektive mit Dokumentationen, die das Festival geprägt haben. Einer dieser Filme ist „Bottled Life“, der 2012 unter anderem den Preis der Jugendjury erhielt. Diese investigative Dokumentation deckt die Machenschaften von Nestlé im Wassergeschäft auf. Im Segment Umwelt- und Nachhaltigkeit befassen sich in diesem Jahr zahlreiche Dokumentationen mit dem Klimawandel und nehmen dabei ganz unterschiedliche Perspektiven ein. „Expedition Arktis“ begleitet den deutschen Eisbrecher „Polarstern“ auf dem Weg zum Nordpol und zeigt, wie die besten Wissenschaftler ihrer Generation versuchen, den Klimawandel tiefer zu verstehen.

Natürliche Fundamente geraten ins Wanken

„Rentiere auf dünnem Eis“ führt vor Augen, wie unumkehrbar die natürlichen Fundamente der Arktis ins Wanken geraten: Flüsse werden zu Rinnsalen, Packeisfelder schmelzen im Rekordtempo. Die Naturaufnahmen, mit denen der Film die Folgen für Wildtiere und Ureinwohner einfängt, sind trotz der Probleme, die sie thematisieren, beeindruckend. Auch in der Dokumentation „The Long Coast“ schließen sich ein ernstes Thema und lyrisch-atmosphärische Bilder nicht aus. Sie lässt die Zuschauer in das Leben von Maines Seeleuten und in ihre Verbundenheit mit dem Meer eintauchen. Gleichzeitig deckt der Film aber die tiefgreifenden Veränderungen auf, die Überfischung, Aquakultur und Erwärmung der Meere mit sich bringen.

Genaues Hinsehen und Verständnis für tiefgreifende Zusammenhänge erfordert auch das Thema Biodiversität. Diese gelingt dem Film „Festmahl der Tiere“. Er stellt einen neuen Zweig der Wissenschaft vor: die Kadaverforschung. Er zeichnet nach, was mit einem toten Tier in den Tiefen des Waldes geschieht und zeigt, dass jeder Tod Leben für zigtausend andere Lebewesen bedeutet.

Am selben Schauplatz – nämlich im Nationalpark Bayerischer Wald – spielt auch „Der Wilde Wald“ von Lisa Eder. Er erzählt vom Heranwachsen eines Urwaldes, ein Refugium der Artenvielfalt – und gleichzeitig eine Dokumentation über 50 Jahre Nationalparkgeschichte mit ihren Höhen und Tiefen.

Auch klassische Tierfilme laden zu einem Besuch in unbekannten Welten ein. So begleitet „Olimba – Königin der Leoparden“ drei Jahre lang das Leben einer Leopardin.

Der Kurzfilmwettbewerb „Hidden Champions“, Filme für Kids und Teens sowie Sportfilme, die in Zusammenarbeit mit der „SportRegion Stuttgart“ ausgewählt wurden, bringen weitere Vielfalt ins Programm. Für Regisseur- und Expertengespräche des Online-Festivals wurde kurzerhand das Ludwigsburger Möbelhaus Uhl in ein TV-Studio umgewandelt. Eröffnung und Preis-Regen wurden in der wilden Natur des Nationalparks Bayerischer Wald gedreht – eine Hommage an den Ort, an dem „NaturVision 2002“ aus der Taufe gehoben wurde.

Der Festivalpass für alle Tage und alle Filme beträgt 18 Euro. Er ist online unter www.natur-vision.de in der Rubrik „Programm“ erhältlich.

ed

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