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Premiere im Füssener Festspielhaus: Es geht um Leben und Tod

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Von: Chris Friedrich

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Premiere Brandner Kaspar im Festspielhaus
Der „Brandner Kaspar”(Armin Stockerer) will dem Tod Lebensjahre abluchsen. © Burak Ekin

Viel Applaus vom Publikum gab es am Freitagabend für die Premiere des Musicals „Der Brandner Kaspar“ im Füssener Festspielhaus.

Füssen – Mit „Der Brandner Kaspar“ in der Inszenierung von Benjamin Sahler spielt das Musicaltheater am Forggensee nach „Zeppelin“ und „Hundertwasser“ den dritten starken Trumpf aus. Gewinner ist das Publikum. Mit minutenlangem Beifall im Stehen feierte es am Freitag die Premiere im Festspielhaus Neuschwanstein.

Im Dezember und Januar folgen vier weitere Aufführungen. Damit ist genug Gelegenheit geboten, sich die bekannte Geschichte – Franz von Kobell hat sie im 1871 veröffentlicht – als Musical anzuschauen, das sehr humorvoll und in einigen Szenen auch stark berührend wirkt. Schließlich geht es hier um Leben und Tod.

Eine richtig wilde Musikmischung hat Christian Auer für die im 19. Jahrhundert am Tegernsee angesiedelte Erzählung komponiert, die spannend ist, weil der Kaspar und der mit Sense auftretende Boardlkramer am Tisch sitzend ein Duell austragen, in dem es schlichtweg um den Todeszeitpunkt geht.

Der rüstige Schnapsbrenner möchte 90 Jahre und damit so alt wie sein Vater werden und singt mit kräftiger Stimme „Ich bin so gern da!“ Es ist aber Boardlkramers Auftrag, den Kaspar zu holen und nach oben in den Himmel zu karren. In Bayern weiß höchstwahrscheinlich ein jedes Kind, wie das als Auftrag ausgeht, dennoch wird man 140 unterhaltsame Minuten mitfiebern und dem Kaspar eine längere Lebenszeit gönnen als ihm zugedacht war.

Beifall verdient die Szene, in der Kaspar seinen unheimlichen Gast – dessen Sense ist an die Wand gestellt – zum Umtrunk und Kartenspiel einlädt. Er zieht ihn dabei trickreich übern Tisch. Ein paar Jährchen sind dadurch gewonnen. Denn der Boardlkramer hält als erstaunlich fairer Verlierer das beim Besuch gegebene Versprechen was ihm eine lautstark intonierte Schelte aus dem Mund von Petrus, sprich Porter, einbringt.

Weil das auch körperlich ungleiche Paar darstellerisch und gesanglich überzeugen kann, wird das Zuschauen beim Kartenspiel und Trinkgelage nicht langweilig. Eine Augenweide sind mehrere Szenen im Himmel, in denen zahlreiche weiße Engel in allen Kleidergrößen auftreten. Gesungen wird hier beeindruckend im Chor und in unterschiedlichen Stilen wird getanzt.

Für die ideenreiche Choreographie zeichnet Stefanie Gröning verantwortlich. Sie erntete darüber hinaus reichlich Applaus, weil sie als Festspielhaus-Ensemble-Mitglied für eine erkrankte Kollegin eingesprungen ist. Im urbayerischen Stück spricht die junge Amra Schwäbisch, was im nicht ganz ausverkaufen Saal für Heiterkeit sorgte. Ebenfalls eine plötzlich vor der Premiere entstandene Lücke füllen darf die Co-Choreographin Alina Groder.

Sie gehört zu den drei hübschen Hexen, die den Boardlkramer umgarnen und ihm bei seiner Mission – auch mit Gift – aushelfen. Ja, er ist es: als massiger Porter und Pfarrer steht Michael A. Grimm in zwei starken Rollen auf der Drehbühne, bekannt als Kommissar Hartl in der Fernsehserie „Die Rosenheim Cops“.

Zwangsläufig stechen Armin Stockerer als in allen vier Jahreszeiten lebensfroher Kaspar und Tanja Maria Froidl als weiblicher Boardlkramer – welch zündende Idee! – aus dem spielfreudigen Ensemble heraus.

Die dem Festspielhaus Neuschwanstein angegliederte Musical Academy macht es möglich, dass Heerscharen von Engeln vor fantasievoller Kulisse mitwirken. Einen Hit, wie ihn andere große Musicals in den Mittelpunkt und auf den die Fans warten, hat „Der Brandner Kaspar“ mit Texten von Karl-Heinz Hummel allerdings nicht.

Doch die ganze amüsante Aufführung mit der fast omnipräsenten Knochenfrau, die sich am Ende des längeren ersten Teils „Nie wieder Kirschgeist“ schwört, wurde – wie nach dem Schlussbild die Reaktion des Premierenpublikums zeigte – zum Genuss.

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