Beschäftigte in der Gastronomie und Hotellerie leiden besonders unter dem Dauer-Lockdown

Dauer-Lockdown im Ostallgäu: NGG will 1200 Euro Kurzarbeitergeld

Symbolbild Arbeitsamt
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Angesichts des nicht absehbaren Ende des Dauer-Lockdowns fordert die Gewerkschaft NGG jetzt ein Mindest-Kurzarbeitergeld 1200 Euro.

Landkrei/Füssen – Angesichts weiterhin geschlossener Restaurants, Cafés und Hotels im Kreis Ostallgäu fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) jetzt von der Bundesregierung die Einführung eines Mindest-Kurzarbeitergeldes von 1200 Euro im Monat. 

Die NGG geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die Kurzarbeit aktuell erneut die Ausmaße des ersten Lockdowns vom Frühjahr vergangenen Jahres angenommen hat. Damals meldeten 329 gastgewerbliche Betriebe im Ostallgäu Kurzarbeit an – das sind 73 Prozent aller Betriebe der Branche im Landkreis.

Die Zahl der Köchinnen, Kellner und Hotelfachleute in Kurzarbeit stieg im April 2020 auf 2265. Dies geht laut NGG aus einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit hervor. Nach Angaben des Ifo-Instituts waren im Januar 2021 bundesweit 56 Prozent aller Beschäftigten des Gastgewerbes in Kurzarbeit. Zum Vergleich: In der Gesamtwirtschaft lag die Quote bei lediglich 7,8 Prozent.

Reserven aufgebraucht

„Im Unterschied zu anderen Branchen dauert der derzeitige Lockdown für die Gastronomie und Hotellerie immerhin schon seit Anfang November“, sagt Mustafa Öz, Vorsitzender des NGG-Landesbezirks Bayern. Die Betroffenen wüssten mittlerweile nicht mehr, wie sie ihre Miete bezahlen sollen. „Ihre letzten Reserven sind längst aufgebraucht“, betonte Öz. „Und es könnten noch Monate vergehen, bis Hotels und Gaststätten wieder öffnen.“ Das gelte auch für die Beschäftigten in der heimischen Region. „Wegen ohnehin niedriger Löhne und fehlender Trinkgelder spitzt sich die Lage der Beschäftigten auch im Kreis Ostallgäu dramatisch zu. Ohne schnelle und unbürokratische Hilfe drohen den Menschen existentielle Probleme“, mahnt der Landesbezirksvorsitzende.

Zusammen mit der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat die NGG deshalb Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Koalitionsspitzen in einem offenen Brief aufgefordert, ein branchenübergreifendes Mindest-Kurzarbeitergeld in Höhe von 1200 Euro pro Monat einzuführen. Am vergangenen Donnerstag (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) debattierte auch der Deutsche Bundestag über das Thema. Außerdem haben ver.di und die NGG eine Online-Petition zum Mindest-Kurzarbeitergeld gestartet. Weitere Infos dazu gibt es im Internet unter: https://www.ngg.net/mindest-kug

„Wenn die Politik Unternehmen mit enormen Steuermitteln unterstützt, um eine Pleitewelle zu verhindern, dann muss auch genug Geld für die da sein, die jetzt jeden Cent zweimal umdrehen müssen“, fordert Öz. Gerade in kleineren Pensionen und Gaststätten in der Region verdienten viele Beschäftigte kaum mehr als den gesetzlichen Mindestlohn. Eine Kellnerin, die in Vollzeit zum Mindestlohn arbeitet, kommt im ersten Bezugsmonat auf nur 728 Euro Kurzarbeitergeld (ledig, ohne Kinder, Kirchensteuer), so Berechnungen der Gewerkschaft. Selbst nach der Erhöhung auf 80 Prozent des Einkommens, wie sie nach sieben Monaten Kurzarbeit greift, blieben unterm Strich nur 971 Euro im Monat.

kb/mm

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