Ostallgäuer Geschäftsleute protestieren leise gegen Corona-Maßnahmen

Dauer-Lockdown: Ostallgäuer Einzelhändler starten stille Protest-Aktion

Unterhosen in Schaufenster
+
Mit der Aktion „Der Staat zieht uns die letzte Unterhose aus“ wollen Einzelhändler aus der Region auf ihre prekäre Situation in der Corona-Krise aufmerksam machen.
  • Hubert Hunscheidt
    vonHubert Hunscheidt
    schließen

Landkreis/Füssen – Es ist ein stiller Protest, der sich bei verschiedenen Geschäftsleuten unter dem Motto „Der Staat zieht uns die letzte Unterhose aus“ formiert: einige Einzelhändler im Landkreis initiieren jetzt Widerstand gegen die Corona-Beschränkungen, die der Geschäftswelt erheblich zusetzen.

In Solidarität mit der italienischen Gastronomie, die sich durch den Corona-Lockdown ebenfalls in arger Bedrängnis wähnt, starten heimische Einzelhändler am Freitag, 30. April, wie Schuhhaus Henkel in Nesselwang, die Pfrontener Teestube oder die Schmetterlingswelt in Pfronten ihre Protestaktion. „Der Staat stiehlt uns die letzte Unterhose“, erklärt Magdalena Erhart, „ist die Überschrift des Protestes gegen die Beschränkungen“.

Diese Idee hatte ihr so gut gefallen, dass sie sich kurzerhand mit zahlreichen Geschäftsleuten und Gastronomen im südlichen Ostallgäu in Verbindung setzte. Bei diesen fand der Gedanke Anklang. So konnte bereits der Aktionskreis „Unser Pfronten“ für eine Beteiligung begeistert werden. Auch die Füssener, Nesselwanger und Marktoberdorfer Geschäftswelt zeigt mittlerweile Interesse an der Protestmaßnahme.

In zahlreichen Einzelhandelsgeschäften der Region und darüber hinaus sieht man bereits Unterhosen in den Schaufenstern, mit denen die Geschäftsleute auf ihr Dilemma aufmerksam machen. „Die zugesagten Hilfen vom Staat fließen dürftig“, erklärt Magdalena Erhart „und sollte die Soforthilfe bewilligt werden, dauert es zum Teil eine gefühlte Ewigkeit bis man Geld sieht. Darüber hinaus musste ich meine Winterware bis vor wenigen Wochen noch unter dem Einkaufspreis verschleudern“, berichtet sie. Nun wartet die Frühjahrs- und Sommerkollektion bereits auf Kundschaft. „Das Click & Collect ist keine Alternative zu einem geöffneten Laden, in dem die Kunden und Kundinnen stöbern und nach Herzenslust shoppen können“, betont Erhart.

Besonders stark betroffen sind Handel und Gewerbe im Pfrontener Ortsteil Ried: wegen der Straßenbaumaßnahmen, die vom Frühjahr 2019 bis zum Jahresende dauerten, verzeichneten die Geschäftsleute dort bereits im Jahr vor Beginn der Corona-Krise weniger Umsätze. Als Grundlage für die Soforthilfen des Bundes werden jedoch die Umsätze aus eben diesem Jahr 2019 herangezogen. „Das bedeutet im Klartext“, erklärt die Pfrontenerin, „dass sie bei den zugesagten Hilfspaketen leer ausgehen.“

So hoffen nun neben den Pfrontener und Nesselwanger Geschäften unter anderem auch „Mode-Martin“ in Marktoberdorf und „Trachten-Wolf“ in Füssen sowie weitere Unternehmen im Landkreis Ostallgäu, dass ihre gemeinsame Aktion „Der Staat zieht uns die letzte Unterhose aus“ Lockerungen der Corona-Einschränkungen zur Folge haben werden, um wieder zu einer gewissen Normalität zurück zu finden.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Inzidenzen nähern sich der 100er-Grenze
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Inzidenzen nähern sich der 100er-Grenze
Riskantes Überholmanöver: Minifahrerin bedrängt Mofafahrer beim Abbiegen
Riskantes Überholmanöver: Minifahrerin bedrängt Mofafahrer beim Abbiegen
Corona im Ostallgäu: Inzidenzwert in Kaufbeuren steigt deutlich über 50, im Landkreis auf über 30
Corona im Ostallgäu: Inzidenzwert in Kaufbeuren steigt deutlich über 50, im Landkreis auf über 30
Stadt Füssen plant neuen Parkplatz vor Hopfen - BUND kündigt Widerstand an
Stadt Füssen plant neuen Parkplatz vor Hopfen - BUND kündigt Widerstand an

Kommentare