Borkenkäfer-Schäden sollen ausgeglichen werden

Pfrontener Bergwald: Der Natur ein Stück zurück geben

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Nachdem die von Borkenkäfer befallenen Bäume im Vorjahr gefällt wurden, bilden deren Wurzelstöcke an der Steilfläche einen natürlichen Schutz für die jungen Bäume.

Pfronten – 500 Jungbäume haben jetzt rund 30 Kinder, Jugendliche und Erwachsene der DAV-Sektion Pfronten unter der fachlichen Anleitung des Försters Sebastian Baumeister in einer halben Hecktar großen steilen Bergwaldfläche gepflanzt, die im Vorjahr den Borkenkäfern zum Opfer fiel.

Mit dieser Aktion der DAV-Familiengruppe, die bereits zum fünften Mal über die Bühne ging, fördern die ehrenamtlichen Baumpflanzer einen artenreichen Schutzwald und belohnten sich selbst mit einem unvergesslichen Naturerlebnis. Dieser Nachmittag ist schon zur Tradition im Familienprogramm der Sektion Pfronten des Deutschen Alpenvereines geworden. 

Auf Initiative der Familiengruppenleiterin Sonja Wünsch treffen sich jedes Jahr im Frühjahr zwischen 30 und 50 Jugendliche und Eltern, um im Gemeindewald Bäume zu pflanzen. Der für die Kommune zuständige Förster Sebastian Baumeister leitet diese Aktion und wählt im Vorfeld geeignete Flächen dafür aus. Heuer forsteten die Engagierten eine rund einen halben Hektar große Waldfläche am „Manzen“ auf. Im vergangenen Jahr mussten dort Nadelbäume gefällt werden, die von Käfern befallen waren. 

Da der Wald in dieser steilen Fläche allerdings Siedlungen, Wege und Straßen vor Erosionen und auch Lawinen schützt, sollte der Bereich schnell wieder angepflanzt werden. So war das Engagement des Alpenvereins der Gemeinde Pfronten auch heuer sehr willkommen, zumal diese Unterstützung derzeit die einzige ehrenamtliche Pflanzaktion im kommunalen Wald sei, erklärte die Gemeinde. Zunächst mussten die Engagierten die Pflanzen, die die Gemeinde in mehreren Holzkisten bereitgestellt hatte, vom Treffpunkt im Tal samt Werkzeug zu Fuß rund 300 Meter bergauf zur Sanierungsfläche schleppen. 

Nachdem Pfrontens Förster den Helfern erklärt hatte, warum und wie sie an dem ausgewählten Hang Bäume pflanzen müssen, machten sich die Kin-der, Jugendliche und Erwachsene des Alpenvereins an diesem kühlen und regnerischen Mainachmittag voller Elan an die Arbeit. 

Etwas zurückgeben

 „Wir nützen als Alpenvereinsmitglieder die Landschaft ganzjährig für unsere Aktivitäten. Mit dieser, heuer bereits zum fünften Mal durchgeführten Pflanzaktion, möchten wir der Natur ein Stück zurückgeben“, sagte Initiatorin Sonja Wünsch. Auch für die angehende Jugendgruppenleiterin Tina Hechenberger war dieser Nachmittag eine besondere Herzensangelegenheit. „Mit dieser Aktion wird den Kindern und Jugendlichen praxisnahes Umweltwissen vermittelt. Den Eifer der Kinder und Jugendlichen zu beobachten, spornt auch die Erwachsenen an, keine Pause zu machen, bis alle Bäumchen verpflanzt sind“, so die DAV-Betreuerin. 

In der Steillage unterstützten fachkundig wie tatkräftig die beiden gemeindlichen Waldarbeiter Norbert Fischer und Hans-Peter Haslach sowie Nina Oestreich von der Bergwaldoffensive die Pflanzarbeiten und halfen den Kindern und Jugendlichen bei den Vorbereitungen. Denn zunächst mussten diese mit einer auch „Wiedehopf“ genannten Kreuzhaue den kargen Waldboden aufhacken und ein Pflanzloch ausheben.

 Die kleinen Bäume sollten vor allem unterhalb der Wurzelstöcke, die nach den Rodungen im Hang geblieben waren, gesetzt werden, damit sie natürlich vor Schneedruck geschützt sind. Nachdem sie den Schutzmantel vom Wurzelballen entfernt hatten, setzten die Helfer die Gehölze in das vorbereitete Loch, häuften den Boden wieder an und festigen abschließend durch einen Tritt mit der Schuhhacke die Pflanzung.

 Damit ein artenreicher Mischwald entsteht, pflanzten die Engagierten verschiedene Baumarten. Neben den Nadelbaumarten Lärche und Kiefer setzten die Aktiven Buchen und Mehlbeeren. 

Stabiler Schutzwald

Vor allem Letztere kämen mit den schwierigen Bedingungen an den aufgrund der Westlage häufig trockenen Hängen zurecht. „Mit dieser Artenmischung etablieren wir dank der regulierten Wilddichte auch ohne Verbissschutz einen stabilen Schutzwald”, erklärte Förster Baumeister. „Da wir in dem Waldgebiet zusätzlich Biotopbäume und liegendes Totholz als Lebensraumgrundlage für seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten, schaffen wir vielfältige Lebensräume für zahlreiche auch seltene Tier- und Pflanzenarten. Dadurch erhöhen wir die Biodiversität im Schutzwald.“ 

Damit werde das von der Bayerischen Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Michaela Kaniber für das Jahr 2019 ausgegebene Motto auch in Pfrontens Wald unter Einbezug der Kinder und Jugendlichen in die Praxis umgesetzt, so Baumeister weiter. Die jungen Helfer selbst mühten sich nach Kräften, die jungen Bäume in den steilen Hang zu pflanzen. 

„Mir gefällt besonders, dass wir hier ohne Zeitdruck arbeiten können und selbst entscheiden dürfen, wo wir die Bäume pflanzen“, sagte die 13-jährige Paula Schubert. Ihre gleichaltrige Freundin Angelina Brandl ist schon das vierte Mal dabei. „Wir macht es richtig viel Spaß mit eigenen Händen die zarten Bäumchen einzupflanzen“, ergänzte die Schülerin. 

Auch der erste Vorstand des Pfrontener Alpenvereins Matthias Kiechle freut sich über das Engagement des Nachwuchs. In seinen Dankesworten am Ende des Nachmittags erklärte der Sektionschef diese Aktion auch im kommenden Jahr in Kooperation mit der Gemeinde wiederholen zu wollen. 

Der örtliche Alpenverein engagiere sich voller Überzeugung. „Über die Freihaltung der mit allen Behörden und Grundstückeigentümern einvernehmlich gefunden Skiroute auf den Edelsberg setzen wir das DAV-Projekt ,Skibergsteigen umweltfreundlich' in Pfronten tatkräftig um”, so Kiechle. „Und auch mit dieser Pflanzaktion betreiben wir aktive Landschaftspflege und leisten zugleich Umweltbildung für unsere jungen Mitglieder. 

Damit verwirklichen wir unsere Alpenvereinsziele sinnvoll vor Ort“, freut sich Pfrontens Sektionschef über den ge lungenen Nachmittag. Zuvor hatten sich alle Teilnehmer nach getaner Arbeit an Ort und Stelle mit einer kleinen Brotzeit gestärkt und blickten voller Stolz auf die von ihnen angepflanzte Hangfläche.

kb

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