Infoveranstaltung zum geplanten Logistikzentrum in Vils

Angst vor einer Verkehrslawine

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Proppenvoll ist der Vilser Stadtsaal bei der Infoveranstaltung zum geplanten Logistikzentrum der Firma Deckel Maho in Vils.

Vils – Die Wogen schlagen hoch in Vils. Konkret geht es um den Werkzeugmaschinenhersteller Deckel Maho, der in Vils ein Logistikzentrum bauen möchte. Um sich den Fragen der Bürger zu stellen, hat jetzt die Gemeinde und die Firma zu einer Infoveranstaltung in den Vilser Stadtsaal eingeladen.

Mit einer Gegenstimme hatte der Vilser Gemeinderat im September die Änderung des örtlichen Raumordnungskonzeptes beschlossen und so den Weg für das Logistikzentrum geebnet. Denn nun kann die Stadtgemeinde ein neues Gewerbegebiet im Westen der Stadt ausweisen und somit die Errichtung eines Logistikzentrums von Deckel-Maho aus Pfronten ermöglichen. 

Allerdings stoßt das auf massiven Widerstand in Teilen der Bevölkerung. Ein Informationsabend der Stadtgemeinde stieß daher auf immenses Interesse bei den Vilsern. Der Stadtsaal konnten die Besuchermassen kaum fassen, die halbe Stadt schien auf den Beinen zu sein. 

Für die Fragen der Bürger standen der technische und kaufmännische Geschäftsführer von Deckel Maho zur Verfügung, für die Kommune stellte sich Bürgermeister Günter Keller dem Publikum. So berichtete der kaufmännische Geschäftsführer der Firma, Steffen Burghoff, dass die Bemühungen der High-Tech-Firma ein geeignetes und in der Größe entsprechendes Gelände im Allgäuer Umfeld des Firmenstandorts Pfronten zu finden, trotz Wohlwollen der deutschen Kommunen zu keinem Ergebnis geführt hätten. 

40 neue Arbeitsplätze 

Das angepeilte Gelände am Ortsausgang von Vils sei dagegen für den Betrieb des Unternehmens geradezu ideal, um die zerstreuten Bereiche und Lagerstätten im Sinne eines gedeihlichen Wachstums am Standort in Vils zu konzentrieren, so Burghoff. Es ginge um nur 24 LKW-Fahrten pro Tag von der A7 über den Grenztunnel durch die Stadt, versuchte er die Bedenken der Gegner zu zerstreuen. Der Pendelverkehr nach Pfronten tangiere die Stadt ja kaum, gab er zu verstehen. 

Auch der Abtransport von fertigen Maschinen würde über das deutsche Gebiet abgewickelt. Geplant sei, hier Rohmaterial zu lagern, das im Werk Pfronten verarbeitet werde. Daneben sollen so 40 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, was doch ein gutes Argument für die Vilser sei, das es zu berücksichtigen gelte. Eine Mehrbelastung durch den Verkehr wollte allerdings auch Burghoff nicht ausschließen. 

Für die geplante Hochlagerhalle sei aber keine Andockstation wie üblich vorgesehen. Die Be- und Entladung würden sich im Innern abspielen, erklärte der kaufmännische Geschäftsführer. Außerdem fänden die Aktivitäten nur währenden der üblichen Arbeitszeiten und nicht bei Nacht statt. 

Das große Ganze im Auge zu behalten, sei die Aufgabe eines gewählten Gemeinderates, erklärte Bürgermeister Keller dann in seinem Statement. Dabei verwies er auf die eindeutigen Beschlüsse der Mandatare. Wolle sich eine Kommune weiterentwickeln und ihre finanziellen Möglichkeiten festigen, seien derartige Projekte notwendig, auch wenn sie auf Widerstand stießen. 

Im Übrigen müsse ein solches Projekt eine Unzahl von Verfahren, vom Verkehr bis zur Umweltverträglichkeit durchlaufen, die außerhalb der Entscheidungen der Kommune lägen, verwies der Rathauschef auf die Kompetenzen von Bezirkshauptmannschaft und Land. Man sei erst in der Startphase, stehe aber grundsätzlich hinter dem Vorhaben von Deckel-Maho, unterstrich Keller. 

Hohe Verkehrsbelastung? 

Voller Emotionen waren dann die Wortmeldungen der Vilser bei der anschließenden Diskussion, die zum großen Teil von Gegnern des Projektes kamen. So befürchten viele Bürger eine Verkehrslawine durch ihre Gemeinde, argumentierte eine besorgte Vilserinnen. Schon jetzt sei die Verkehrsbelastung ein Riesenproblem. Vils entwickle sich zu einer Industriestadt, was abzulehnen sei, meinte eine andere Diskutantin. Warum alles auf einmal so schnell gehen müsse, fragte ein Anderer. Eine Lösung für die befürchtete Verkehrslawine, lieferte ein anderer Vilser. So schlug er vor eine „Obergrenze“ an Fahrten vertraglich festzulegen. 

Bürgerbefragung starten 

Die Befürworter des Projekts schienen im Stadtsaal in der Minderheit zu sein. Bis auf einen, meldete sich niemand im Publikum zu Wort, der dem Projekt positiv gegenüberstand. Die Angelegenheit dürfte im Grenzstädtchen weiterhin für rege Diskussionen sorgen. Mit rund 240 Unterschriften wollten Engagierte bereits bei der Gemeinde Vils eine Bürgerbefragung deswegen beantragen. Doch der Bürgermeister wies aufgrund eines formalen Fehlers den Antrag per Bescheid ab. Doch die Gegner geben deshalb noch nicht auf. Sie wollen einen neuen Anlauf wagen, der diesmal den gesetzlichen Vorschriften entsprechen soll. Derartige Listen sind bereist im Umlauf, war zu vernehmen.

Hans Nikolussi

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