Kegelbahn im Haus Hopfensee wird abgerissen 

Füssener Eigenbetrieb vor dem Aus

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Das „Haus Hopfensee“ gilt als wichtiger Treffpunkt und Veranstaltungsort für die Hopfener Vereine. Durch die Erweiterung der „Hopfenseestube“ soll das Haus heuer weiter aufgewertet werden.

Füssen – Weil sie teilweise chronisch defizitär arbeiten und daher dauerhaft am Tropf des städtischen Kernhaushaltes hängen, gehören manche Eigenbetriebe der Stadt seit Jahren zu den Sorgenkindern der Kämmerei.

Mit den „Kurhausbetrieben“ will die Stadt nun eine ihrer Töchter abstoßen: Zum 31. Dezember wird der Betrieb aufgelöst. Das entschieden die Stadträte im Werkausschuss am Dienstagnachmittag einstimmig. Für den städtischen Kernhaushalt hat das sowohl Vor- als auch Nachteile. Der Eigenbetrieb „Kurhausbetriebe der Stadt Füssen“ war einst gegründet worden, um die Verpachtung der beiden kommunalen Veranstaltungshäuser „Kurhaus“ und „Haus Hopfensee“ zu managen. 

Das bedeutete auch, dass Einnahmen und Ausgaben des Eigenbetriebs nicht im Kernhaushalt der Stadt auftauchten. Allerdings muss die Stadt grundsätzlich mögliche Defizite der Eigenbetriebe mit Geld aus ihrem Kernhaushalt ausgleichen. Ein weiterer kommunaler Eigenbetrieb sind etwa die Füssener Stadtwerke. 

Nachdem das „Kurhaus“ im Weidach bereits 2005 nach langem Siechtum endgültig dicht machen musste, blieb nur noch das „Haus Hopfensee“ übrig. Doch dessen Verpachtung lässt sich nach Überzeugung der Stadtverwaltung auch im städtischen Kernhaushalt darstellen. Dazu kommt laut Kämmerer Marcus Eckert, dass durch die Auflösung künftig jede Menge Bürokratie eingespart werden kann. 

Denn die Eigenbetriebe erfordern unter anderem die Erstellung eigener Wirtschaftspläne, eigene Jahresabschlüsse oder Verrechnungen von Verwaltungskostenbeiträgen. „An direkten Kosteneinsparungen ergibt sich ein Betrag von ca. 7500 Euro für Steuerberatungskosten- und Jahresabschlussprüfungskosten“, erläuterte Eckert. Aus steuerlichen Gründen spreche ebenfalls nichts gegen diesen Schritt. 

Auch der Bayerische Kommunale Prüfungsverband (BKPV) empfiehlt die Auflösung des Eigenbetriebs: „Die Prüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse ergab eine bilanzmäßige Überschuldung; der Fortbestand des Unternehmens aus eigener Ertragskraft ist nicht möglich.“ Kämmerer Eckert ergänzte am Dienstag: „Der Betrieb ist immer darauf angewiesen, aus dem städtischen Haushalt querfinanziert zu werden!“ 

Darüber hinaus könne künftig schneller auf Kursschwankungen des Schweizer Franken (CF) reagiert werden als bisher. Denn bekanntlich hat der Eigenbetrieb einen Kredit in Höhe von 12 Millionen CF 2008 aufgenommen, um Geld zu sparen. Nachdem die Schweizer aber 2015 die Kursbindung des Franken an den Euro aufgab, macht die Stadt je nach Kurs mal höhere, mal niedrigere Verluste. Derzeit wird alle drei Monate geprüft, ob sich ein Ausstieg wegen der Kursentwicklung lohnt oder nicht (der Kreisboteberichtete mehrfach). Bislang hat die Stadt eine Million getilgt. „Die letzte Entwicklung des Franken war recht gut, dann kam aber wieder ein Einbruch“, so Eckert. 

Verheerende Bilanz

Das Darlehen ist auch der Hauptgrund für die verheerende Bilanz des Eigenbetriebs: Trotz eines Jahresgewinns von rund 880.400 Euro – der aber vor allem aus der Schuldendiensthilfe der Stadt, dem Anteil aus dem gewerblichen Fremdenverkehrsbeitrag sowie eines Sondereffekts aus dem Schweizer-Franken-Darlehen resultiert – weist die kommunale Tochter insbesondere wegen des Kredits zum 31. Dezember 2017 einen Verlust von 13,9 Millionen Euro aus. 

Der Wirtschaftsplan für 2019 sieht laut Kämmerer Eckert Erträge in Höhe von 146.100 Euro vor. Dem stehen 202.100 Euro an Ausgaben gegenüber. Macht unterm Strich ein prognostiziertes Minus von 55.000 Euro für das laufende Jahr. Der Nachteil aber ist: Nach der Auflösung Ende des Jahres wird ab 2020 das Defizit des Eigenbetriebs eins zu eins in den städtischen Kernhaushalt übertragen. 

Das bedeutet, dass der Schuldenstand des Kernhaushalts 2020 mit einem Mal um über zwölf Millionen Euro nach oben schießen wird. „Wir sorgen damit für Klarheit“, sagte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) am Dienstagnachmittag im Werkausschuss. Da die Auflösung aber auch die oben genannten Vorteile mit sich bringt und das Minus des Eigenbetriebs ohnehin von der Stadt ausgeglichen werden muss, fiel es den Ausschuss-Mitgliedern leicht, ohne Debatte und Gegenstimmen der Auflösung des defizitären Eigenbetriebs zuzustimmen. 

Außerdem entschied der Werkausschuss, 50.000 Euro im diesjährigen Wirtschaftsplan für den Abbau der Kegelbahn im „Haus Hopfensee“ bereit zu stellen. Diese entspreche nicht mehr den heutigen Standards. Weil aber eine Modernisierung in keinem Verhältnis zur stark nachlassenden Nutzung der Bahn stehe, soll die Anlage heuer abgerissen und dafür im Gegenzug die „Hopfenseestube“ erweitert werden. 

„Wir halten das jetzt für den geeigneten Zeitpunkt für Umbaumaßnahmen“, erklärte Kämmerer Eckert. Denn zwischenzeitlich habe der langjährige Pächter Uli Pickl erklärt, den Pachtvertrag bis Anfang 2021 erfüllen zu wollen, so der Kämmerer weiter. Danach müsse ohnehin mit dem Nachfolger ein neuer Pachtvertrag ausgehandelt werden.

mm

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