Füssener Bauausschuss bleibt beim Nein

Knappe Entscheidung: Füssener V-Markt darf Sortiment nicht erweitern

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Der V-Markt in der Kemptener Straße in Füssen.

Füssen – Denkbar knapp hat der Bauausschuss in seiner Sitzung am Dienstag mit 6:5-Stimmen die neue Sortimentsverteilung im V-Markt in der Kemptener Straße abgelehnt.

Nachdem das Handwerkersortiment in den neuen V-Baumarkt in der Hiebelerstraße umgezogen ist, wurden in dem V-Markt 2300 Quadratmeter frei, die neu verteilt werden sollten. Im Juni 2017 hatte der Bauausschuss bereits beschlossen, dass dabei nicht das Angebot erweitert werden dürfe. Zu groß war die Befürchtung, dass darunter die Geschäfte in der Innenstadt leiden könnten. 

Durch die Auslagerung des Handwerkersortiments in die Hiebeler Straße wurden in der Kemptener Straße Flächen frei, die zum Teil für den Getränkemarkt genutzt werden sollten, den die Firma ursprünglich in einem angrenzenden Neubau unterbringen wollte. Außerdem wollten die Betreiber die Gänge verbreitern und die Waren zeitgemäß präsentieren, um den Markt kundenfreundlicher zu gestalten. Daneben war auch eine Neuverteilung des Sortiments vorgesehen. Bestimmten Bereichen sollten mehr Quadratmeter zugeschlagen werden. 

Doch damit hatten die Stadträte im Ausschuss bereits im Juni vergangenen Jahres Probleme. Sie befürchteten, dass sich die Erweiterung negativ auf den Handel in der Innenstadt auswirken könnte. Deshalb beschlossen sie, dass bei der Neuverteilung das entsprechende Sortiment nicht erweitert werden darf (der Kreisbote berichtete). Im März reichte das Unternehmen schließlich einen neuen Antrag ein, den das Gremium aber zurück stellte. Zunächst sollte eine Stellungnahme der Regierung von Schwaben eingeholt und diese mit dem Unternehmen besprochen werden. 

Durch die neue Sortimentsverteilung seien die landesplanerische Belange nicht betroffen, heißt es nun in der Stellungnahme. Daraus könne „eine positive Beurteilung abgeleitet werden“, so Bauamtsleiter Armin Angeringer. In Gesprächen mit dem Landratsamt habe Baujuristin Gudrun Hummel ebenfalls anklingen lassen, dass sie einer Genehmigung zustimme, wenn die Stadt Füssen eine Befreiung vom B-Plan absegne. Derzeit sehen die Pläne der Firma unter anderem eine Erweiterung des Gartenbereichs um 39 Quadratmeter, des Auto-/Elektro-/Spielwaren-/Freizeitbereichs um 37 Quadratmeter und der Metzgerei um 36 Quadratmeter vor. Gerade die Größe der Metzgerei werde dadurch mehr als verdoppelt (von 20 auf 56 Quadratmeter). Im Gespräch mit der Stadtverwaltung habe der Bauherr erklärt, dass diese „Mehrungen aus seiner Sicht begründbar sind.“ 

Doch diese beurteilte Jürgen Doser (FWF) mehr als kritisch. „Genau diese Zahlen hatten wir vor einem halben Jahr hier drin.“ Die kleinen Erweiterungen seien in Ordnung. Ganz anders schaue es dagegen mit den innenstadtrelevanten Bereichen aus wie beispielsweise der Metzgerei. Die Regierung habe nur eine pauschale Beurteilung vorgelegt. Dass die Stadtverwaltung diese Aussage einfach hinnehme, „kann ich nicht verstehen“, so Doser. Die Stadt müsse schließlich selbst entscheiden, was innenstadtrelevant sei und was nicht. Seit zehn Jahren diskutiere man bereits darüber – und jedes Mal würden die Vorgaben aufgeweicht. „Wir können nicht jedes Mal umfallen. Immer nur Ausnahmen machen, funktioniert nicht.“

 "Schon ausgestorben"

Dabei gab ihm Dr. Martin Metzger (BfF) recht. Nur: Das, was die Stadt in diesem Fall schützen möchte, sei „leider schon ausgestorben“. Sprich: Einen Metzger und einen Bäcker in der Innenstadt. Deshalb könne das Gremium dem Antrag zustimmen, so Metzger. „Aber zukünftig sollten wir überlegen: Was wollen wir schützen und das sollten wir dann auch schützen.“ Diesen Vorschlag befürwortete auch Lothar Schaffrath (SPD). 

Auch er sah bei dem jetzigen Antrag keine Probleme. Schließlich sei der V-Markt nicht irgendwer. „Das Sortiment ist super. Es wird von der Bevölkerung angenommen. Der Vinzenzmurr ist da auch und sonst haben wir keinen Metzger in der Innenstadt.“ Zumal: „Das Sortiment ist nicht größer geworden, nur die Optik ist besser“, fügte Niko Schulte (CSU) hinzu, der als Zweiter Bürgermeister Paul Iacob (SPD) vertrat. Etwas anders beurteilte Dr. Anni Derday (FWF) die Situation. „Jede Attraktivierung auf der grünen Wiese ist ein Abzug und potentieller Verlust für die Innenstadt.“ 

Weil alles an den Stadtrand abwandere, gebe es in der Innenstadt keine flächendeckende Versorgung mehr. Die Folge: Immer mehr Imbisse, worunter wiederum die Qualität leide. Ihr Fazit: „Wir sind nicht konsequent genug.“ 

Schuld am Obi-Aus?

Als schizophren bezeichnete Dr. Christoph Böhm (CSU) das Verhalten der Verwaltung. „Der Einzelhandel sagt, dass man einen City-Manager braucht, weil keiner mehr weiß, wie er die Geschäfte in der Innenstadt betreiben soll. Den soll die Stadt bezahlen. Aber selber sabotieren wir uns.“ 

Drastisch formulierte es auch Magnus Peresson (UBL). Nach dem Bau des V-Baumarkts musste der Obi-Markt schließen. „40 Arbeitsplätze sind weg. Daran sind auch wir schuld, weil wir nicht konsequent genug waren. Ich verneige mich vor den Opfern.“ So wollte das Metzger aber nicht stehen lassen. „Wir hatten ein klares Gutachten, dass sich beide Märkte tragen. Wir haben das nicht anders gewusst.“ Was aber nun wirklich der Grund für die Schließung des Obi-Markts war, darüber könne man nur spekulieren. Das sah auch Schulte so. „Wir wissen nicht, was hinter den Kulissen läuft.“ Einen Stadtratsbeschluss als einzigen Grund für die Schließung aufzuführen, „das ist zu einfach gestrickt.“

kk

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